Zwischen Neckar und Alb

„Eine Bereicherung für beide Seiten“

Firas Abu Khraish aus Syrien leistet als erster Asylbewerber im Land ein FSJ in einem Sportverein

Im September begann Firas Abu Khraish sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Turnerbund Neckarhausen. Somit ist er offiziell Baden-Württembergs erster Asylbewerber, der ein FSJ in einem Sportverein leistet. Seine Hauptaufgaben werden sein, Kinder in Schulen, Kindergärten und im Verein sportlich zu begleiten.

Firas Abu Khraish auf dem Platz des Erwin-Walter-Stadions des Turnerbunds Neckarhausen.  Foto: Erb
Firas Abu Khraish auf dem Platz des Erwin-Walter-Stadions des Turnerbunds Neckarhausen. Foto: Erb

Nürtingen. Vor fast einem Jahr betrat der 24-jährige Firas Abu Khraish in München zum ersten Mal deutschen Boden. Damals noch hätte der syrische Flüchtling sich sein heutiges Leben als FSJler in Neckarhausen wohl kaum vorstellen können. Gemeinsam mit dem Landessportverband Baden-Württemberg gelang es dem TBN, eine FSJ-Stelle für den Asylbewerber zu schaffen. „Wir haben uns schon länger überlegt, im Verein einen FSJler einzubinden und uns deshalb zunächst als Einsatzstelle anerkennen lassen“, erzählt Steffen Erb, der beim TBN zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit ist. Die Idee, für diese Stelle einen Asylbewerber aus Neckarhausen zu finden, kam nicht von irgendwoher.

Die jungen Männer aus dem Flüchtlingsheim in Neckarhausen waren beim TBN schon immer gern gesehene Gäste und wurden dank der Unterstützung des Neckarhäuser Arbeitskreises Asyl nicht nur in den sportlichen, sondern auch in den außersportlichen Bereich wie Vereins- und Jahresfeiern intensiv eingebunden. Manche spielen dort nur zum Spaß und als Freizeitbeschäftigung Fußball, während andere bereits bei den aktiven Mannschaften mittrainieren.

Firas Abu Khraish spielt dabei eine wichtige Rolle. Sein Deutsch ist dank mehrerer Sprachkurse und seinem großen Ehrgeiz schon ziemlich gut. So ist er eine Art Ansprechpartner und Vermittler für Flüchtlinge und den Sportverein. Zum Beispiel organisiert der Syrer die Trainingsbeteiligung der Flüchtlinge und hilft den anderen im Heim, ihr Deutsch zu verbessern „Mit der neuen Sprache helfen wir uns alle gegenseitig“, sagt Firas Abu Khraish.

„Außer mit meinen Mitbewohnern und Freunden beschäftige ich mich auch gerne mit Kindern“, erzählt Firas Abu Khraish. Dies ist für sein FSJ wichtig, denn in dieser Zeit wird er hauptsächlich mit Kindern zusammenarbeiten. Mit Gerhard Golker vom TBN hat Firas Abu Khraish mit den drei Kindergärten in Neckarhausen ihre Pläne besprochen, und der neue Mitarbeiter wurde in der TBN-Geschäftsstelle schon mal in die Trainings- und Terminplanung und die damit verbundene Computerarbeit eingewiesen. „Es ist gar nicht so einfach, mit Programmen wie Excel in der deutschen Sprache umzugehen“, gesteht Firas Abu Khraish.

In den Kindergärten soll der Syrer dann Turn- und Spielstunden gestalten und an den Nürtinger Realschulen ist in der Ganztagesbetreuung eine Sport-AG geplant, die er leiten soll. „Anfangs wird ihm immer eine weitere Person zur Seite stehen. Doch wir möchten Firas so an die Arbeit mit den Kindern heranführen, dass er sie irgendwann eigenständig bewältigt“, berichtet Golker.

Im Verein wird der 24-Jährige ebenfalls aktiv mithelfen. Beim Training, zum Beispiel beim Turnen oder Fußball, ist er regelmäßig mit dabei. „Firas leistet mit seinem FSJ gleichzeitig auch wichtige Integrationsarbeit. Die Kinder werden sicherlich viele Fragen zum Thema Flüchtlinge haben, die er ihnen aus erster Hand beantworten kann“, so Steffen Erb. Er und Golker würden Firas Abu Khraish auch gerne als Ansprechpartner zum Thema Flüchtlinge im Gemeinschaftskundeunterricht der Schulen vermitteln.

Zur weiteren Vorbereitung auf sein FSJ macht der Syrer einen Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz, besucht noch einige Sprachkurse und insgesamt drei einwöchige Seminare im Sportzentrum des Landessportverbandes in Albstadt. Am Ende kann er dann eine Prüfung zum Übungsleiter für Kinder und Jugendliche absolvieren. „Ich bin sehr froh über mein FSJ beim Turnerbund“, sagt Firas Abu Khraish, seine Vorfreude auf das kommende Jahr ist ihm deutlich anzusehen. „Für das FSJ ist Firas nun sozial- und krankenversichert und neben einem monatlichen Taschengeld von 300 Euro erhält er einen FSJ-Ausweis, mit dem er einige Vergünstigungen bekommt“, erklärt Erb.

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