Zwischen Neckar und Alb

„Ein Verbrechen an den Kindern“

CDU diskutiert über Grundschulempfehlung

Beim Kreisparteitag des ­CDU-Kreisverbands Esslingen ­standen wichtige Punkte auf der Tagesordnung. Diskutiert wurde vor allem über das ­Thema Alternativmodell zur Grundschulempfehlung.

gerlinde Ehehalt

Wernau. „Das ist der Unterschied zum Landtag: Hier muss man still sein“, bat der CDU-Kreisverbandsvorsitzende Thaddäus Kunzmann um Ruhe, als er die 83 CDU-Mitglieder im Hotel Maitre in Wernau begrüßte. Es standen wichtige Punkte auf der Tagesordnung: die Delegiertenwahlen für Bezirks- und Landesparteitage sowie Vorträge von Christa Vossschulte, frühere stellvertretende Landtagspräsidentin, Andreas Bettelhäuser, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Wernau, und Katharina Rebmann, Rektorin der Realschule Wernau.

Den Kreisparteitagsmitgliedern wurde eine Alternative zur derzeitigen Praxis der Grundschulempfehlung vorgestellt, bei der nach Willen der grün-roten Landesregierung seit 2011 allein die Eltern bestimmen, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschulzeit geht. Das soll sich wieder ändern, hofften die Kreistags-Teilnehmer und stimmten dem Vier-Säulen-Modell mehrheitlich zu.

Dieses war im Herbst im Auftrag des Kreisvorstands vom Arbeitskreis Bildung unter Federführung von Christa Vossschulte und Andreas Bettelhäuser entwickelt worden. Das Ziel der Alternative sei die Situationsverbesserung nach dem Wegfall der Grundschulempfehlung sowie die Möglichkeit für die CDU, mit einer glaubwürdigen Alternative in den Landtagswahlkampf zu ziehen, betonte Kunzmann.

„Die Abschaffung der Grundschulempfehlung ist ein Verbrechen an den Kindern“, klagte Volker Haug aus Aichwald. Das CDU-Modell sei ein kluger Ansatz, da die Last nicht mehr nur auf der Grundschule liege. „Die Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung ist politisch nicht mehr vermittelbar“, betonte Bettelhäuser. Das aktuelle System könne aber auf keinen Fall beibehalten werden. Überforderte Kinder in den Gymnasien und Realschulen, und stark ansteigende Sitzenbleiber-Zahlen seien die Folge der geänderten Praxis. „Der Wegfall der Grundschulempfehlung brachte einige Verwerfungen in der Schullandschaft. Die Anmeldungen für die Haupt- und Werkrealschule gingen nach unten, das Klientel für die Realschule änderte sich gewaltig“, bestätigte Katharina Rebmann. Der Druck auf die Kinder habe zugenommen. Burn-out-Symptome seien keine Seltenheit.

Mit dem neuen Vier-Säulen-Modell“ möchte die CDU wieder mehr Planungssicherheit für Schulen schaffen und die Kinder in diesem frühen Alter vor Misserfolgserlebnissen schützen. „Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund“, betonte Christa Vossschulte und beklagte das schwindende Bildungsniveau an den Schulen. „Wenn die halbe Klasse nicht mitkommt, wird das Lernniveau abgesenkt, denn Sitzenbleiben ist teuer.“

Im Vier-Säulen-Modell soll mit konsequenter Lehrerfortbildung, Einbindung der Eltern und Kooperation mit weiterführenden Schule die Voraussetzung für einen erfolgreichen Schulwechsel geschaffen werden. Wichtig sei die Änderung des Schulgesetzes, damit die Schule das Recht habe, Schüler abzuweisen, falls diese nicht die richtige Empfehlung haben, erklärte Vossschulte. Die Schule solle wieder Einfluss auf ihre Klientel bekommen und bei der Aufnahme die Grundschulempfehlung sowie die Noten in Deutsch und Mathe vorgelegt bekommen. „Aber wir lassen ein Türle offen. Der Schüler bekommt eine Chance und kann für ein Probehalbjahr aufgenommen werden, an dessen Ende die Klassenkonferenz entscheidet.“

Neu ist die Einführung eines Talent-Kompasses, bei dem in einem zentralen Verfahren der Entwicklungsstand des Kindes personal, sozial und im Hinblick auf seine kognitiven und kreativen Fähigkeiten berücksichtigt wird. „Die alleinige Verantwortung der Grundschullehrer wird damit abgemildert“, sagte Vossschulte.

„Der Wegfall der Grundschulempfehlung hätte das dreigliedrige Schulsystem nicht in Schieflage gebracht“, meinte Rektorin Rebmann. „Die Konkurrenzsituation mit der Gemeinschaftsschule macht den Realschulen viel mehr zu schaffen“, klagte sie und forderte einen schlüssigen Schulentwicklungsplan gemeinsam mit den Kommunen, für mehr Planungssicherheit sowie gezielte Marketingkonzepte für die Schulstandorte.

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