Zwischen Neckar und Alb

Eine kurze Reise

Tierschutz In stillen Gewässern geht es wieder hoch her – die Zeit der Krötenwanderung hat begonnen. Doch viele Tiere werden auf ihrem Weg überfahren. Von Sabrina Kreuzer

Rolf Müller fotografiert seit Jahren Kröten und Frösche bei ihrer Wanderung. Foto: Jean-Luc Jacques
Rolf Müller fotografiert seit Jahren Kröten und Frösche bei ihrer Wanderung. Foto: Jean-Luc Jacques

Es ist dunkel, unzählige Frösche sind auf ihrem Weg aus dem Wald und in Richtung See. Doch als sie auf der Straße ankommen, wird es plötzlich hell und alles ist vorbei. Ein Horrorszenario für viele Amphibien, das leider nicht aus einem Film stammt. Die Wahrheit ist: Viele der Tiere kommen nie an ihrem Wunschziel an. Sie werden einfach überfahren. Wer zu dieser Jahreszeit tagsüber an den Kirchheimer Bürgerseen unterwegs ist, hat sie sicher schon mit eigenen Augen gesehen. Die platt gefahrenen Erdkröten und Grasfrösche, die auf den Wegen verteilt liegen.

Je nach Wetterlage beginnt die Krötenwanderung Anfang bis Mitte März. Die Tiere kommen aus den Wäldern und machen sich auf den Weg zu stehenden Gewässern. Dort wollen sie einen Partner finden, ein echter Kampf, und laichen.

Rolf Müller ist Naturfotograf. Für ihn ist es jedes Jahr wieder ein Highlight, dieses Schauspiel miterleben zu dürfen. Doch er muss auch mit ansehen, wie rücksichtslos manche Menschen sind. „Die Straße ist für viele eine Abkürzung nach Dettingen. Dabei darf man hier gar nicht fahren“, sagt Rolf Müller. Er bedauert: „Bei der hohen Geschwindigkeit hat keines der Tiere eine Chance.“ Auch er selbst wäre schon fast überfahren worden, als er die Wanderung fotografieren wollte, konnte sich aber noch rechtzeitig retten.

Frösche und Kröten können das nicht. Sie erstarren im grellen Scheinwerferlicht. Es ist ein trauriges Schicksal: Bis die Kröten geschlechtsreif werden und ihre erste Wanderung antreten, warten sie alleine vier bis fünf Jahre.

Die Krötenwanderung möchten immer mehr Menschen miterleben. Rolf Müller erzählt: „Ich sehe abends und auch nachts immer mehr Leute, die dieses Ereignis beobachten. Viele haben ihre Kinder dabei.“ Für den Nachwuchs ist das besonders aufregend: Es ist ein Lernprozess und psychologisch wertvoll. So finden die Kinder den Bezug zur Natur.

„Wenn man die Grasfrösche und Erdkröten bei ihrer Reise beobachten möchte, sollte man am besten eine Stirnlampe dabei haben“, erklärt Rolf Müller. Auch hier ist es wichtig, dass die Zuschauer nicht mit dem Auto bis zu den Seen fahren. „Der Parkplatz am Kiosk ist in Ordnung, aber bitte nicht weiter“, sagt der Fotograf. Er wünscht sich eine Warnung der Stadt: „Eine Vollsperrung ab 19 Uhr wäre optimal.“ Die zuständige Stelle reagiert jedoch nur mit einem Hinweisschild und einer halbseitigen Straßensperrung, die leicht zu umfahren ist. Wenn überhaupt: In diesem Jahr gibt es noch gar nichts, das auf die Wanderung hinweist.

Die Laichzeit dauert nur zehn bis 14 Tage. Danach machen sich die Amphibien wieder auf den Heimweg. Im Wasser sind dann klare Unterschiede zu erkennen. „Die Erdkröten hinterlassen Laichschnüre, die Grasfrösche Klumpen“, weiß Rolf Müller. Vor allem der Laich der Erdkröten ist jetzt schon in den Bürgerseen zu finden, bei den Grasfröschen dauert es auch nicht mehr lang.

Ab Anfang Juni findet ein weiteres Spektakel statt: Der „Froschregen“. Wenn die Kaulquappen sich entwickelt haben und aus den Gewässern kommen, treten auch sie eine gefahrenreiche Reise an. Sie machen sich auf den Weg in den Wald: Fortan leben die Jungfrösche wie ihre ausgewachsenen Artgenossen.

Damit diese beiden Naturschauspiele auch weiterhin passieren, bittet Rolf Müller um Rücksichtnahme: „Es freut mich, wenn die Leute Interesse an der Natur zeigen. Aber die Tiere platt zu fahren, wenn man sie eigentlich beobachten möchte, ist rücksichtslos.“

Info Wildtier- und Natur-Aufnahmen von Rolf Müller gibt es auf seiner Webseite unter www.rm-naturfotos.de.

Anzeige