Zwischen Neckar und Alb

„Europa muss ein Fels in der Brandung sein“

Empfang der Stadt Wendlingen zum Vinzenzi-Fest steht unter dem Motto „Vertreibung“ und ist aktueller denn je

Markus Grübel spricht bei der Vinzenzi-Rede über Ursachen von Flucht und Vertreibung sowie über Verantwortung für Hilfsbedürftig
Markus Grübel spricht bei der Vinzenzi-Rede über Ursachen von Flucht und Vertreibung sowie über Verantwortung für Hilfsbedürftige.Foto: Ralf Just

Die Vinzenzi-Rede zum Empfang der Stadt Wendlingen hielt am gestrigen Sonntag Markus Grübel. Er sprach über das Thema „Flucht und Vertreibung“.

Gaby Kiedaisch

Wendlingen. Schon vor der Vinzenzi-Rede Markus Grübels hatte Bürgermeister Weigel hervorgehoben, dass das Vinzenzi-Fest auch „ein Fest der europäischen Integration“ sei. Das Vinzenzi-Fest sei das Fest, an dem die Menschen aus ihrer eigenen Erfahrung von Flucht und Vertreibung heraus daran erinnerten, dass nur die menschliche Begegnung, das gegenseitige Kennenlernen und das Verständnis für den anderen dazu geführt haben, „dass wir seit 70 Jahren Frieden und Freiheit in Europa leben.“ Viel zu leichtfertig setze man in anderen Ländern Europas diesen unschätzbaren Wert aufs Spiel, mahnte er deren Solidarität an.

Gleichwohl sieht Weigel, dass manche Menschen die innere Sicherheit, das Gleichgewicht von Frieden und Freiheit gefährdet sehen. Diesen Ängsten und Befürchtungen müsse man ein Stück weit Rechnung tragen: „Gerade dadurch, dass wir diese Sorgen und Ängste ernst nehmen, stellen wir sicher, dass das Schüren irrationaler Ängste, das pauschale Abqualifizieren von Menschen aus anderen Kulturkreisen und das generelle Kriminalisieren anderer Religionszugehörigkeiten absolut inakzeptabel und unwürdig für ein Land sind, das stolz auf seine fast 70-jährige Tradition einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist.“

Unter dem Titel „Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen – Verantwortung für die hilfsbedürftigen Menschen wahrnehmen“ griff Markus Grübel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Esslingen, das Thema auf. Die Verankerung des Vinzenzi-Fests in der neuen Heimat sieht Grübel „als Zeichen gelungener Integration und des kulturellen Austauschs.“

Externe und interne Bedrohungslagen wie die Ukrainekrise, Brennpunkte im Mittleren Osten, aber auch Euro- und Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise und terroristische Angriffe stellten die EU auf eine „ernsthafte Bewährungsprobe“, insbesondere durch Krieg, Flucht und Vertreibung. Mit zahlreichen Beispielen stellte er den Wert eines geeinigten Europas heraus: „Mit Schaffung der EU haben wir die Lehre aus zwei vernichtenden Weltkriegen gezogen.“ Deshalb müsse die Idee Europas fortgeführt werden. „Europa muss ein Fels in der Brandung sein – in Zeiten von Krieg, Flucht und Vertreibung.“

In Anlehnung an die Vertreibung der Sudetendeutschen und Egerländer aus ihrer angestammten Heimat, mit dem Mitbringen eigener Traditionen wie des Vinzenzi-Fests, zeigte der Staatssekretär auf, dass Integration gelingen kann. Die Eingliederung der Heimatvertriebenen habe absoluten Vorbildcharakter für die heutige Zeit, auch wenn sich die Situation damals und die gegenwärtige Flüchtlingslage in vielen Aspekten unterscheiden.

Markus Grübel ist überzeugt, dass angesichts der zahlreichen Krisenherde eine Weiterentwicklung und Vertiefung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf europäischer Ebene dringend notwendig ist. Grund zur Sorge bereitet ihm die aktuelle Entwicklung in der EU. Markus Grübel richtete seinen Blick auch auf die vielen Helfer, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagierten. Bei ihnen bedankte er sich: „Sie bauen für diese Menschen die Brücke zwischen Fluchtland und neuer Heimat. Ohne ihre Hilfe wären die Bewältigung des Flüchtlingsstroms und die Hilfe nicht möglich.“

Die Bekämpfung von Fluchtursachen müsse weitergehen. Bewaffnete Konflikte und Verfolgung haben 2015 ein trauriges Rekordniveau erreicht: Zum ersten Mal sei die Flüchtlingsmarke von 60 Millionen überschritten worden. Sie steht nun bei 65,3 Millionen Flüchtlingen weltweit. Angesichts dieser und weiterer Probleme müsse die EU an Widerstandskraft gewinnen. „Nur durch ein gemeinsames Handeln mit unseren europäischen Partnern können wir der gegenwärtigen Konfliktlage entgegenstehen.“ Das Vinzenzi-Fest mit Freunden aus Österreich, Tschechien und Ungarn und anderen europäischen Ländern leiste einen Beitrag zur europäischen Verständigung.

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