Zwischen Neckar und Alb

Esslinger Zwietrachtfest

Der Streit um die Weinstube Eißele geht weiter

In Esslingen streiten die Wirte mal wieder ums Zwiebelfest. Nun hat eine „Initiative für ein traditionelles Zwiebelfest“ einen offenen Brief geschrieben.

Fröhliche Stimmung bei warmen Temperaturen, so kennt und schätzt man das Esslinger Zwiebelfest. Doch hinter den Kulissen gärt es
Fröhliche Stimmung bei warmen Temperaturen, so kennt und schätzt man das Esslinger Zwiebelfest. Doch hinter den Kulissen gärt es.Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen. Noch rund zwei Monate, dann beginnt auf dem Esslinger Marktplatz das Zwiebelfest. Noch ist nicht bekannt, was sich die in der Zwiebelfest-GmbH zusammengeschlossenen Wirte einfallen lassen, um die 30. Auflage der hoch geschätzten Veranstaltung zu ­feiern. Ebenso ungewiss ist, ob die Weinstube Eißele, eines der Gründungsmitglieder, erstmals in der Geschichte des Festes nicht mit von der Partie ist. Geht es nach dem Willen der sieben verbliebenen Wirte aus der GmbH, lautet die Antwort: nein. Sie haben die Seracher Weinstube mitsamt Pächter Oliver Brehmer aus ihrem Kreis komplimentiert. Doch Brehmer gibt sich nicht geschlagen. Er kämpft um seinen Ausschank auf dem Marktplatz. Jetzt geht der Streit in eine neue Runde.

Kürzlich ist den Esslinger Gemeinderäten ein offener Brief ins Haus geflattert, für den Otto Huissel und der Anwalt Sebastian Kottke verantwortlich zeichnen. Letzterer berät den Pächter des Eißele in der leidigen Angelegenheit. „Initiative für ein traditionelles Zwiebelfest“, so nennen sie ihre Aktion. In dem Brief rufen sie die Gemeinderäte dazu auf, nicht länger hinzunehmen, dass die traditionsreiche Veranstaltung durch die internen Scharmützel negative Schlagzeilen produziert. Den sieben Wirten um ihren Vormann Frank Jehle, den Betreiber des „Palmschen Baus“, werfen Kottke und Huissel Willkür und Profitstreben vor. Die Wirte hätten der Stadt als Veranstalter das Zepter aus der Hand genommen und bestimmten eigenmächtig Rahmen und Ablauf des gesamten Festes – „leider nicht zum Wohl der Stadt und des Festes.“ Das Zwiebelfest habe sich von seinem ursprünglichen Charakter entfernt, „einer Hocketse ohne Musik, mit gemütlichem Zusammensitzen bei Esslinger Wein und lokalen Spezialitäten der Esslinger Wirte.“

In harschen Worten monieren die Urheber des offenen Briefes den Ausschluss des Eißele, „Zugpferd des Zwiebelfests und eines seiner Aushängeschilder.“ Sämtliche Gründe, die vonseiten der GmbH und Jehle genannt worden seien, wie „finanzielle Ungereimtheiten“, seien vorgeschoben und entbehrten jeder Grundlage. Vielmehr sei die Weinstube allen Verpflichtungen, gleich welcher Art, in allen Jahren vertragsgemäß nachgekommen. Wörtlich heißt es: „Der wahre Grund ist: Man will den Kuchen unter sich aufteilen und hofft auf mehr Profit, wenn eines der umsatzstärksten und renommiertesten Lokale nicht mehr präsent ist.“

Starker Tobak. Tatsächlich stellt GmbH-Sprecher Jehle gar nicht in Abrede, dass in diesem Jahr nur noch sieben statt bislang acht Wirte das Fest vom 5. bis zum 15. August ausrichten. Aber er verwahrt sich dagegen, dass finanzielle Erwägungen hinter dem Rauswurf des Eißele stecken. Über die genauen Gründe will Jehle nicht (mehr) reden, nur so viel: „Wie in jeder GmbH gibt es Regeln, und wer sich nicht daran hält, muss die Konsequenzen tragen.“ Und generell sei man offen für Gespräche, falls andere Esslinger Wirte beim Zwiebelfest mitmachen wollten.

Der Zwist um das Eißele hat eine lange Vorgeschichte. Vor zwei Jahren trafen sich die Kontrahenten vor Gericht, am Ende gab es doch noch eine Einigung. Vor einem Jahr schritt OB Jürgen Zieger ein, was dem Eißele-Wirt die Teilnahme am Zwiebelfest und Zieger ziemlichen Ärger einbrachte. In seltener Einhelligkeit missbilligten der Gemeinderat und die Medien sein eigenmächtiges Vorgehen. Verständlich, dass der OB nun den Hader Hader sein lässt.

Also wird sich der Gemeinderat mit der Frage beschäftigen müssen, ob er den Wirten weiter freie Hand lässt – und damit riskiert, dass der Ruf des Zwiebelfestes Schaden nimmt. Schon der Verdacht, es gehe den Veranstaltern nur um den Reibach, ist Gift fürs Image. Die Verfasser des offenen Briefs, der von 45 Bürgern, darunter etlichen Geschäftsleuten, unterzeichnet ist, fordern eine Intervention: Ab 2017 solle die Stadt Organisation und Vergabe der Schankkonzessionen übernehmen, wie beim Weihnachtsmarkt, dem zweiten großen Publikumsmagneten Esslingens.

Eißele-Wirt Brehmer sagt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen und werde weiter kämpfen. Nicht zuletzt hänge seine wirtschaftliche Existenz am Zwiebelfest. Zu Spekulationen, im Fall der Fälle könne es sogar zu einer Gegenveranstaltung kommen, wollte sich Brehmer indes nicht äußern.

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