Zwischen Neckar und Alb

Einmal den Königinnen ganz nahe sein

Projekt 30 000 Bienen leben in einem Bienenstock beim Köngener Einkaufszentrum. Sie sollen der Natur dienen.

Erst skeptisch, dann begeistert: Kinder können den Bienen ganz nah kommen - ohne Angst haben zu müssen. Foto: Thomas Krytzner
Erst skeptisch, dann begeistert: Kinder können den Bienen ganz nah kommen - ohne Angst haben zu müssen. Foto: Thomas Krytzner

Köngen. Eric Glorian, Zentrumsleiter des Kö8, freut sich: „In einem ersten Schritt für den Naturschutz haben wir Blumenwiesen angelegt und investieren überall, wo es grün ist. Jetzt kommen die Bienen dazu.“ Imker Stephan Freier hatte bereits am Morgen ein Volk mit einem Bienenstock aufgestellt. „Zuerst trauten sich die fleißigen Bienchen kaum raus, doch jetzt erkunden sie ihr neues Gebiet“, berichtet er. Am Wochenende wurden die Bugfast-Bienen der Öffentlichkeit vorgestellt. Stephan Freier, der insgesamt über 120 Bienenvölker besitzt, nahm direkt die Angst vor Bienenstichen: „Die Bugfast-Bienen sind angenehme Tiere und nicht angriffslustig.“ Er bewies es gleich selbst, indem er sich direkt beim Bienenstock hinstellte. „Kommt ruhig näher“, forderte er die Kinder auf. Die Bienen ließen sich vom regen Treiben um ihren Stock herum nicht beirren.

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In dem Bienenstock leben rund 30 000 Bienen, und in den Waben warten jeweils 2 000 weitere Tierchen aufs Schlüpfen. „Die Bienenkönigin stiftet 2 000 Eier pro Tag“, erklärt der Bienenexperte. Das sind in einer Woche rund 10 000 neue Bienen. Sie werden als Arbeiterinnen geboren.

Das Bienenvolk hat sein eigenes System: In den ersten zwei Wochen werden die neu geschlüpften Insekten zu Putzbienen und sorgen dafür, dass der Bienenstock sauber ist. Die nächsten zwei Wochen kümmern sie sich um die Fütterung der Larven und in den restlichen zwei Wochen gehen sie dann auf Nektarsuche. „Bienen werden zwischen fünf und sieben Wochen alt“, weiß der Imker. Nach der Sonnenwende gibt es die Winterbienen. Diese leben rund sechs Monate. Stephan Freier erklärt den Unterschied: „Die Winterbienen haben ein entspanntes Leben, die Vorratskammern sind gefüllt und somit entfällt der Sammelstress.“ Im Spätherbst wachsen Zwischenfrüchte, wie zum Beispiel Senf. Da sammeln die Winterbienen den letzten Nektar. Der Imker züchtet aber nicht nur Völker, sondern betreibt auch Königinnenzucht.

Bienen seien für die Menschen lebenswichtig. „Ohne Bienen gibt es keine Bestäubung und damit auch keine Früchte.“ Er wandert mit seinen Völkern von der Schwäbischen Alb bis in den Schwarzwald und die Vogesen. Damit sorgt er für die verschiedenen Honigarten: Linden-, Akazie-, Wald- und Wiesenhonig. Bei der Präsentation erklärte Stephan Freier auch, wie man sich Bienen gefahrlos nähern kann: „Ruhiges und ausgeglichenes Arbeiten mit den Bienen ist Pflicht“, verrät der Imker, „nur bei hektischen Bewegungen, Gewitter oder schwülem Wetter werden die Tiere zickig.“ Alessia, Noah und Mika sind von der Bienenvorstellung begeistert und sind sich einig: „Wir finden es toll, Bienen so nahe zu sein. Und die Angst vor dem giftigen Stachel ist weg.“ Zur Freude durften die Kinder Honig direkt von der Wabe kratzen und probieren.

Der Bienenstock beim Köngener Einkaufszentrum Kö8 soll der Natur und dem Erhalt dienen, erklärt Leiter Eric Glorian. „Wir nehmen die Verantwortung für die naheliegenden Streuobstwiesen wahr. Kinder und Erwachsene haben die Gelegenheit, Bienen mal aus der Nähe zu betrachten.“ Thomas Krytzner