Zwischen Neckar und Alb

Es geht um Liebe, Eifersucht und Rache

Das Nürtinger Konzertensemble führt bei den zehnten Nürtinger Opernfestspielen zwei Opern auf

Zwei Opern an einem Abend: Das Nürtinger Konzertensemble (NKE) geht bei der zehnten Auflage der Nürtinger Opernfestspiele „Opern-Air“ neue Wege. Aufgeführt werden „Cavalleria rusticana“ und „Der Bajazzo“. Gespielt wird am Platz bei der Stadtkirche.

So unbeschwert wie bei den Nürtinger Opernfestspielen 2013 („Eine Nacht in Venedig“) geht’s beim Opern-Air 2015 nicht zu. Archiv
So unbeschwert wie bei den Nürtinger Opernfestspielen 2013 („Eine Nacht in Venedig“) geht’s beim Opern-Air 2015 nicht zu. Archivfoto: Jürgen Holzwarth

Nürtingen. Opernkenner wissen: Bei Mascagnis Einakter „Cavalleria rusticana“ aus dem Jahr 1890 und Leoncavallos Zweiakter „Der Bajazzo“ (im Original „Pagliacci“) von 1892 geht es nicht so zwanglos heiter zu wie bei der Operette „Eine Nacht in Venedig“, die sich beim letzten Opern-Air vor zwei Jahren bereits zum zweiten Mal in Nürtingen als Publikumsmagnet erwiesen hat. Diesmal fließt Blut, beide Stücke gehen tragisch aus. Stilistisch werden beide Werke dem Verismus zugerechnet. Damit werden Opern der Nach-Verdi-Ära bezeichnet, die statt der Darstellung fabelhafter Inhalte die Wiedergabe von Geschehnissen des wirklichen Lebens zum Inhalt haben.

Liebe, Eifersucht und Rache – das ist die thematische Klammer, die beide Opern verbindet. Beide Male geht es um ein Urthema der Menschheit: Ein Ehemann wird von seiner Frau hintergangen und rächt sich entweder am Nebenbuhler, indem er diesen tötet („Cavalleria rusticana“), oder auch an der Gattin, indem er beide umbringt („Der Bajazzo“). Beide Opern, erklärt NKE-Leiter Hans-Peter Bader, sind von ihrer Spieldauer her so kurz, dass sie in je eine Spielhälfte einer abendfüllenden Aufführung passen. Außerdem hätten sie einen ähnlichen Inhalt. Aus diesem Grund würden sie oft zusammen aufgeführt.

„Das sind keine Operetten mit wohlgefälligem Inhalt“, sagt Bader. „Beide gehen tragisch aus, und das werden wir zelebrieren.“ Wegen der Zeitlosigkeit des Themas – „es gibt heute ja immer noch Ehrenmorde“ – werde das Geschehen in der NKE-Version nicht in der Historie des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Italien beziehungsweise auf Sizilien verortet, sondern könnte jederzeit überall spielen. Optisch unterstrichen werde das durch die neutral-einheitliche Kleidung des Chors, erläutert Gerburg Maria Müller, die die Regie übernommen hat: Im „Bajazzo“ tritt der Chor ganz in Weiß auf, in der „Cavalleria“ in Grau-Schwarz. Dazu bilden die bunten Kostüme der Solisten einen augenfälligen Kontrast.

Freuen darf sich das Publikum, so Bader, auf ein wahres „Melodienfest“. Musikalisch seien beide Stücke hoch anspruchsvoll. Orchester, Chor und Solisten seien gleichermaßen gefordert. Im Gegensatz zur sonst üblichen Aufführungspraxis besetzt das NKE beide Opern mit jeweils anderen Solisten.

Ebenfalls einen Sonderweg geht das NKE in der Reihenfolge der beiden Werke. In Nürtingen steht „Der Bajazzo“ am Anfang der Aufführung, was sonst nicht üblich ist. Dies, so Bader, wegen der Eingangsarie, in der das Publikum darauf vorbereitet wird, dass im Folgenden „eine wahre Geschichte erzählt“ werde. Nach der Pause wird die „Cavalleria rusticana“ aufgeführt.

Beide Aufführungen teilen sich das von Volker Illi gestaltete Bühnenbild, das am Platz bei der Stadtkirche ein Podest an der den Platz abschließenden Mauer vorsieht, rechts davon ein zusätzliches Kirchenportal und im Hintergrund des Torbogens eine Hausfassade. Ein Mast mit vier Bändern deutet den Zirkus an. Das Bühnenbild werde bewusst einfach gehalten, auf große Eingriffe werde verzichtet. „Wir wollen die Schönheit des Platzes erhalten“, so Regisseurin Müller.

Für das Publikum wird bei der Stadtkirche wieder eine 570 Besucher fassende Tribüne aufgebaut. Bei schlechtem Wetter wird in die Stadthalle ausgewichen, wo die Werke konzertant dargeboten werden. Für die auf fünf Aufführungen angelegten Opernfestspiele sind 150 000 Euro veranschlagt.

Nürtinger Opern-Air 2015

Unter der Leitung von Hans-Peter Bader und der Regie von Gerburg Maria Müller führt das Nürtinger Konzertensemble die Opern „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und „Der Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo auf. Premiere ist am Freitag, 24. Juli. Weitere Spieltermine sind: Sonntag, 26. Juli, Mittwoch, 29. Juli, Freitag, 31. Juli und Samstag, 1. August. Spielbeginn auf dem Kirchplatz bei der Stadtkirche ist jeweils um 20.30 Uhr. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0 70 22/94 64-150 und auf www.opernair-nuertingen.de im Internet.

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