Zwischen Neckar und Alb

Ein Ständchen für den Sängervater

Andenken Chorverbände, Liederkranz und Stadt treffen sich am 150. Todestag von Karl Pfaff in Esslingen und erinnern an den vielfältig engagierten und begabten Menschen. Von Alexander Maier

Ein Ständchen für den Sängervater
Ein Ständchen für den Sängervater

Er war Historiker, Pädagoge, Publizist und Demokrat, und er war eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Sängerbewegung im 19. Jahrhundert. Karl Pfaff hat vielfältige Spuren hinterlassen – quer durchs Land und besonders in Esslingen. Er hat den Liederkranz gegründet, am Georgii-Gymnasium unterrichtet, das Stadtarchiv geprägt und Bedeutendes für die Stadtgeschichtsschreibung geleistet. Und er wurde schon zu Lebzeiten zum Ehrenbürger ernannt. Vor Kurzem hat sich Karl Pfaffs Todestag zum 150. Mal gejährt.

An seinem Ehrengrab auf dem Ebershaldenfriedhof in Esslingen erwiesen Oberbürgermeister Jürgen Zieger, Jörg Schmidt als Präsident des Schwäbischen Chorverbandes, Udo Goldmann als Präsident des Chorverbands Karl Pfaff sowie die Sänger des Esslinger Liederkranzes zusammen mit anderen Freunden des Chorgesangs einem Mann die Ehre, den Zieger zu den erstaunlichen Menschen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zählt.

Pfaff habe „auf einer Vielzahl von Gebieten mit einer staunenswerten Arbeitskraft ganz Heraus­ragendes geleistet“, betonte der Oberbürgermeister. Geboren 1795 in Stuttgart, hatte sich Pfaff in unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens einen Namen gemacht. „Angesichts dieser Produktivität und Lebensleistung kann einen der Gedanke beschleichen, dass uns die unfassbaren Fortschritte vor allem im Bereich der Kommunikation nicht nur zum Vorteil gereichen, sondern vielleicht auch mehr Zeit gekostet als gebracht haben“, gab der Oberbürgermeister zu bedenken.

Ganz besonders fasziniert Zieger Karl Pfaffs Bürgersinn: „Die Orientierung am Nutzen und Besten der Gemeinschaft lag all seinen Aktivitäten als Demokrat, als Pädagoge, als Sänger, als Historiker, als Publizist zugrunde.“ Als Esslinger, als Württemberger und als Deutscher habe sich Pfaff eingemischt und eingebracht, für Freiheit, Gemeinsinn und Identität geworben und gekämpft. „Solche Menschen braucht jede Stadt und jede Gemeinschaft noch heute“, befand Zieger. Und er sei „dankbar, dass wir in Esslingen in haupt- und ehrenamtlichen Bereichen Persönlichkeiten wie ihn haben“.

Jörg Schmidt, der Präsident des Schwäbischen Chorverbandes, würdigte Karl Pfaffs Engagement für die Sängerbewegung. Pfaff sei in der Gegenwart verwurzelt und der Zukunft zugewandt gewesen. Er habe dafür gesorgt, dass sängerische Ausbildung auch auf dem Land die nötige Aufmerksamkeit fand. Mit seinem Eintreten für den Zusammenschluss aller Sänger habe er die Grundlagen geschaffen für eine facettenreiche Gesangskultur, die bis heute von ihm profitiere. Pfaff betrachtete die Sängerschaft als große Familie.

Wie sehr sich die heutige Sängerschaft diesen Traditionen noch immer verbunden fühlt, machte Udo Goldmann als Präsident des Chorverbands Karl Pfaff deutlich. Heute gelte es, die Linien, die der Namensgeber des Verbands gezogen hatte, fortzuführen und den Blick in die Zukunft zu richten, damit dem Chorgesang weiterhin der ihm gebührende Platz im gesellschaftlichen Leben zukomme. Pfaffs Eintreten für kulturelle Bildung und Zusammenhalt sei heute aktueller denn je.

Besondere Bedeutung besitzt Karl Pfaff für den Esslinger Liederkranz, dessen Gründung im Jahre 1827 untrennbar mit dem Sängervater verbunden ist. Deshalb stehe man bis heute in Ehrfurcht und Dankbarkeit an seinem Grab, betonte der Liederkranz-Vorsitzende Professor Günter Wößner, der Pfaffs Verdienste um die Sängerbewegung Revue passieren ließ. Und weil man einem Sängervater auch musikalisch die Ehre erweisen sollte, brachte der Chor des Esslinger Liederkranzes unter der Leitung von Steffi Bade-Bräuning ein Ständchen – unter anderem mit dem Wahlspruch des Vereins: „Harmonie in Lied und Leben“ steht bis heute für Karl Pfaffs tiefe Überzeugung.

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