Zwischen Neckar und Alb

„Es ist wie Camping auf dem Wasser“

Bootsfreunde aus der Region erzählen über ihren Urlaub auf dem Neckar

Robert Kreidenweiß, Gabriele Krieger, Uwe Friedrich und Uwe Krieger (von links) haben schon viele Abenteuer auf ihren Booten erl
Robert Kreidenweiß, Gabriele Krieger, Uwe Friedrich und Uwe Krieger (von links) haben schon viele Abenteuer auf ihren Booten erlebt. Foto: Gerlinde Ehehalt

Esslingen. Ihre Boote tragen klingende Namen wie „Alter Schwede“, „What a day“ oder „Gabriella“. Und auch die Erzählungen ihrer Beisitzer

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vom Motor-Yacht-Club (MYC) Esslingen klingen nach bester Urlaubsunterhaltung. Gabriele und Uwe Krieger, Uwe Friedrich und Robert Kreidenweiß, Vorsitzender des MYC, sitzen auf dem Vereinsgelände am Neckarufer bei Kilometer 196 und plaudern über ihre Liebe zu Booten und Urlaub auf dem Wasser.

Sie haben spannende Abenteuer, aber auch viele relaxte Flussfahrten erlebt. „Einmal versuchten wir, auf einer gusseisernen Bratpfanne Wasserski zu fahren, was gleich beim Start misslang“, erinnert sich Kreidenweiß schmunzelnd. Ein anderes Mal wurde der Bootsfahrer aus Kirchheim, der schon mit 18 Jahren den Motorbootschein gemacht hatte und seit Langem aktiver Bootsfahrer ist, gleich dreimal von der Polizei angehalten. Beim dritten Mal entdeckten die Beamten, dass sein Funkschein ungültig war. „Ich hatte die Unterschrift vergessen.“ Der Name seines Kajütenboots „What a day“ verrät seine Begeisterung für diesen Sport.

Uwe Friedrich aus Scharnhausen vergisst ebenfalls oft etwas – und zwar das Tanken. Er musste kürzlich mangels Sprit und Paddel mithilfe einer Reinigungsbürste sein Boot „Alter Schwede“ in den Kanal des MYC paddeln.

„Urlaub auf dem Neckar ist jedes Mal anders“, sagen die Bootsbesitzer. Obwohl das gemächlich fließende, heimische Gewässer vorwiegend zum Warentransport genutzt wird, zwischen Esslingen und Stuttgart von Industrie und Gewerbe geprägt ist und bis zur Mündung in den Rhein insgesamt 27 Schleusen zu überwinden sind, gibt es romantisch-schöne Stellen, die man nur per Boot erreichen kann. „Unter Bootstouristen gilt der Neckar als einer der idyllischsten Flüsse mit Burgen und sehr viel Naturbelassenheit“, erklärt Kreidenweiß.

„Es ist wie Camping auf dem Wasser“, sagt Gabriele Krieger schmunzelnd. Die Neckartailfingerin macht seit über zehn Jahren Urlaub auf dem Boot mit Ehemann Uwe – oft auf dem Neckar, aber auch in Italien. „Auf dem Wasserweg erreicht man schöne Plätze meist schneller und unkomplizierter als mit dem Auto“, erklärt Uwe Krieger. „Wir dachten, was Kolumbus konnte, können wir auch“, ergänzt seine Frau. Das Ehepaar schaffte sich zunächst ein Sportboot, später ein kleines Kajütenschiff mit Koje an und tuckert seither oft mit ihrer „Gabriella“ gemächlich den Neckar entlang. „Das Element Wasser reinigt die Seele und man bekommt den Kopf frei“, betont Gabriele Krieger. „Es ist eine gute Möglichkeit, den Alltagsstress hinter sich zu lassen“, ergänzt Clubkollege Uwe Friedrich. Der Bootsfan kam übers Segeln am Bodensee zum Sportboot. „Beim Urlaub auf dem Boot erfährt man durch das ruhige Fließen des Wassers Gelassenheit, spürt die Ruhe und Stille des Flusses, braucht aber Geduld beim Passieren der Schleusen“, erklärt MYC-Chef Kreidenweiß. Das könne mal nur 20  Minuten oder aber vier Stunden dauern. So benötigt man bis nach Stuttgart-Hofen bis zu dreieinhalb Stunden Fahrzeit.

Alle haben prekäre Situationen erlebt: „Wenn die Technik streikt, wird’s spannend.“ Zum Glück fielen die Maschinen bisher nie komplett aus. Auch heftige Stürme oder das Hochwasser vor drei Jahren, bei dem der Pegel des Neckars stark anstieg und die Boote bis zur Höhe der Steganlage gehievt wurden, haben die MYC-Mitglieder gut überstanden. Wasserscheu dürfe man als Bootsfahrer natürlich nicht sein. „Immer mal wieder fällt einer von uns in den Fluss. Und jedes Jahr holt sich der Neckar ein Opfer“, erzählt Gabriele Krieger: Die Brille, ein Zigarettenpäckchen, ein Werkzeugkasten oder sogar einmal der Autoschlüssel gingen über Bord ins trübe Nass.

Ehestreitigkeiten in der drangvollen Enge der kleinen Kajüte auf einer längeren Urlaubsfahrt sind keine Seltenheit. Auch Scheidungen habe es schon gegeben. „Entweder bist du nachher noch enger zusammen oder du gehsch’ glei zum Anwalt“, sagt Friedrich. Auf dem Boot müsse man sich beim Leinenlegen, Fendersetzen oder bei der Fahrt durch die Schleuse fest auf den anderen verlassen können. Bei einem Thema sind sich die MYC-Mitglieder vollkommen einig: „Zur Ankurbelung des Bootstourismus wünschen wir uns mehr Anlegeplätze für Sportboote entlang des Neckars.“