Zwischen Neckar und Alb

Endlich genug Ruhe für das schwierige Rot

Ausstellung Die Fritz-und-Hildegard-Ruoff-Stiftung öffnet ihre Pforten und präsentiert Arbeiten von Elly Weiblen. Von Corinna Meinke

Korrekt geschützt wird die Künstlerin Elly Weiblen an zwei Terminen im Juli und zum Abschluss im September in der Ausstellung Re
Korrekt geschützt wird die Künstlerin Elly Weiblen an zwei Terminen im Juli und zum Abschluss im September in der Ausstellung Rede und Antwort stehen. Foto: Horst Rudel

So etwas gab es noch nie in Nürtingen: Statt einer festlichen Vernissage mit gut gelaunten Gästen ist zum Auftakt der neuen Ausstellung in den Räumen der Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung ein Film gedreht worden. Darin unterhalten sich die in Korb aus dem Rems-Murr-Kreis lebende Künstlerin Elly Weiblen und der Stuttgarter Kunstwissenschaftler Tobias Wall über Weiblens Schau „Klangraum - Raumklang“, die bis zum 20. September in Nürtingen zu sehen ist. Entstanden ist ein informativer und unterhaltsamer Streifen auf Youtube, der Weiblens künstlerische Auffassung und ihren Schaffensprozess beleuchtet.

Corona hat zwar den publikumswirksamen Auftakt der Schau vermasselt und das Programm der Stiftung gehörig durcheinander gewirbelt, gleichzeitig die Akteure aber auch ins digitale Zeitalter katapultiert. „Allen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren wurde viel Flexibilität abverlangt“, erklärt die Nürtinger Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann.

In der Ausstellung sind Gouachen, Zeichnungen und Malerei zu sehen, darunter viele Arbeiten, die Weiblen seit dem Jahre 2012 in einen engen Austausch mit Hildegard Ruoff brachten. Für Weiblen war die Zeit des Lockdowns während der Pandemie besonders produktiv. „Ich konnte mich endlich dem schwierigen Rot widmen und es gab nichts, was mich von der Arbeit rausriss“, beschreibt die Künstlerin die ruhige Zeit. In Nürtingen zeigt Weiblen diese ganz frischen Arbeiten, überwiegend aus der Serie „Rosas“, also Rosen, in einem eigenen Raum. Dort springen die kräftigen Orangetöne den Betrachter förmlich an. Rot bezeichnet die Malerin als eine sehr lebensfrohe Farbe, und selbst beim Gedanken an Blutrot assoziiere sie mit Blut eher den Lebenssaft als Krankheit oder Verletzlichkeit.

Lange Zeit habe sie das Rot gemieden, doch in der Ruhe und Abgeschiedenheit der Corona- zeit spürte sie plötzlich ein großes Bedürfnis nach dieser Farbe: „Ich war auf der Jagd nach dieser Farbstimmung, nach diesem tiefen inneren Leuchten.“ Weil aber rote Eitemperafarbe dazu neige, während dem Trocknen stumpf zu werden, sei ihr Einsatz eine große handwerkliche Herausforderung.

Zurückhaltender geht es im Blumen- und im Kaminzimmer der Villa Ruoff zu. Dort hängen Weiblens Pariser Schattenbilder, die sie während eines Studienaufenthalts in der Metropole fotografiert hat. Aus den Städten, Paris und Basel, hat Weiblen außerdem Zeichenbücher mitgebracht. Darin enthalten sind 30 Zeichnungen, die mit Tintenstift entstanden sind.

Eine der größten Arbeiten ist gleichzeitig auch eine der fragilsten. „Januar 2017“ titelt diese raumgreifende Tuschzeichnung. Eigentlich wollte Weiblen sogar noch größere und mehrteilige Tuschzeichnungen in der Schau präsentieren, die der Stuttgarter Kunstwissenschaftler Nikolai Forstbauer in Abstimmung mit Hildegard Ruoff kuratiert hat. Doch das haben die Corona-Regeln vereitelt. Weil die Räume permanent gelüftet werden müssen, hätte der Luftzug den unge- rahmten Arbeiten auf hauchdünnem Papier zugesetzt und sie zum Reißen bringen können.

Nach einem eher verhaltenen Besucherzuspruch am vergangenen Eröffnungswochenende hofft Ackermann nun auf wachsende Aufmerksamkeit für die erste Schau unter Corona-Vorkehrungen und den Abstands- und Hygieneregeln. Die Künstlerin Elly Weiblen wird an den Öffnungstagen 5. und 26. Juli sowie am 20. September anwesend sein.

„Klangraum - Raumklang“: Arbeiten von Elly Weiblen. Fritz-und-Hildegard-Ruoff-Stiftung, Schellingstraße 12, Nürtingen. Zu sehen bis zum 20. September (mit Ausnahme der Schließzeit vom 1. bis 31. August) donnerstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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