Zwischen Neckar und Alb

„Es riecht hier nach Abrechnung“

Förderung Die Nürtinger Stadtverwaltung möchte den Zuschuss für die Kinder-Kultur-Werkstatt und die ­Jugendwerkstatt erhöhen. Sechs Gemeinderäte machen die Pläne zunichte. Von Lutz Selle

Der Kulturausschuss hat die Erhöhung der Zuschüsse für die Werkstatt abgelehnt.Foto: Jürgen Holzwarth
Der Kulturausschuss hat die Erhöhung der Zuschüsse für die Werkstatt abgelehnt.Foto: Jürgen Holzwarth

Bislang erhält der Trägerverein Freies Kinderhaus von der Stadt Nürtingen einen jährlichen Zuschuss für die Kinder-Kultur-Werkstatt „KiKuWe“ in Höhe von 43 000 Euro. Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, diesen auf 53 000 Euro zu erhöhen. Die Jugendwerkstatt unterstützt die Stadt bisher noch nicht finanziell, will aber künftig einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 5 000 Euro gewähren. Die Zuschusshöhe sollte für die Jahre 2018 bis 2020 festgeschrieben werden - so schlug es Annette Bürkner, Amtsleiterin für Bildung, Soziales und Familie, vor. Sechs Stadträte machten der Verwaltung einen Strich durch die Rechnung.

Nach den Berechnungen der Stadt würde der Zuschuss inzwischen 55 493 Euro betragen. Die Jugendwerkstatt hingegen finanzierte sich bis 2016 ausschließlich aus Projektmitteln der ARGE und aus ESF-Mitteln, diversen Projektfördertöpfen und Spenden. Von der Stadt gab es erst 2016 einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro zur Absicherung des Betriebs. Seit dem vergangenen Jahr erhält der Nürtinger Trägerverein vom Landkreis einen jährlichen Zuschuss von 17 361 Euro für die „KiKuWe“ sowie 17 760 Euro für die Jugendwerkstatt.

Nach den Angaben des Trägervereins ergibt sich trotz des Zuschusses durch den Landkreis weiterhin ein Defizit von 20 000 Euro bei der „KiKuWe“ und ein Defizit von 10 000 Euro bei der Jugendwerkstatt. Der Trägerverein hatte daher bei der Stadt eine Erhöhung des Zuschusses um diese Summen sowie für das Nachmittagsmodul für Schulen einen jährlichen Zuschuss von 14 000 Euro beziehungsweise 350 Euro pro Nachmittag beantragt. Diesem Vorschlag will auch die Verwaltung nicht folgen, weil seitens der Schulen keine Klagen wegen mangelnder Finanzierbarkeit vorliegen würden.

Da mit Julia Rieger und Pit Lohse zwei Stadträte der Fraktion NT14 im Trägerverein Freies Kinderhaus engagiert sind, setzte sich Julia Rieger wegen Befangenheit zu den Zuschauern. Von dort aus musste sie zunächst mit anhören, wie sich Stadtrat Arnulf Dümmel über ihren Fraktionskollegen Lohse, der bei der Ausschusssitzung nicht dabei war, echauffierte: „Letzte Woche mussten wir uns in seiner Haushaltsrede noch von ihm belehren lassen.“ Jetzt wollte sich Dümmel revanchieren. „Man muss auch selbst einhalten, was man fordert. Wo ist hier eine Kosteneinsparung und wo die Folgeberechnung?“

Auch Dr. Michael Brodbeck von den Freien Wählern gab an, dass seine Fraktion „Probleme“ damit habe, die Erhöhung des Zuschusses zu tragen. „Es handelt sich hier eindeutig um Freiwilligkeitsleistungen der Stadt.“

Olivia von der Dellen von der Gemeinderatsfraktion Nürtinger Liste/Grüne erinnerte daran, dass es nicht um die Fraktion NT14, sondern um Kinder gehe, und der Verein eine „fantastische Arbeit“ leiste. Auch Bärbel Kehl-Maurer von der SPD riet dazu, die Arbeit des Trägervereins „wirklich getrennt von NT14“ zu werten. „Man wird dem Angebot nicht gerecht, wenn man es mit der Fraktion in einen Topf wirft.“ Ohne die Zuschüsse würde die „gute Arbeit für Kinder und Jugendliche nicht mehr so geleistet werden können“. Zwar sei das Zahlenwerk nicht transparent. „Aber wir haben seit Jahren den Zuschuss nicht erhöht, und da sind Mitarbeiter angestellt, bei denen ich mir wünsche, dass sie nach Tarif bezahlt werden.“

„Angebot wird schlechtgeredet“

„Es riecht hier nach Abrechnung“, sagte Regine Glück von der Fraktion Nürtinger Liste/Grüne. „Es geht nicht darum, was vom Trägerverein geleistet wird, sondern es wird gesagt, dass sich NT14 nicht so benommen hat, wie es gewünscht wird.“ Aus einer „Machtposition“ heraus werde ein „tolles Leistungsangebot für benachteiligte Kinder und Jugendliche“ schlechtgeredet.

Thaddäus Kunzmann (CDU) hingegen meinte: „Für die Förderung der Jugendwerkstatt ist der Landkreis zuständig und nicht wir.“ Die Stadt finanziere bereits ein Kernzeitangebot zur Betreuung von Kindern. Das sah Olivia von der Dellen anders: „Jeder Cent, der in Kinder investiert wird, ist nicht verloren. Es ist wichtig, breit zu säen, damit eine gute Wiese wachsen kann.“

Der Antrag eines Stadtrats, die Entscheidung noch einmal zu vertagen, wurde bei vier Stimmen dafür und einer Enthaltung abgeschmettert. Es folgte die mehrheitliche Ablehnung des Vorschlags der Verwaltung. Die endgültige Entscheidung trifft dann der gesamte Gemeinderat am 20. März.

Anzeige