Zwischen Neckar und Alb

Erste Mission führt in den Irak

Politik Markus Grübel ist von seiner ersten Reise als Bundesbeauftragter für weltweite Religionsfreiheit zurück. Sie führte in den Irak. Grübel berichtet von Fortschritten, die Mut machen. Von Christian Dörmann

Mädchen  und Jungen im gemeinsamen Unterricht in Mossul. Für Gast Markus Grübel ein vielversprechender Anfang.Foto: oh
Mädchen und Jungen im gemeinsamen Unterricht in Mossul. Für Gast Markus Grübel ein vielversprechender Anfang.Foto: oh

Es war seine erste offizielle Mission als Beauftragter der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit. Aber der Irak war kein Neuland für Markus Grübel, dessen letzte Reise als Verteidigungsstaatssekretär ihn ebenfalls in das von militanten Islamisten des ISIS terrorisierte Land geführt hatte. In seiner jetzigen Funktion wurde Grübel während seiner Reise klar, was die wichtigste Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Religionen und Kulturen ist: gegenseitiges Verständnis.

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Der Nordirak mit Bagdad, Mossul, Erbil oder Dohuk stellt für ihn eine besondere Herausforderung dar. Aktuell geht es um die Frage: „Wie kann es gelingen, dass im Nordirak weiter Christen und Jesiden leben können?“ Denn nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Terrormiliz „Islamischer Staat“ stünden die Angehörigen religiöser Minderheiten vor den Trümmern ihrer Existenz. Gleichwohl beurteilt Grübel die heutige Ausgangslage durchaus positiv. Der Irak, in dem gerade erst gewählt wurde, sei eines der wenigen gelungenen Beispiele für den Wandel hin zu einer Demokratie.

Große Herausforderung

Aber zu tun gibt es viel, damit der Wiederaufbau in Schwung kommt und die Sicherheit der Vertriebenen garantiert werden kann, die nun in ihre Heimat zurückkehren. „Wir müssen eine Lösung finden, wie ein gutes Miteinander oder wenigstens ein friedliches Nebeneinander von Sunniten, Schiiten, Jesiden, Christen und weiteren Religionsgemeinschaften möglich ist“, nennt Grübel die Herausforderung.

So ein Besuch in einer Region, die lange zu einem der schlimmsten Brennpunkte dieser Welt gehört hat, geht nicht spurlos vorbei. Etwa wenn es um das Schicksal von Mädchen geht, die vom IS verschleppt und vergewaltigt wurden: „Das geht an die Nieren, und man ist wütend auf die Täter.“ Andererseits entwickelt sich etwas, das früher undenkbar erschien. Es entstehen gemischte Schulklassen, in denen Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet werden. Das ist ein Anfang.

Wie schlagen sich nun die Eindrücke einer solchen Mission in praktischer Politik nieder? „Bewusstsein schaffen“, steht bei Grübel weit vorn, und das beginnt schon im Irak selbst, wo deutsche Unternehmen am Wiederaufbau des Landes beteiligt sind: „Ich rede mit Firmen, mit dem Wirtschaftsministerium und mache deutlich, wie wichtig es ist, die Menschen vor Ort und alle Glaubensrichtungen in den Prozess mit einzubinden.“ Zudem formuliert Grübel Berichte an Sicherheitspolitiker oder an die Entscheidungsträger im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem die Stelle des Religionsbeauftragen auch zugeordnet ist. „Es geht um Handlungsempfehlungen“, sagt der Abgeordnete, dem übrigens niemand vorschreibt, wohin ihn seine Reisen führen sollen. Der Beauftragte trifft seine Entscheidung nach eigenem Bekunden unabhängig von Minister Gerd Müller (CSU) oder politischen Gremien. Ganz allein ist der Esslinger in seinem Amt freilich nicht. Drei Stellen wurden im zugeordnet: zwei Referenten und eine Sekretariatskraft.

Weitere potenzielle Brennpunkte für seine Arbeit sieht Grübel in Syrien, Afghanistan, Nigeria, im Süd-Sudan oder in Ägypten. Überall gibt es Spannungen zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens, zum Teil mit den schlimmsten Konsequenzen. „Bei Spannungen zwischen Religionsgruppen sehe ich den ersten Ansatz im Dialog.“ Der 58-Jährige kann sich auch vorstellen, als Vermittler zu arbeiten.

„Für drei Viertel der Menschheit gibt es keine Religionsfreiheit“, sagt Markus Grübel. Dabei spielt für ihn die freie Religionsausübung eine zentrale Rolle, auch mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation: „Religionsfreiheit stärkt den Frieden und mindert Fluchtursachen, denn religiöse Konflikte sind oft Ursachen von Vertreibung. Die bei uns lebenden Flüchtlinge sollen in Deutschland erfahren, dass Menschen ganz unterschiedlicher Religion oder Weltanschauung friedlich miteinander leben können.“