Zwischen Neckar und Alb

Esslinger wollen hoch hinaus

Prämierung Unter den Siegern der Weintourismus-Preise Baden-Württemberg sind auch zwei Esslinger Projekte der Weingärtner und Staffelsteiger. Von Claudia Bitzer

Otto Rapp (links) und Claus Hägele entdecken beim Rundgang durch die Weinberge eine eingestürzte Mauer. Der Verein Staffelsteige
Otto Rapp (links) und Claus Hägele entdecken beim Rundgang durch die Weinberge eine eingestürzte Mauer. Der Verein Staffelsteiger fordert für die Sanierung öffentliche Hilfe. Foto: Roberto Bulgrin

Die Weingärtner Esslingen und der Staffelsteiger-Verein dürfen anstoßen: Sie gehören zu den Gewinnern der Weintourismus-Preise Baden-Württemberg 2017, die die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) gemeinsam mit dem Badischen Weinbauverband und dem Weinbauverband Württemberg in Heilbronn vergeben hat. In diesem Jahr gingen die Auszeichnungen an Projekte, die sich für den Erhalt und die Vermittlung des Steillagenweinbaus einsetzen. Im Esslinger Weinwandertag und dem noch jungen Weinerlebnispfad hoch über der Stadt sah die Jury ihr Anliegen bestens aufgehoben.

„Seit Jahrhunderten prägt der Weinbau Landschaftsbild und Lebensgefühl. Das gilt ganz besonders dort, wo Winzer und Weingärtner ihre Reben in Steillagen bewirtschaften und mit viel Handarbeit diese Kulturlandschaften erhalten“, betonte Minister Guido Wolf in Heilbronn. Dass sich viele Weinbauern inzwischen auch in der Entwicklung eigener touristischer Angebote engagieren, sensibilisiere Urlauber wie Einheimische für das Thema.

Wie steil es im Weinbau zugehen kann, verdeutlichte Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauverbands, am Beispiel des 75 Grad steilen Engelsfelsens in Bühlertal. „Ob im Remstal, am Neckar oder an der Enz - vor allem in unseren Flusstälern reiht sich eine bekannte Steillage an die andere“, schwärmte auch Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbands Württemberg, von der Vielzahl an Weinbergterrassen mit Millionen von verbauten Sandsteinen.

Für TMBW-Geschäftsführer Andreas Braun haben die Preisträger den Steillagenweinbau auf vorbildliche Weise für den Tourismus aufgearbeitet. Er verwies auf die ständig wachsende Bedeutung des Weinbaus für das Urlaubsland Baden-Württemberg: Gemeinsam habe man in den letzten Jahren viele Konzepte auf den Weg gebracht, um den Weintourismus weiterzuentwickeln - eines davon ist der Weintourismus-Preis.

Der Esslinger Weinerlebnisweg, für den sich der Staffelsteiger-Verein stark gemacht hat, führt seine Besucher seit 2016 durch die ortsbildprägenden Steillagen der Stadt. „Er bietet nicht nur atemberaubende Ausblicke auf die mittelalterliche Altstadt, sondern informiert an 20 Stationen über die Geschichte der Terrassenweinberge“, lobt die Jury. Der Esslinger Weinwandertag, zu dem die Weingärtner Esslingen einladen und der sich in mehr als drei Jahrzehnten zu einem Publikumsmagneten entwickelt hat, mache das Thema Steillagen einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Besonders begeistert war die Jury von speziellen Angeboten für Familien, die ganzjährig genutzt werden können. Ein weiterer Preis ging an den kulinarischen Spaziergang „Biodiversität im Satzenberg“, den das Weingut Alte Grafschaft im badischen Kreuzwertheim für Gruppen entwickelt hat. Neben den beiden Preisen wurde auch ein Anerkennungspreis an die Umweltakademie Baden-Württemberg für ihr Projekt „Lebendiger Weinberg“ verliehen.

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