Zwischen Neckar und Alb

Es mangelt an günstigen Wohnungen

Städtebau Der Mieterbund fordert mehr sozialen Wohnungsbau. Vor allem Neuvermietungen sind teuer.

Symbolfoto

Kreis Esslingen. Die Situation spitzt sich zu: Laut dem Deutschen Mieterbund Esslingen-Göppingen fehlen im Landkreis Esslingen immer mehr Wohnungen - und die, die noch zu haben sind, werden teurer. Der Verein sieht deshalb die Politik in der Pflicht: Sie müsse dafür sorgen, dass mehr Sozialwohnungen gebaut werden.

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Genaue Zahlen dazu, wie der Bedarf in der Zukunft aussieht, gebe es zwar nicht, sagt Udo Cas­per, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Esslingen-Göppingen. Doch es gebe einige Daten, die die Situation sehr gut veranschaulichten. So sei die Bevölkerung im Landkreis Esslingen in den fünf Jahren zwischen 2011 und 2015 um gut 19 000 Einwohner gewachsen. Nach einer Standardberechnung habe sich allein aus diesem Zuwachs ein Bedarf von mehr als 9 500 Wohnungen ergeben - gebaut worden seien in dem Zeitraum jedoch nur knapp über 7 000 Wohnungen. Und der Wohnungsmangel werde noch gravierender werden, denn in Baden-Württemberg seien etwa im Jahr 2016 noch zwei Prozent weniger Wohnungen gebaut worden als im Jahr davor - bundesweit sei die Zahl der fertiggestellten Wohnungen 2016 derweil um 12,1 Prozent angestiegen.

Neuvermietungen viel teurer

Hinzu komme, dass angesichts der Knappheit die Mietpreise enorm in die Höhe schnellten. Besonders angespannt sei die Situation in den größeren Städten im Landkreis wie Esslingen, Ostfildern, Kirchheim und Nürtingen. Daher sei es aus Sicht des Mieterbundes völlig unverständlich, warum das Land diese Kommunen von der Mietpreisbremse ausgenommen habe. Auch dass die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen - also das Verbot, die Miete innerhalb von drei Jahren um mehr als 20 Prozent anzuheben - in diesen Städten nicht wie in anderen Kommunen im Land auf 15 Prozent gesenkt worden sei, ist laut Casper nicht nachzuvollziehen. Immerhin liege etwa in Esslingen die Durchschnittsmiete bei Neuvermietungen im zweiten Quartal 2017 laut einer Erhebung des Hamburger Forschungsinstituts F+B bei 9,20 Euro - das sind 23 Prozent mehr als die Durchschnittsmiete von 7,50 Euro, die im Mietspiegel für die Stadt angegeben sei.

Dass bezahlbare Wohnungen Mangelware seien, liege auch daran, dass es immer weniger Sozialwohnungen gebe. So sei der Bestand in Esslingen von 1 196 Sozialwohnungen im Jahr 2013 um 28 Prozent auf heute nur noch 860 gesunken. Grund dafür ist laut Casper unter anderem, dass in den vergangenen Jahren keine neuen günstigen Wohnungen gebaut worden seien. Nun gelte es, dass Bund, Land und Kommunen für mehr und günstigere Wohnungen sorgten. Melanie Braun