Zwischen Neckar und Alb

Ein letztes Mal Weihnachten

Abschied Im Hospiz Esslingen wird die Adventsszeit mit Bedacht gestaltet. Man achtet auf die Wünsche der Gäste.

Susanne Kränzle (Mitte), Martina Fricker, Claudia Dippon (links) beim Schmücken der Räume. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Susanne Kränzle (Mitte), Martina Fricker, Claudia Dippon (links) beim Schmücken der Räume. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Kreis. Schon Wochen vor Weihnachten rüstet man sich im Esslinger Hospiz für die Advents- und Weihnachtszeit. Mitarbeiterinnen gestalten einen Adventskalender aus Tütchen mit Kleinigkeiten und kurzen Texten, die die Hospizgäste öffnen dürfen. Tannenzweige, Misteln und Lichter, eine Krippe und zum Fest natürlich auch Christbäume schaffen eine weihnachtliche Stimmung im Haus. „Wir möchten für unsere Gäste alles schön dekorieren“, sagt Claudia Dippon, die Leiterin des stationären Bereichs.

Individuell geht es hinter den Zimmertüren zu. Wer will, darf den Raum nach seinem Geschmack schmücken. Dabei spielen auch eigene Traditionen eine große Rolle: Ein alter Herr ließ sich von seiner Tochter die Weihnachtskrippe bringen, die er einst selbst geschnitzt hatte. Andere wünschen sich den vertrauten Adventsschmuck. Wer möchte und kann, darf beim Plätzchenbacken oder dem Schmücken der Christbäume helfen. „Es ist uns wichtig, die Adventszeit besonders zu gestalten“, sagt Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin des Hospiz. Die Gäste schätzten die heimelige Atmosphäre und das Zusammensitzen am schön gedeckten und geschmückten Tisch. Schon am Frühstückstisch brennen im Advent die Kerzen.

Immer wieder gibt es etwas Zeit für Texte und Musik bei Gutsle und Punsch. Wer kann, versammelt sich um den runden Esstisch, auf dem ein Adventskranz mit einer großen roten Kerze steht. Wer nicht mehr aufstehen kann, dessen Zimmertür wird geöffnet, wenn er das möchte. „Jeder soll zu seinem Recht kommen. Deshalb versuchen wir, möglichst viele Wünsche zu erfüllen“, sagt Claudia Dippon. Das gelte auch für diejenigen, die mit Weihnachten nichts am Hut haben. „Sie haben alle Freiheit, an den Ritualen nicht teilzunehmen“, betont Susanne Kränzle.

„Bei aller Weihnachtsfreude liegt über allem eine große Traurigkeit.“ Das berühre auch die Mitarbeiter, erklärt Susanne Kränzle. „Die Gäste und wir wissen, dass es ihr letztes Weihnachten ist. Man kann sich nicht vorstellen, wie schmerzlich das sein kann.“ Manche schafften es jedoch, „ganz im Hier und Jetzt zu sein.“ Andere behelfen sich mit Galgenhumor, um den Schmerz zu übertünchen. urh

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