Zwischen Neckar und Alb

Energieagentur gibt Geschäftsstelle auf

Sparmaßnahme Die Agentur im Landkreis kooperiert künftig mit der Göppinger Energieagentur.

Im Nürtinger Büro der Energieagentur Landkreis Esslingen wird der Laptop nur noch zeitweise aufgeklappt. Foto: nz

Nürtingen. Fast zehn Jahre lang war die Energieagentur Landkreis Esslingen mit einem eigenen Energieberater unterwegs. Anfang Juli ist sie nun eine Kooperation mit der Energieagentur Landkreis Göppingen eingegangen, für einen eigenständigen Betrieb hatte die finanzielle Ausstattung nicht mehr gereicht. Als das Land vor rund zehn Jahren begann, die Gründung von Energieagenturen zu fördern, ergriff Nürtingen die Initiative. Für die ersten drei Jahre gab es eine Anschubfinanzierung von insgesamt 100 000 Euro durch das Umweltministerium. Mit der Förderung der Agenturen verbunden war ein kreisweites Engagement, was auch zur Namensgebung Energieagentur Landkreis Esslingen führte.

Der erste Geschäftsführer Ulrich König warb bei den Kreisgemeinden für eine Mitgliedschaft in der Agentur, die als gemeinnützige Gesellschaft firmiert. Der Gesellschafterbeitrag beträgt für jede Mitgliedskommune 2 000 Euro im Jahr. Jeweils 4 000 Euro jährlich tragen die Volksbank, die Kreissparkasse, die Stiftung Ökowatt Nürtingen und die Nürtinger sowie die Esslinger Stadtwerke als Mitglieder in einem Förderverein bei. Auch beim Landkreis warb König um finanzielle Unterstützung, allerdings mit mäßigem Erfolg. Wohl deshalb blieb auch das Echo bei den Kommunen geringer als erhofft, bis heute gehören nur sieben als Gesellschafter der Agentur an.

So kamen zuletzt noch 34 000 Euro im Jahr zusammen. „Davon ist eine volle Energieberaterstelle stelle nicht zu finanzieren“, so Volkmar Klaußer, Geschäftsführer der Nürtinger Stadtwerke. Er übernahm die Leitung der Energieagentur im Jahr 2011, die in einem Gebäude der Alten Seegrasspinnerei in der Plochinger Straße in Nürtingen untergebracht ist.

Kurzfristig Lösung finden

Nach dem Ausscheiden der bisherigen Energieberaterin wurde die Erstberatung zusätzlich durch die Stadtwerke Nürtingen koordiniert. Doch das sollte kein Dauerzustand sein, zumal die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg als Kooperationspartner eine allzu große Nähe zu Energieversorgungsunternehmen nicht gerne sieht. Aus dem Kreis der Gesellschafter besteht ein Interesse an einer Neuausrichtung der Agentur unter Federführung des Kreises bei dessen gleichzeitigem stärkeren finanziellen Engagement. Signale dazu gab es immer wieder. Und zuletzt sah es auch so aus, als ob sich etwas tut.

Die Neuausrichtung der Agentur und eine Zusammenarbeit mit Esslingen unter Federführung des Kreises ist im Moment jedoch nicht absehbar. Durch die Kündigung der Energieberaterin habe kurzfristig eine Lösung gefunden werden müssen, so Volkmar Klaußer. Deshalb suchte er die Kooperation mit der Göppinger Agentur. Deren Büro übernimmt künftig eine telefonische Beratung, koordiniert bei Bedarf persönliche Termine, schult und vermittelt die Berater der Energieagentur Landkreis Esslingen. Das Büro in der Seegrasspinnerei wird tageweise für Beratungsgespräche angemietet, die Kosten für eine dauerhafte Anlaufstelle werden eingespart. Die Beratungstermine in den Gemeinden Wolfschlugen, Filderstadt, Wendlingen und Kirchheim biete man weiterhin an, so Klaußer.

Konkretes zur Zukunft der Landkreis-Agentur ist aus dem Landratsamt nicht zu hören. Der Landratsamts-Pressesprecher Peter Keck teilte mit: „Der Landkreis hat sich mit einem Ausschussbeschluss auf den Weg zu einem integrierten Klimaschutzkonzept gemacht, in dessen Rahmen sich die Frage der Agentur stellen wird.“ Uwe Gottwald

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