Zwischen Neckar und Alb

Ein „Lichtle“ vor Weihnachten

Kreistag: Neue Strukturen für den angeschlagenen Kreisjugendring bis spätestens zur Jahresmitte

Mit vereinten Kräften wollen Landkreis und Kommunen den verschuldeten Kreisjugendring (KJR) bis Sommer kommenden Jahres wieder handlungsfähig machen. Entsprechenden Maßnahmen haben die Fraktionen im Kreistag am Donnerstag zugestimmt. Nach wie vor unklar ist, wie das Modell der Zukunft genau aussehen soll.

Esslingen. Verein oder gemeinnützige GmbH? Das ist auch ein Jahr nach Bekanntwerden des Schuldenbergs in Höhe von 700 000 Euro, der auf dem Kreisjugendring lastet, noch immer die entscheidende Frage, wenn es um die künftige Organisationsform geht. Ein Kompromiss muss her, darüber sind sich alle Fraktionen im Kreistag einig. So viel Kontrolle wie nötig, so viel Freiheiten wie möglich. Seit der gemeinsame Konsolidierungsausschuss vor einem knappen Jahr seine Arbeit aufgenommen hat, ging es vor allem darum, schnell zu handeln, um die drohende Insolvenz zu verhindern. Finanzielle Hilfe, die geprägt war von Entschlossenheit quer durch alle politischen Lager. Ein klares Bekenntnis zum Grundsatz, wonach man im Kreisjugendring auch künftig den richtigen Partner in der Kinder- und Jugendhilfe sehe.

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Eine halbe Million Euro hat sich der Kreis aus dem Etat geschnitten, die 28 Städte und Gemeinden, die auf den KJR als Partner in der Schulsozialarbeit oder bei kommunalen Angeboten setzen, schossen noch einmal 335 000 Euro zu. Gleichzeitig einigten sich die Fraktionen im Kreistag darauf, etwaige Finanzengpässe auch in den kommenden beiden Jahren durch einen Vorschuss aus dem Kreishaushalt ausgleichen zu wollen: bis maximal eine Million Euro 2016, bis höchstens 750 000 Euro im folgenden Jahr.

Das Stopfen von Schuldenlöchern ist das eine. Wenn es darum geht, den KJR fit für die Zukunft zu machen, wird es schwieriger. Erster Schritt war noch im alten Jahr die Ausschreibung der Stelle eines kaufmännischen Geschäftsführers, der darauf achten soll, dass wirtschaftliche Grundregeln eingehalten werden. Die sehen die Freien Wähler im Kreis beim Ausbau der Angebote, insbesondere bei der Schulsozialarbeit, völlig außer Acht gelassen, wie Fraktionssprecher Frank Buss betonte. Die vor allem von FW und CDU geforderte strengere Kontrolle, die sich auch in der Besetzung des siebenköpfigen Vorstands niederschlagen soll, hatte bei der Mitgliederversammlung des KJR vor zwei Wochen für einen Aufschrei gesorgt. Von Entmündigung war dort die Rede. Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel erklärte, die SPD wolle an einem KJR auf Augenhöhe festhalten. „Der KJR ist Partner und nicht verlängerter Arm von Landkreis und Kommunen.“ Grünen-Sprecher Georg Zwingmann erinnerte daran, dass das bestehende Modell 30 Jahre lang bestens funktioniert habe.

„Im Augenblick spricht mehr für eine Vereinslösung“, sagte Landrat Heinz Eininger, der ein „Lichtle am Ende des Tunnels“ ausmachte. Sie würde beiden Seiten gerecht – Mitgliedern und Geldgebern – und wäre zügig umsetzbar. Ob die Kommunen für die Beteiligung an einer GmbH zu gewinnen wären, sei nicht geklärt. Auch die Einführung einer entsprechenden Buchführung würde dauern. Zustimmung fand die Einrichtung eines Jugendhilfereferats mit zwei Vollzeitstellen als Mittler in der Kreisverwaltung. Allerdings frühestens zur Jahresmitte. Wenn der Laden wieder läuft.

Was macht der Kreisjugendring?

Als Sozialunternehmen in Vereinsform ist der Kreisjugendring mit seinen mehr als 300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zehn Millionen Euro zentraler Träger der offenen Jugendarbeit im Kreis Esslingen und wichtigster Partner im Bereich Kinde- und Jugendhilfe. Er ist Dachverband für 29 Jugendverbände und als Betreiber von insgesamt 31 Jugendhäusern im Kreis Esslingen wichtigstes Bindeglied zwischen Landkreis und Gemeinden in der offenen Jugendarbeit. Der Kreis Esslingen unterstützt diese Arbeit im Rahmen des sogenannten „Esslinger Modells“ mit einem jährlichen Zuschuss von knapp 2,4 Millionen Euro. Der KJR ist auch in der Schulsozialarbeit aktiv und unterhält darüber hinaus drei Freizeitheime: die Sigelshütte und das Otto-Mörike-Haus an der Teck sowie das Otto-Weinmann-Haus bei Schwäbisch Hall. Die Geschäftsstelle des KJR ist in der Bahnhofstraße in Wendlingen.tb