Zwischen Neckar und Alb

Eingreiftruppe schützt Verbraucher

Minister Alexander Bonde präsentiert Spezialteam für die Lebensmittelüberwachung

Normalerweise pflegen die Damen und Herren des Landeskontrollteams Lebensmittelsicherheit (LKL) Baden-Württemberg unangemeldet zu erscheinen. Doch in die Großbäckerei Zoller im Esslinger Industriegebiet kamen sie pünktlich zum verabredeten Termin – zusammen mit einem Minister.

Verbraucherschutzminister Alexander Bode lässt sich die Arbeit des neuen Landeskontrollteams erklären.Foto: Robin Rudel
Verbraucherschutzminister Alexander Bode lässt sich die Arbeit des neuen Landeskontrollteams erklären.Foto: Robin Rudel

Esslingen. Nicht, dass es im Hause Zoller etwas zu beanstanden gäbe. Alexander Bonde (Grüne), Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, wollte sozusagen am „lebenden“ Objekt zeigen, wie das seit Oktober bestehende Kontrollteam des LKL arbeitet.

Anzeige

Lebensmittelskandale wie die EHEC-Krise im Jahr 2011, als 53 Menschen an einem Darmkeim starben, der wohl über Bockshornkleesamen aus Ägypten nach Deutschland gelangt war, oder der Pferdefleischskandal 2013, als rumänisches Pferdefleisch als Rindfleisch in der Lasagne auftauchte, dürften den Verbrauchern noch gut in Erinnerung sein. Lebensmittelskandale sind also längst international, und deshalb hat das Land mit der neuen Kontrolleinrichtung eine überregional tätige schnelle Eingreiftruppe geschaffen. Sie ergänzt die bei den Landkreisen angesiedelte Lebensmittelüberwachung mit speziellen Fachkräften und technischer Ausstattung. Das LKL befindet sich noch im Aufbau, wie dessen Chef Wolfram Martens gestern erklärte. Es hat Mittel für bis zu 17,5 Stellen zur Verfügung.

„Der Schwerpunkt der Tätigkeit des LKL liegt in der Unterstützung bei der Kontrolle großer, überregional tätiger Lebensmittel- und Futtermittelbetriebe“, sagte Alexander Bonde gestern beim Ortstermin. Das entlaste die zuständigen Behörden der Kreise. „Wir alle wollen sicher sein, dass keine Gefahren durch Lebensmittel auf uns lauern.“

Was das bedeutet, bekamen der Verbraucherminister, die Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr (Grüne), ihr Kollege Wolfgang Drexler (SPD) und das Team vom LKL im Backhaus Zoller am eigenen Leib zu spüren. Bevor sie in die Backwarenfertigung durften, verteilten die Inhaber Jörg und Achim Zoller erst einmal Schutzkleidung an die Gäste. Die tragen in der Produktion auch alle Mitarbeiter des Unternehmens. Insgesamt hat das Backhaus 380 Beschäftigte in 24 Filialen in den Landkreisen Esslingen und Göppingen. Und damit hat der Betrieb eine Größe, die in den Arbeitsbereich des Landeskontrollteams fällt. Bis zu einer Woche Zeit mit Vor- und Nacharbeiten benötigen die Experten, um eine Großbäckerei in puncto Lebensmittelsicherheit genau unter die Lupe zu nehmen. Welche Betriebe kontrolliert werden, diese Auswahl orientiert sich in erster Linie am mutmaßlichen Risiko für die Verbraucher. Und so stehen etwa fleischverarbeitende Betriebe ganz besonders im Fokus des LKL.

Eine immer wichtigere Rolle spielt laut Minister Bonde die Frage, wo ein Produkt herkommt. Im Falle der EHEC-Krise hatte es zum Beispiel einige Zeit gedauert, bis man dem Weg des Keims auf die Spur gekommen war. In dieser Zeit können Erkrankungen um sich greifen. „Wir wissen, wo ein Ei herkommt. So lässt sich der Weg in die Produktion nachvollziehen“, sagte Bonde. Auf diese Weise kann die Ursache für verdorbene Lebensmittel schneller bekämpft werden.

Im Falle des Backhauses greift nach den Worten von Geschäftsführer Jörg Zoller unter anderem ein Warnsystem durch die Vernetzung aller Kassen. Auf diese Weise kann ein Produkt, das nicht in Ordnung ist, binnen zehn Minuten komplett aus dem Verkauf genommen werden. Bisher, versicherte Zoller, habe es in seinem Haus noch keine Probleme gegeben.

Übrigens: Mit dem angekündigten Besuch im Backhaus haben es die Experten vom Landeskontrollteam nicht bewenden lassen. Nach dem offiziellen Termin mit Minister und Presse gingen die Fachleute tatsächlich ernsthaft ans Werk und überprüften den Betrieb.