Zwischen Neckar und Alb

Ein Polizist mit Herz geht in Rente

Ruhestand „Ich bereue keinen Tag“, lautet das Fazit von Rudi Bauer an seinem letzten Arbeitstag als Polizeibeamter.

Ein letztes Mal in Dienstkleidung: Rudi Bauer.Foto: Carlucci
Ein letztes Mal in Dienstkleidung: Rudi Bauer.Foto: Carlucci

Region. Wenn Rudi Bauer sein Berufsleben Revue passieren lässt, weiß er gar nicht so recht, wo er anfangen soll. Der 60-Jährige hat in nahezu 40 Jahren als Polizist in der gesamten Region viel gesehen und erlebt und als Pressesprecher auch dem Teckboten oft und kompetent Auskunft gegeben. Der Vierfachmord in Eislingen ist sicher der spektakulärste Fall. Aber Rudi Bauer war auch Zeuge unzähliger Beziehungsdramen und schwerer Verkehrsunfälle. Und hat auch bei scheinbar kleinen Dingen bewiesen, dass er ein Polizist mit Herz ist: Als eine 82-jährige Frau ihre Schildkröte Max vermisste, startete er einen Aufruf - und die alte Dame und ihr lieb gewonnenes Tier waren am Ende wieder glücklich vereint.

„Ich bereue keinen Tag“, lautet das Fazit des langjährigen Leiters der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, die jetzt in Ulm angesiedelt ist. Ein dickes Fell brauche man in diesem Job. „Man muss damit klarkommen, was man erlebt. Ich habe immer versucht, den Beruf vor der Haustür abzulegen. Manchmal gelingt einem das aber auch nicht“, räumt Bauer ein. Der Neu-Pensionär hat in all den Jahren erfahren: „Der Beruf des Polizisten ist sehr wertvoll, aber auch sehr anspruchsvoll. Und er hat mir immer Spaß gemacht.“

Zunächst machte der junge Rudi Bauer aber eine Lehre als Werkzeugmacher bei der Firma Bellino. Irgendwann rief die Bundeswehr. „Da habe ich mir gedacht: Da gehe ich lieber zur Polizei“, erinnert er sich und lacht. Die erste Hälfte seines Berufslebens arbeitete er bei der Bereitschaftspolizei, die zweite bei der Polizeidirektion Göppingen. Die Zeiten, als er als Einsatzbeamter im ganzen Land unterwegs war, waren damit Geschichte, doch die Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit war nicht weniger wichtig und vielseitig. Die letzten viereinhalb Jahre fuhr er nach der Polizeireform jeden Tag nach Ulm.

Nun hat sich Rudi Bauer endgültig aus dem Polizistenleben verabschiedet. „Ich ziehe die Uniform aus, aber der Mensch bleibt der gleiche“, sagt der 60-Jährige. Dies war ihm in all den Jahren wichtig: zu zeigen, dass hinter dem Polizisten in Uniform ein Mensch steht.Susann Schönfelder

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