Zwischen Neckar und Alb

Etiketten ganz aus Recyclingstoffen

Umwelt Die Wolfschlugener Firma Schäfer-Etiketten erhält für ihre neuartigen Etiketten den Deutschen Verpackungspreis. Das Unternehmen ist trotz Corona-Krise dank dieser Innovation voll ausgelastet. Von Harald Flößer

Firmeneigentümer Jörg Gottlieb (Mitte), Marketing- und Vertriebschef Helmut Weidle (rechts) und Volker Hurth, Branchenmanager Ko
Firmeneigentümer Jörg Gottlieb (Mitte), Marketing- und Vertriebschef Helmut Weidle (rechts) und Volker Hurth, Branchenmanager Kosmetik, freuen sich über die Auszeichnung. Foto: Ines Rudel

Ob auf Kosmetik-Artikeln, Medikamenten oder chemischen Produkten: Die Aufkleber der mittelständischen Firma aus Wolfschlugen hat fast jeder schon mal zu Gesicht bekommen. Schäfer-Etiketten, wie sich das von Jörg Gottlieb geleitete Unternehmen nach seinem Gründer nennt, zählt seit vielen Jahren zu den ers­ten Adressen in der Branche. Auch deswegen, weil es immer wieder mit Neuentwicklungen von sich reden macht. Im vergangenen Jahr belegte die Firma aus Wolfschlugen mit einem Etikett, das komplett aus recyceltem Kunststoff hergestellt wurde, Platz eins beim Wettbewerb um den Innovationspreis des Landkreises Esslingen.

Weitere Erfolge zeigen nun, dass Gottlieb und sein Team mit ihren Produkten den Nerv der Zeit treffen. Bereits zum zweiten Mal gewann das Unternehmen den Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit, der unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums steht. Und zum ersten Mal sprang für ein Etikett aus 100 Prozent Rezyklat der österreichische Green ­Packaging Star Award heraus.

Das siegreiche Produkt trägt die Bezeichnung rPE. Es ist nach Firmenangaben die weltweit wahrscheinlich erste selbstklebende PE-Folie und komplett aus Rezyklat hergestellt. Das zweite besondere Merkmal: Es ist mit einem abwaschbaren Klebstoff ausgestattet. Das heißt, die Etiketten können später rückstandsfrei wieder abgewaschen werden. Etiketten, Klebstoff und Druckfarben lassen sich damit ganz aus dem Wertstoffstrom trennen.

In der Verbindung mit dem abwaschbaren Klebstoff biete das neuartige Etikett auf diese Weise „die Lösung für einen optimalen Stoffkreislauf“, wie er schon bei PET-Gebinden selbstverständlich sei. Laut Marketing- und Vertriebschef Helmut Weidle ist das mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnete Produkt bereits 2019 in Kooperation mit den Partnerfirmen Herma und Polifilm entwickelt worden.

Wie bei anderen Firmen auch hat die Corona-Krise bei Schäfer-­Etiketten Spuren hinterlassen: Liefer­engpässe beim Material, weniger Aufträge, Kurzarbeit. Trotzdem sei man immer lieferbereit gewesen, betont Jörg Gottlieb. Mit einem vollen Lager sei man nun vor Engpässen gefeit. Im Augenblick sei man voll ausgelastet, berichtet Gottlieb. Auch dank der innovativen Produkte sei man in neue Märkte vorgedrungen. Dazu zählten beispielsweise die Bereiche Naturkosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Aber auch in den Sparten Waschmittel und Körperpflege habe man zulegen können.

Auf dem richtigen Weg

Das Thema Nachhaltigkeit spiele eine immer größere Rolle, sagt Geschäftsführer Gottlieb. „Die Welt wird immer sensibler, gerade wenn es um die Vermeidung von Abfall geht.“ In der Branche werde sein Unternehmen als innovativ wahrgenommen. Nachgefragt würden die neuartigen Etiketten nicht nur von den traditionellen Abnehmern, die mit Schäfer-Etiketten eine oft jahrzehntelange Partnerschaft verbindet. Verstärk­tes Interesse sieht Volker Hurth, Key-Account-Manager Kosmetik, vor allem bei kleinen Start-ups. Mit dem Einsatz von ­Rezyklaten sei man auch deshalb auf dem richtigen Weg, weil vom Gesetzgeber immer höhere Wiederverwertungsquoten gefordert würden und nun auch die Europäische Union eine Plastiksteuer beschlossen habe.

Trotz Corona-Krise hält Unternehmenschef Jörg Gottlieb an seinen Plänen fest, den Standort Wolfschlugen ab nächstem Jahr komplett zu erneuern. Mit einem Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro soll das aus den 1970er-Jahren stammende Firmengebäude am Rande der Filderkommune rundum modernisiert und erweitert werden. „Verwaltung und Produktion rücken näher zusammen“, erläutert Gottlieb seine Umbaupläne. „Ganz allgemein wird es bei uns künftig kürzere Wege geben.“

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