Zwischen Neckar und Alb

Es geht zurück ins Rampenlicht

Kabarett Die Galgenstricke können nach einer Corona-Durststrecke zum Lachen wieder in den Keller gehen.

Das Lachen hat Erich Koslowski während der Corona-Zwangspause nicht verlernt.Foto: Ines Rudel
Das Lachen hat Erich Koslowski während der Corona-Zwangspause nicht verlernt. Foto: Ines Rudel

Esslingen. Seit mehr als 40 Jahren gehen sie mit ihrem Publikum zum Lachen in den Keller, und das soll auch so bleiben. Doch Corona hat den Galgenstricken Erich Koslowski und Herbert Häfele einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: Mitte März gingen in ihrem Kleinkunstkeller in der Webergasse 9 die Lichter aus, und die Rückkehr zur Normalität läuft nur in kleinen Schritten. Nach monatelanger Pause werden am Wochenende die Scheinwerfer wieder angeknipst.

Noch kein Normalbetrieb

Von Normalbetrieb kann auch bei den Galgenstricken noch lange keine Rede sein: Um die Hygienevorschriften einzuhalten, dürfen im Galgenstricke-Keller gerade mal 32 Plätze besetzt werden. Deshalb haben sich die beiden Kabarettisten entschlossen, mit vier Aufführungen ihrer Hausproduktion „Waidmannsheil“ sowie den Gastspielen von Juliane Braun und Link Michel, die schon jetzt große Nachfrage versprechen, in die Berkheimer Osterfeldhalle umzuziehen. Dort dürfen immerhin 126 Tickets verkauft werden - ohne Corona-Beschränkungen wären es rund 600. Doch das ist für Erich Koslowski zweitrangig: „Hauptsache, wir können überhaupt wieder spielen.“

Für Vollblut-Künstler wie die Galgenstricke war es eine schwere Prüfung, für so lange Zeit nicht auf der Bühne stehen zu dürfen. Und wer ihren ersten Auftritt nach der Corona-Zwangspause beim Esslinger Burgsommer erlebt hat, der konnte spüren, wie sehr Herbert Häfele und Erich Koslowski die Rückkehr ins Rampenlicht genossen haben. Die beiden waren in den vergangenen Wochen nicht nur als Künstler von der Corona-Krise betroffen, sondern auch als Theaterbetreiber: Von einem Tag auf den nächsten waren die Einnahmen weggebrochen, die fixen Kosten liefen jedoch weiter. „Das war schon eine ziemliche Herausforderung, doch wir hatten zum Glück große Unterstützung. So konnten wir diese schwierige Zeit halbwegs überstehen“, sagt Erich Koslowski. Er denkt dabei an die Stadt, die die versprochenen Jahreszuschüsse frühzeitig ausbezahlt hat, an das Land, das mit einer Soforthilfe zur Stelle war, an den Förderverein der Galgenstricke, der die größten Löcher in der Kasse stopfen half, und ganz besonders an das treue Publikum, das im Vorgriff auf bessere Zeiten Theater-Gutscheine gekauft und damit einen stattlichen Vorschuss auf künftige Eintrittsgelder bezahlt hat. „Ob all der Solidarität, die wir in dieser Zeit erlebt haben, könnte man Tränen in die Augen kriegen“, bekennt der Galgenstrick.

Doch nun soll alles besser werden, auch wenn noch viele coronabedingten Beschränkungen gelten. Die Hausherren haben versucht, mit einem exakten Hygienekonzept für maximale Sicherheit für Zuschauer, Künstler und Mitarbeiter zu sorgen. Sie laden guten Gewissens zum Besuch im Galgenstricke-Keller ein und verweisen nicht zuletzt auf die moderne Klimaanlage, die eine optimale Belüftung garantiere und damit den Neubeginn auch im tiefen Keller ermögliche. „Das Wichtigste ist, dass wir weitermachen können“, findet Koslowski, der ähnliche Rückmeldungen auch von Künstler-Kollegen bekommt. 32 Plätze können im Galgenstricke-Keller besetzt werden - sollten sich Vierer- oder Sechser-Gruppen anmelden, können es im Idealfall ein paar mehr sein. Doch damit lassen sich reguläre Gagen kaum finanzieren. Die allermeisten Künstler treten trotzdem für eine prozentuale Beteiligung an den Einnahmen auf. „Wir halten zusammen - in diesen Zeiten ganz besonders“, betonen die Galgenstricke. Alexander Maier

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