Zwischen Neckar und Alb

„Ein Polizist mit Leib und Seele“

Polizei Ein geschätzter Chef wurde in den Ruhestand verabschiedet: Hans-Dieter Wagner, Präsident des Reutlinger Polizeipräsidiums, geht. Von Barbara Gosson

Hans-Dieter Wagner (links) übergibt die Geschäfte an Alexander Pick. Foto: Barbara Gosson
Hans-Dieter Wagner (links) übergibt die Geschäfte an Alexander Pick. Foto: Barbara Gosson

Hans-Dieter Wagner war bis zur großen Polizeireform 2014 Leiter der Esslinger Polizeidirektion, dann wurde er im neu geschaffenen Polizeipräsidium Reutlingen, das die Landkreise Reutlingen, Esslingen und Tübingen umfasst, Präsident. Entsprechend verzeichnete die Gästeliste in der Metzinger Kelter Prominenz aus allen drei Landkreisen.

Als offizieller Vertreter der Landesregierung war Martin Jäger, Staatssekretär im Innenministerium, gekommen und hielt die Festrede. „Wagner ist ein Polizist mit Leib und Seele“, betonte er, ein Satz, der an diesem Nachmittag nicht nur einmal fiel.

Jäger zeichnete die Stationen der 41 Dienstjahre Wagners nach. Vom Eintritt in den Polizeidienst 1975, zu Zeiten, als der RAF-Terror auf seinem Höhepunkt war, die Jahre im Streifendienst bis zum Aufstieg in den Höheren Dienst 1989, die Zeit bei der Bereitschaftspolizei, deren Leiter Wagner 1996 wurde. Im Jahr 2006 übernahm Wagner dann die Leitung der Polizeidirektion Esslingen, bis diese 2014 im Polizeipräsidium Reutlingen aufging.

Über Wagner, so Jäger, sei nur Gutes von seinen Mitarbeitern zu hören, vor allem stand seine Tür immer offen. Denkwürdige Ereignisse in Wagners Laufbahn waren der erste Castor-Transport in Neckarwestheim, der erste gemeinsame deutsch-schweizerische Polizeieinsatz beim G8-Gipfel oder der Amoklauf von Wendlingen und Winnenden. Erfahrungen, die prägend waren. Grußworte kamen vom Leitenden Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler aus Stuttgart und von Oliver Auras, dem Vorsitzenden des Personalrates des Reutlinger Polizeipräsidiums. Oberstaatsanwalt Mahler sprach auch im Namen seiner Tübinger Kollegen: „Standhaftigkeit, Zielstrebigkeit und eine menschenfreundliche Grundhaltung waren der Schlüssel zum Erfolg.“

Auch Landrat Eininger sprach im Namen seiner Kollegen aus Reutlingen und Tübingen. Das Revier des Polizeipräsidiums Reutlingen umfasst 85 Gemeinden und 13 Große Kreisstädte. Die Zusammenführung zum Polizeipräsidium stieß nicht überall auf Begeisterung.

Im Namen der Kollegen sprach der Erste Kriminalhauptkommissar Oliver Auras. „Wagner ist eine Führungspersönlichkeit, die sich um die Mitarbeiter kümmert, das Gegenüber wahrnimmt und mitnimmt“, betonte er. Er habe es geschafft, in dem komplexen Präsidium mit seiner Mischung aus Ballungsraum und ländlichen Gebieten ein Wir-Gefühl zu erzeugen.

„Den so Gepriesenen würde ich auch mal gerne kennen“, schmunzelte Wagner, der selbst noch einmal Rückschau auf seine 41 Jahre im Polizeidienst hielt. „Komm, Jonger, draußa send Lompa“, sagte sein alter Chef zu Streifenbeginn zu ihm. Dieser war ihm ein Vorbild, wie manche andere, die Wagner zum Festakt eingeladen hatte.

Wagner sparte nicht mit Kritik an politischen Entscheidungen, die der Polizei die Arbeit erschweren. Wagner hofft, dass die neuen Bodycams helfen, die Hemmschwelle wieder zu heben. Es dürfe nicht hingenommen werden, wenn Polizisten bespuckt, beleidigt und im Internet verfolgt werden. Wagners Leitspruch lautete: „Wer sagt, was er denkt und tut, was er sagt, der ist, was er tut.“

Wagners Nachfolger Alexander Pick ist 56 Jahre alt und stammt aus Hechingen. Staatssekretär Jäger lobte seine große Kompetenz: „Reutlingen darf sich auf einen Fachmann freuen.“ Pick zeichne sich durch hohe Belastbarkeit, Beharrlichkeit und Charisma aus.

Pick sagte, dass er Demut und Respekt vor der Aufgabe habe. Er versprach, ein Ohr für die polizeiliche Front zu haben und möchte es Wagner gleichtun, indem er bald an einer Nachtschicht teilnimmt.

„Den so Gepriesenen würde ich auch gerne mal kennenlernen.

Hans-Dieter Wagner

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