Zwischen Neckar und Alb

Ersatzquartiere fressen viel Geld

Finanzen Damit die Verwaltung des Landratsamts während des Neubaus nicht auf der Straße sitzt, wurden vorsichtshalber schon jetzt Büroräume angemietet. Die Kosten: rund 1,5 Millionen Euro im Jahr. Von Thomas Schorradt

Der Altbau des Esslinger Landratsamts wird ab April 2022 abgerissen.Archivfoto: Jean-Luc Jacques
Der Altbau des Esslinger Landratsamts wird ab April 2022 abgerissen. Archivfoto: Jean-Luc Jacques

Das letzte Stündchen des Esslinger Landratsamtes schlägt im April 2022. Wenn das Auf- und Ausräumen in den Büros abgeschlossen ist, kommt die Abrissbirne. Die Planung sieht vor, dass der 130 Millionen Euro teure Neubau in den Pulverwiesen im Juli 2026 bezogen wird.

Damit die Kreisverwaltung in den voraussichtlich vier Jahren dazwischen nicht auf der Straße sitzt, ist der Landkreis auf eine Reihe von Behelfsunterkünften angewiesen. „Die Suche hat sich auf dem angespannten Mietmarkt äußerst schwierig gestaltet. Dennoch ist es uns gelungen, zu Lösungen zu kommen“, berichtet die Sprecherin der Kreisverwaltung, Andrea Wangner. Um den rund 900 vom Umzug betroffenen Mitarbeitern ein Dach über dem Kopf bieten zu können, muss der Landkreis tief in die Tasche greifen. Rund 225 Beschäftigte kommen dauerhaft in dem Außenstellen-Neubau in Plochingen unter. Das knapp 40 Millionen Euro teure Verwaltungsgebäude auf dem Stumpenhof muss deshalb spätestens im März 2022 bezugsfertig sein.

Die verbleibenden 675 Beschäftigten werden in Esslingen verteilt. Die Mietkosten für die Ausweichquartiere addieren sich auf rund 1,5 Millionen Euro im Jahr - Nebenkosten noch nicht mitgerechnet. So überweist die Kreiskämmerin Sonja Hauschild seit dem 1. Januar dieses Jahres jeden Monat 61 000 Euro plus Nebenkosten an die Investorengesellschaft, die das Kaufhaus „ES“ betreibt. Die Summe, die für die 5300 Quadratmeter Bürofläche fällig wird, reduziert sich derzeit noch um rund 52 000 Euro jährlich, weil es dem Landkreis gelungen ist, einen Teil noch nicht benötigter Flächen unterzuvermieten.

Dagegen muss die Kreisverwaltung für die Räume im Fleischmannhaus schon jetzt ordentlich Geld auf den Tisch legen, ohne die 1500 Quadratmeter Bürofläche wirklich zu nutzen. Der Mietbeginn hier war ebenfalls am 1. Januar, mit monatlichen Kosten von 17 250 Euro. Das Geld geht an die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die Eigentümerin des Anwesens ist.

Über die ganze Stadt verstreut

Zudem steht der Württemberger Hof auf der Wunschliste. Weil aber dort die Stadt Esslingen derzeit noch logiert, befindet sich der Landkreis hier in der Warteschleife. Der Vorteil: Die erste Überweisung ist erst mit dem Einzug am 1. April des kommenden Jahres fällig. Als Kaltmiete für die rund 1500 Quadratmeter Bürofläche in dem ebenfalls der Kreissparkasse Esslingen gehörenden Gebäude werden dann 23 300 Euro pro Monat fällig.

Schon bezogen sind dagegen die Büroräume in der Esslinger Röntgenstraße, wo bei einer Kaltmiete von 372 000 Euro das Amt für Geo- information und Vermessung untergebracht ist. Nicht mehr benötigt wird das Mietobjekt in Nürtingen. Die dortige Außenstelle des Kreismedienzentrums zieht in das neue Verwaltungsgebäude nach Plochingen um. Der Chef der Esslinger Kreisverwaltung, Landrat Heinz Eininger, dirigiert seine über die ganze Stadt verstreute Belegschaft in der Bauphase von einem noch einzurichtenden Büro im Hauptsitz der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, deren Verwaltungsratsvorsitzender Eininger von Amts wegen ohnehin ist. Ein entsprechender Mietvertrag ist derzeit in Abstimmung. Alle Flächen hat sich der Landkreis langfristig gesichert. Die Laufzeit der Mietverträge beträgt in der Regel fünf Jahre, mit der Option auf eine Verlängerung von eineinhalb Jahren.

Mit dem vom Esslinger Kreistag abgesegneten Neubau der Verwaltungsgebäude in Plochingen und Esslingen hofft man, besser auf die Belange der Einwohner eingehen zu können. „Die neuen Gebäude schaffen Voraussetzungen für eindeutige Zuständigkeiten, schnelle Orientierung und kurze Wege“, fasst Andrea Wangner zusammen. Zudem könne das Gebäude variabel genutzt werden, sodass auf einen kurzfristig geänderten und höheren Personalbedarf, wie er beispielsweise bei der Flüchtlingsbetreuung aufgetreten ist, flexibel reagiert werden könne.

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