Zwischen Neckar und Alb

Ein Rat an Eltern: Gebt den Kindern Taschengeld

Finanzen Das Projekt „Cashflow“ sorgt seit zwei Jahren für weniger Schuldenberge bei Jugendlichen – mit schneller Hilfe und Präventionsarbeit in Schulen.

In vielen Schulen, wie hier in Esslingen, bietet „Cashflow“ Präventionskurse an. Foto: Peter Dietrich
In vielen Schulen, wie hier in Esslingen, bietet „Cashflow“ Präventionskurse an. Foto: Peter Dietrich

Jugendliche ticken anders, sagt Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. Wie Erwachsene sechs Monate oder noch länger auf eine Schuldnerberatung warten, das gehe nicht: „Wenn sie tatsächlich den Schritt tun, sich zu melden, muss was passieren.“ Seit dem Projekt „Cashflow“ des Kreisdiakonieverbands tut es das - inzwischen seit zwei Jahren.

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Seit Oktober 2015 gibt es im Landkreis Esslingen die Jugend-Schuldnerberatung Cashflow, für die Lena Stumpp zu 60 Prozent angestellt ist. Sie hat Sozialwirtschaft studiert und ist die restlichen 40 Prozent in der Schuldnerberatung für Erwachsene tätig. In Cashflow hilft sie Jugendlichen bis zu 27 Jahren, den Druck rauszunehmen und einen Überblick zu bekommen: Wer will da alles Geld von mir? Muss ich das bezahlen? Ist eine Forderung ungerechtfertigt oder verjährt? Lena Stumpp erstellt mit den Jugendlichen einen Haushaltsplan und nimmt Kontakt mit den Gläubigern auf. Da gab es den Jugendlichen, der partout nicht einsehen wollte, dass er seine Monatskarte - die er bezahlt hatte - auch noch mitnehmen und vorzeigen sollte. Das wurde teuer, doch inzwischen ließ die Deutsche Bahn mit sich reden. Und der Jugendliche hat es ebenfalls begriffen.

Es können 1 000 Euro sein, mit denen ein Jugendlicher in der Kreide steht. In wenigen Fällen waren es auch schon bis zu 80 000 Euro, die sich an Schulden in so jungen Jahren angesammelt hatten - sei es wegen jugendlichem Leichtsinn oder gar nicht eigenverschuldet. „Es gibt Eltern, die im Namen ihrer Kinder Verträge abschließen, und diese haben dann Schulden“, sagt Lena Stumpp. Derzeit hat sie 37 laufende Beratungen, und elf weitere Kontakte laufen. 31 Fälle hat sie bereits abgeschlossen. Lena Stumpp hat gelernt, dass sie flexibel sein muss. Bei Jugendlichen kommt schnell etwas dazwischen, Termine müssen verlegt werden.

Das zweite Standbein neben der Einzelberatung ist die Prävention. Bisher hat Lena Stumpp im ganzen Landkreis Esslingen 70 Veranstaltungen und Unterrichtseinheiten durchgeführt und Jugendliche über den Umgang mit dem Girokonto, über Verträge und Pfändung und vieles mehr informiert.

Für straffällige gewordene Jugendliche, die in Ostfildern im Projekt „Reset“ der Kinder- und Jugendförderung Ostfildern ihre begleiteten Sozialstunden ableisten, sind drei solche Unterrichtseinheiten Pflicht. Eine inzwischen bewährte Kooperation, die nun bedroht ist, weil bei beiden Projekten die Finanzierung ausläuft.

Für drei Jahre wird Cashflow von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert, zusätzlich zu den Mitteln aus dem Diakonie-Spendenfonds, dem Verein Hilfe für den Nachbarn und Eigenmitteln des Kreisdiakonieverbands. Eberhard Haußmann hofft, dass es auch nach dem Herbst 2018 weitergeht, er will Cashflow sogar auf eine 100-Prozent-Stelle ausbauen. Haußmann hat noch zwei weitere Wünsche, einen an die Berufsschulen und einen an die Eltern: Die Berufsschulen seien der richtige Ort, um über Geld zu reden, wenn Jugendliche ihr erstes Einkommen haben. Den Umgang mit Geld übten Kinder und Jugendliche aber schon vorher. „Gebt den Kindern Taschengeld! Vereinbart klar, was davon bezahlt werden muss. Und wenn das Geld am 25. des Monats weg ist, dann ist es weg“, sagt er. pm