Zwischen Neckar und Alb

Eine Sippe von den Fildern zieht es nach Amerika

Geschichte Karl Bayer und Winfried März haben die bewegte Familiengeschichte der Balluffs in einem Bildband dokumentiert. Von Elisabeth Maier

Paul Balluff und seine Frau Anna Maria gingen 1852 in die USA und betrieben dort eine Apotheke.
Paul Balluff und seine Frau Anna Maria gingen 1852 in die USA und betrieben dort eine Apotheke.

Mit Andreas Melchior Baltauf, der 1683 nach Neuhausen auf den Fildern kam, beginnt die Geschichte einer alteingesessenen Sippe – ab dem 18. Jahrhundert hießen sie Balluff. Heute ist der Name mit dem Weltkonzern verknüpft, der noch immer in Neuhausen seinen Firmensitz hat. Die Geschichte der Familie haben Ortshistoriker Karl Bayer und Winfried März in einem 350 Seiten starken Buch dokumentiert. Mit zahlreichen gut erhaltenen Fotos dokumentieren die beiden in ihrem fünften Buch die bewegte Familiengeschichte.

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, bemerkt Gemeindearchivar Karl Bayer mit seinem verschmitzten Lächeln. „Und um an die ganzen Infos zu kommen, muss man gute Kontakte haben.“ Diese zu knüpfen und auch zu pflegen, fällt dem charmanten Schwaben nicht schwer. So hat er viele wertvolle Dokumente bekommen, die nun im Archiv liegen. Der 76-jährige Winfried März, der im Berufsleben viel Erfahrung mit Bildbearbeitung gesammelt hat, bereitet die Fotos auf, die das Herzstück der hochwertigen Bücher bilden.

Produziert werden die Bände in einer Druckerei in Warschau. He­rausgeber ist die „Gemeinschaft für Heimatgeschichte“, die Karl Bayer seit Jahren kommissarisch führt. Nach dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Rainer Neudörfer hat er die Vereinsspitze übernommen. In Winfried März hat er einen Mitstreiter gefunden, der das technische Know-how mitbringt, um die historischen Fotos aufzuarbeiten.

Jutta Höger aus Wernau unterstützt die beiden Männer bei ihren anspruchsvollen Buchprojekten. Weil sie fließend Englisch spricht, kümmert sie sich um die Kontakte zu Familienmitgliedern der Balluffs in Übersee. Und sie übersetzt auch die vielen Dokumente in englischer Sprache, die März und Bayer immer wieder aus Amerika bekommen. „Ein Glücksfall, dass sie uns hilft“, schwärmt Bayer.

Um das Jahr 1850 wanderten viele Neuhausener Familien nach Amerika aus. „Ein Grund war die wirtschaftliche Not“, vermutet März. Einige habe aber auch pure Abenteuerlust getrieben.

Auch im Buch über die Balluff-Sippe nehmen diese Auswanderer-Biografien breiten Raum ein. Auf Landkarten haben März und Bayer detailgenau dokumentiert, wo sich die Familien niederließen und wie ihr Werdegang in der neuen Welt war. Der Apotheker Paul Balluff aus Riedlingen, der zur Linie von Peter Balluff gehörte, wanderte 1852 mit seiner Familie in die USA aus. In New York machte der Apotheker Karriere. Der Deutsche setzte Maßstäbe in der Ausbildung, weil es dort damals noch keine verbindlichen Richtlinien für amerikanische Apotheken gab.

In Peekskills im Staat New York ist John W. Baluffi geboren, der dort einen gefragten Herrenfriseur-Salon betrieb. 1910 eröffnete er in New York City einen Herrensalon. Er war ein Feuerwehrmann und überzeugter Demokrat.

Biografien wie diese haben März und Bayer in dem liebevoll gestalteten Buch nachgezeichnet. Und sie haben die Stammbäume der Balluff-Linien akribisch dokumentiert. Wichtig ist den beiden die Auswahl der Fotos. „Da sind wir natürlich auf die Hilfe von Familienmitgliedern angewiesen“, sagt Karl Bayer. „Manche sind ganz offen, andere sperren sich.“ Mit seiner Überredungskunst gelingt es ihm aber, an historische Zeugnisse zu kommen.

Im Buch über die Balluff-Sippe ist ein Betriebsausflug aus dem Jahr 1937 ebenso fotografisch festgehalten wie der Werkstattbetrieb der Firma Balluff, die damals noch Dreh- und Frästeile herstellte. Die Entwicklung zum Weltkonzern mit 2 200 Mitarbeitern hat Rolf Hermle dokumentiert, der mehr als 40 Jahre lang Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens war.

Um die Historie der Balluff-Sippe zu dokumentieren, hat er auch im westfälischen Warburg recherchiert. Da arbeitete er eng mit dem Stadtarchivar Franz-Josef Duppi zusammen, der ihm viele Informationen lieferte. Viele der westfälischen Balluffs arbeiteten als Metzger. Historische Fotos gewähren Einblicke in die Metzgerei im Jahr 1904. Auch heute führen die Balluffs dort noch eine Fleischerei.

Obwohl ihr neues Buch erst erschienen ist, arbeiten März und Bayer bereits wieder an ihrem nächsten Projekt. Im neuen Band soll es um Zuwandererfamilien gehen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Neuhausen auf den Fildern gekommen sind.

Eine Sippe von den 
Fildern zieht es nach Amerika
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Fildern zieht es nach Amerika
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Auf ihre fünf Bücher mit historischen Fotos und heimatgeschichtlichen Fakten sind Winfried März (links) und Karl Bayer sehr stol
Auf ihre fünf Bücher mit historischen Fotos und heimatgeschichtlichen Fakten sind Winfried März (links) und Karl Bayer sehr stolz.
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