Zwischen Neckar und Alb

Ein stabiles Netz für vielfältige Probleme

Psychologische Beratung im Landkreis

Die Psychologischen Beratungsstellen im Landkreis spannen ein stabiles Netz. Geboten werden Angebote für Einzelpersonen, Paare und Familien.

Kreis Esslingen. Der Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen (KDV) ist Träger der zwei Psychologischen Beratungsstellen in Esslingen und auf den Fildern. Nun liegen die Jahresberichte für das Jahr 2015 vor. In der Psychologischen Beratungsstelle Esslingen lag in den Bereichen Psychologische Beratung, Schwangerschaftskonflikt- und Schwangerenberatung sowie der Anlauf- und Beratungsstelle für Essstörungen ein Schwerpunkt im vergangenen Jahr auf Gruppenangeboten. Dabei handele es sich weniger um psychotherapeutische Gruppen im engeren Sinn, als vielmehr um angeleitete Selbsthilfe-, Selbsterfahrungs- und Übungsgruppen oder körpertherapeutische Gruppen, erläutert Gunhild Ilisei, die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle Esslingen.

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Zugleich erreichten die Gruppenangebote mehr Klienten als andere Beratungsangebote. Im geschützten Rahmen der Gruppe könnten die Teilnehmer nicht nur unterschiedliche Beziehungserfahrungen machen, sondern erleben, dass sie mit ihren Problemen und Gefühlen nicht allein sind. Lösungsmöglichkeiten könnten gemeinsam erarbeitet werden. „Die Gruppe kann eine verlässliche Stütze für den Alltag werden“, sagt die Diplom-Psychologin etwa mit Blick auf die Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern, deren Kind vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben ist, die es seit Mitte 2015 gibt.

Die Gruppenangebote der Beratungsstellen können aber auch durch individuelle Beratung ergänzt werden – wie beispielsweise bei dem Kursangebot „Auf den Anfang kommt es an“ für werdende Eltern. Auch im Bereich der Essstörungen hat man gute Erfahrungen mit Gruppen gemacht – sowohl in der Gruppe für Frauen und Männer mit Essstörungen wie auch im Angebot für Eltern, deren Kinder an einer Essstörung leiden. Gut angenommen wurde auch eine Selbsterfahrungsgruppe für Frauen. Vom kommenden Herbst an ist eine Fortsetzung in Kooperation mit „Frauen helfen Frauen“ geplant.

Elisabeth Rümenapf, die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle Filder, stellt fest, dass zunehmend auch ältere Menschen die Angebote der Lebens- und Paarberatung in Anspruch nehmen. „Die Hemmschwelle ist bei ihnen inzwischen nicht mehr so hoch“, weiß Elisabeth Rümenapf. Oft werden auch Themen und Probleme besprochen, die Menschen schon eine lange Zeit ihres Lebens beschäftigen oder belasten. Dann wird offensichtlich, dass der Satz von der Zeit, die alle Wunden heilt, eben häufig nicht gilt.

Auch Sexualität spielt in der Beratung älterer Menschen eine Rolle, ist aber oft noch ein Tabuthema. Nicht alle älteren Klienten kämen mit eigenen Problemen, sagt Elisabeth Rümenapf. Manche beschäftige auch die Situation von Kindern oder Enkeln. „Wir freuen uns sehr, dass unser Beratungsangebot nicht nur von jüngeren Menschen oder Familien wahrgenommen wird“, erklärt die Diplom-Psychologin.

Ein Erfolgsmodell ist auch die Online-Beratung „Onbera“, die die Psychologische Beratungsstelle Filder seit einigen Jahren anbietet. „Mit ihr erreichen wir Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sonst nicht in die Beratung kämen“, freut sich Elisabeth Rümenapf. Diese Klienten kommunizieren per E-Mail mit den Therapeuten. „Es geht oft um wirklich gravierende Probleme wie Suizid, Missbrauch oder Mobbing.“ Nicht zuletzt deshalb hofft die Diplom-Psychologin, dass das spendenfinanzierte Angebot, das in diesem Jahr finanziell noch gesichert ist, auch im kommenden Jahr weiterbestehen kann. „Wir suchen händeringend nach Sponsoren“, beschreibt sie die dramatische Situation.

Beide Beratungsstellen beschäftigt zudem das Thema Flüchtlinge. Immer häufiger bekomme man Anfragen von Ehrenamtlichen bezüglich der Supervision, so Ilisei. Auch bei akuter Krisenintervention bei traumatisierten Flüchtlingen sind die Psychologischen Beratungsstellen gefragt. In beiden Beratungsstellen bereitet man sich über Fortbildungen zu kultur- und traumasensibler Beratung auf vermehrte Anfragen vor. Wegen fehlender Deutschkenntnisse der Flüchtlinge und des Mangels an professionellen Dolmetschern stoße die Beratung allerdings schnell an ihre Grenzen.pm