Zwischen Neckar und Alb

„Ein Pfarrer, der es besser erwischt hat“

Religion Seit 50 Jahren gibt es in der katholischen Kirche den „Ständigen Diakon“. Drei Diakone berichten.

Neckar
Neckar in Esslingen

Esslingen. Wenn man wie die römisch-katholische Kirche in Jahrtausenden denkt, sind 50 Jahre kurz: Also ist der „Ständige Diakon“ ein junger Beruf. Seine Wurzeln sind aber knapp 2 000 Jahre alt. Drei Diakone aus dem Landkreis, seit 14 bis 25 Jahren in diesem Amt, haben viel zu erzählen.

Die römisch-katholische Kirche hat den Beruf vor 50 Jahren wiederentdeckt. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind derzeit 95 Diakone im Hauptberuf und 90 mit Zivilberuf tätig. Diakon ist dort ein Fortbildungsberuf und steht nur Männern ab 35 Jahren offen. Peter Seidl aus Nürtingen war vorher Mechanikermeister, Rainer Wagner aus Kirchheim Erzieher, Antonio Lo Bello aus Filderstadt Maschinenschlosser. Er kam aus Italien nach Deutschland und ist mit einer Schwarzwälderin verheiratet.

Verheiratet dürfen Diakone sein. Sind sie bei der Weihe ledig, müssen sie es aber bleiben. Wird ein Diakon Witwer, darf er nicht erneut heiraten. Schmunzelnd erzählt Rainer Wagner, der im Kirchheimer Liederkranz singt, von einer gemütlichen Runde nach einer Singstunde: „Ich musste erklären, wer ich bin.“ Nach einiger Bedenkzeit habe sein Gegenüber nachgefragt: „Du bist also ein Pfarrer, der es besser erwischt hat?“ Seinen Weg zum Diakon beschreibt Peter Seidl als Puzzlespiel. Eine Grundlage liege in der religiösen Erziehung durch seine Eltern, aber auch im Ministrantendienst, in kirchlicher Jugendarbeit und im Zivildienst. „Gemeinsam mit meiner Frau studierte ich berufsbegleitend Theologie. Mitte 30 suchte ich beruflich eine neue Herausforderung.“ Mit 40 Jahren wurde er zum Diakon geweiht. Die berufs- und familienbegleitende Ausbildung verlangt den Diakonen viel ab. Wer noch keine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Sektor hat wie Rainer Wagner als Erzieher, muss diese Qualifikation nachholen.

Die Tätigkeit der Diakone ist vielseitig, Wagner hat einen Teilauftrag im Kinder- und Jugendhospizdienst. Er tauft, beerdigt, predigt und assistiert bei Hochzeiten. „Viele schöne Erlebnisse sind mit tragischen Situationen verbunden“, sagt er. Er ist froh, wenn er sich in menschlichen Tragödien bewähren und Menschen stützen kann.

Peter Seidl erzählt, wie Menschen ihn dicht an sich heranlassen und von heiligen Momenten bei der Taufe. Antonio Lo Bello erzählt begeistert vom Strahlen eines frisch getauften Kindes. Von Diakonen im Zivilberuf erwarte die Kirche fünf Stunden Einsatz pro Woche, wofür sie 200 Euro Aufwandsentschädigung erhalten. Mit 70 Jahren werde man freigestellt, dürfe aber ohne Bezahlung freiwillig weiter wirken. Wagner bedauert, dass Frauen, die den Großteil des Ehrenamts erledigen, noch immer nicht zur Weihe zugelassen sind. Manchmal gebe es auch eine Konkurrenz zwischen Diakon und Pastoralreferent, sagt Lo Bello. Letzterer habe die umfangreichere theologische Ausbildung, dürfe aber nicht predigen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis darf er da schon etwas sagen, aber eben am Schluss nicht das „Amen“. Die drei Diakone bestätigen: Es finde sich immer ein Weg. Peter Dietrich

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