Zwischen Neckar und Alb

„Es gab Gründe, warum wir umkehrten“

Natur Der Köngener Höhlen-Guide Jochen Hinz hatte die zwei Männer, die in der Falkensteiner Höhle eingeschlossenen waren, kurz zuvor getroffen. Von Johannes Fischer

Traumhaft schön, kann aber auch zum Gefängnis werden, wenn es regnet: Die Falkensteiner Höhle. Foto: Carsten Riedl
Traumhaft schön, kann aber auch zum Gefängnis werden, wenn es regnet: Die Falkensteiner Höhle. Foto: Carsten Riedl

Großes Aufatmen, als zwei Männer aus der Falkensteiner Höhle gerettet worden sind. Trotz schlechter Wetterprognose waren sie ohne Taucherausrüstung tief ins Innere vorgedrungen. Der Wasserpegel stieg und stieg, sodass sie nicht mehr ohne Hilfe zurück zum Ausgang kommen konnten. Vor Ort war auch Jochen Hinz aus Köngen, ein Höhlen-Guide, der den beiden in der Höhle noch begegnete, allerdings nicht das Risiko einging, tiefer in die Grotte einzudringen. Wir haben ihn nach den Hintergründen seiner Entscheidung befragt.

Herr Hinz, Sie hatten an dem Tag auch eine Tour mit Gästen in der Falkensteiner Höhle. Weshalb ist es Ihnen besser ergangen als den beiden Geretteten?

Jochen Hinz: Dass es viel Wasser in der Höhle gibt, wussten wir schon vor der Tour. Wir hatten an dem Tag zwei Touren mit sieben oder acht Gästen. Uns war klar, dass wir die Tour nicht so machen können wie geplant.

 

Wie haben Ihre Gäste reagiert, als sie hörten, dass es nicht das volle Programm gibt?

Hinz: Einerseits waren sie traurig, aber sie reagierten sehr verständnisvoll.

Einer der beiden eingeschlossenen Männer war auch ein Höhlen-Guide, der sich ja eigentlich auskennen müsste - auch mit den Wetterverhältnissen. Muss er sich vorwerfen lassen, einen Fehler gemacht zu haben?

Hinz: Das möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Aber „Kein Kommentar“ ist ja vielleicht auch schon Kommentar genug.

 

Nein, nicht wirklich. . .

Hinz: Es hatte Gründe, warum wir unsere Tour abgebrochen haben. Wir sind für unsere Gäste verantwortlich.

 

Bei normalen Bedingungen: Ist die Falkensteiner Höhle schwierig? Braucht man eine besondere Konstitution, um eine solche Wanderung zu machen? Gibt es besonders enge Stellen?

Hinz: Neulich lief ein Mann mit uns, der über 70 war. Enge ist auch kein Problem, jedenfalls nicht im vorderen Bereich.

 

Regen und Unwetter können viel verändern in einer Höhle, Wasser kann den Rückweg versperren. Ist Ihnen das auch schon mal passiert?

Hinz: Nein, ich selbst habe das nie erlebt. Es ist wichtig, auf das Wetter zu achten.

 

Wie viele Touren machen Sie pro Jahr?

Hinz: Im Durchschnitt eine pro Tag. Allerdings finden die nur von Anfang April bis Ende September statt. In der anderen Hälfte des Jahres sind Höhlenwanderungen in Deutschland fast überall verboten.

 

Wegen des Wetters?

Hinz: Wegen der Fledermäuse. Sie halten Winterschlaf und stehen unter Naturschutz.

 

Passiert es Ihnen auch schon mal, dass Sie seitens Ihrer Gäste gedrängt werden, mehr Risiko zu gehen?

Hinz: Bei den Touren an dem betreffenden Tag haben die Gäste verständnisvoll reagiert. Aber manchmal baut sich ein Sozialdruck auf, bei Firmenevents zum Beispiel. Es kann dann passieren, dass sich jemand überfordert fühlt, es aber nicht vor den anderen zugeben will. Dann ist es unsere Aufgabe, einzugreifen und zu sagen: „So läuft das jetzt und nicht anders.“

Höhlen-Guide Jochen Hinz. Foto: pr
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