Zwischen Neckar und Alb

Eine musikalische Ära neigt sich dem Ende zu

Jazz Nach 16 erfolgreichen Jahren steht der Club „Schloss Köngen“ vor dem Aus.

Die Götz-Hirschmann Swing-and-Jazz-Group im Jahr 2002, den Anfangstagen des Clubs.Foto: Rolf Martin
Die Götz-Hirschmann Swing-and-Jazz-Group im Jahr 2002, den Anfangstagen des Clubs.Foto: Rolf Martin

Köngen. Der Auftritt des legendären Sängers, Bandleaders und Komponisten Paul Kuhn im Jahr 2002 war das absolute Highlight im Jazz-Club „Schloss Köngen“. Nach 16 Jahren endet die Erfolgsgeschichte des Vereins, in dem rund 170 Konzerte von namhaften Jazzern stattgefunden haben. Die Macher sind müde geworden, begründet der Erste Vorsitzende, Gerhard Götz, die Entscheidung. Es ist der enorme organisatorische und körperliche Aufwand, „die Knochenarbeit“, die den Vorstand zu dem Entschluss bewogen haben. Sie sind jetzt weit über 70, erklärt Götz. Allein schon das Einkaufen und Schleppen von Lebensmitteln und Getränken, Stühlen und Tischen und der anschließende Abbau verlange den 24 Helfern einiges ab.

Bei der Hauptversammlung am 7. März steht die Auflösung des Vereins auf der Tagesordnung. „Wir sind gesund aufgestellt“, freut sich Gerhard Götz über die finanzielle Situation des Jazz-Clubs. 15 000 bis 20 000 Euro dürften am Ende übrig bleiben. Das Vereinsvermögen wird für einen gemeinnützigen Zweck verwendet.

Ohne die Bewirtung würde der Club finanziell nicht so gut dastehen, ergänzt Köngens langjähriger Bürgermeister Hans Weil, der einst die Initialzündung zur Gründung gab. In der langen Sanierungsphase des Köngener Schlosses von 1995 bis 2007 hatte der ehemalige Verwaltungschef die Idee, einen Jazz-Club einzurichten, und trat damit bei Gerhard Götz eine Aktionslawine los. Ohne Fußboden, ohne Heizung, dafür mit einem WC-Wagen vor dem Schloss, nahm der Club 2002 seinen Betrieb auf. Das war die Rettung für das Objekt in der öffentlichen Wahrnehmung, an dem aufgrund der langen Renovierungsphase und immer wieder Stillstand das Interesse allmählich erlahmte.

Während der elf Konzerte pro Jahr rückte das Schloss in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Veranstaltungen waren stets gut besucht. Zwischen 100 und 140 Personen drängelten sich in der Schlosskapelle, darunter viele Stammkunden. „Ich begrüße jeden Gast mit Handschlag oder Küsschen“, unterstreicht Götz die „heimelige Atmosphäre“ und den persönlichen Stil. „Da fehlt was“, sagt Hans Weil, zeigt aber, wie andere, die von dem Aus wissen, Verständnis: „Irgendwann ist das Ehrenamt ausgereizt.“

Er ist sicher, dass sich das Organisatorische für eine eventuelle Fortsetzung regeln ließe. Schwerer wäre es, jemanden zu finden, der die Kontakte und Verbindungen zur Szene hat, wie der Saxofonist Götz. In den 60er- und 70er-Jahren spielte er im Götz-Hirschmann-Septett Tanzmusik „auf höchster Ebene“ beim Opernball und bei den „Stuttgarter Langen Nächten“. Bis 2015 war er mit der Götz-Hirschmann-Jazz-and-Swing-Group Hausband im Jazz Club „Schloss Köngen“. Seinem Kontakt zu Paul Kuhns Ehefrau und Managerin Ute Hellermann war es zu verdanken, den Künstler, der üblicherweise 10 000 Euro Gage kassiert, für die Hälfte zu bekommen. „Komm rauf Gerhard, mach mit“, soll Paul Kuhn gerufen haben, um den engagierten Vorsitzenden auf die Bühne zu locken. Die tolle Location sprach sich schnell in der Szene herum, wie Rolf Martin betont: „Wir hatten einen klaren Vorteil auf dem Land gegenüber der Stadt, wo es viel Konkurrenz gibt.“

Die Situation der Jazz-Clubs in der Region ist nicht rosig. Momentan gibt es noch 46 davon in Baden-Württemberg. Götz und Martin wissen von der schwierigen Situation in Denkendorf, und auch im Jazzkeller in der Esslinger Webergasse laufe es nicht rund. Hans Weil gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich da vielleicht doch noch was tut. Bis zum 14. Dezember findet im Köngener Jazz-Club das geplante Programm statt. „Dann gibt es einen besonders schönen Abschluss“, verspricht Gerhard Götz. Am Freitag, 23. Februar, um 20 Uhr tritt das Köngener Schloss-Swingtett in der Schlosskapelle auf.Petra Bail

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