Zwischen Neckar und Alb

Fällt seine Stelle weg?

Unklarheit Das Sozialministerium will die Stelle des Demografiebeauftragten von Thaddäus Kunzmann streichen. Von Anneliese Lieb

Die Stelle von Kunzmann als Demografiebeauftragter ist befristet bis zum 30. April 2021. Foto: nz-archiv
Die Stelle von Kunzmann als Demografiebeauftragter ist befristet bis zum 30. April 2021. Foto: nz-archiv

Nürtingen. Am 1. März 2017 hat der ehemalige Nürtinger CDU-Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann sein neues Büro als Demografiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg im Stuttgarter Sozialministerium bezogen. Mit viel Enthusiasmus und großem Engagement hat er sich in das vielschichtige Thema eingearbeitet. Im ganzen Land war er unterwegs, hat mit Bürgern, Vertretern von Kommunen, der Wirtschaft und von Sozialorganisationen gesprochen, und fast schon gebetsmühlenartig auf die steigende Zahl älterer Menschen und den großen Handlungsbedarf hingewiesen. „Wir müssen einen roten Faden und eine Art Demografie-Strategie entwickeln“, sagte Kunzmann schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt vor vier Jahren. Handlungsbedarf sah Thaddäus Kunzmann ministeriumsübergreifend.

Im Stuttgarter Sozialministerium ist man hier offensichtlich anderer Auffassung. Die Bevölkerungsentwicklung und die Konsequenzen für die Gesellschaft müssten von allen Ministerien bearbeitet werden, argumentiert man dort, wie aus einer internen Kabinettsvorlage hervorgeht.

Auf Nachfrage im Sozialministerium war die Antwort von Pressesprecher Jox sehr dünn. „Wir ­äußern uns zu der Vorlage nicht, bevor sie nicht verabschiedet ist.“ Jox bestätigte lediglich, dass die Parteien im Rahmen der Koalitionsverhandlungen über die Evaluation der Stelle des Demografie­beauftragten entscheiden. Der Posten war von Anfang an auf 30. April 2021 befristet.

Wird das Thema Demografie in der neuen Landesregierung wieder von jedem Ministerium extra bearbeitet und kochen alle ihr eigenes Süppchen? Diese Befürchtung hegt offensichtlich auch der VdK-Landesvorsitzende. „Wir brauchen auch weiterhin einen Landes-Demografiebeauftragten!“, betont der Vorsitzende des Sozial­verbandes VdK Baden-Württemberg, Hans-Josef Hotz. Hotz bezieht sich auf Pläne des Sozialministeriums, den 2017 geschaffenen Posten, der seitdem von Thaddäus Kunzmann bekleidet wird, Ende April 2021 wieder abzuschaffen.

Bis zum 30. April sind es nicht mal mehr eineinhalb Wochen. Ob seine Stelle tatsächlich in den Koa­litionsverhandlungen geopfert wird, auch dazu will sich Thaddäus Kunzmann nicht äußern. Optimistisch klingt er indes nicht: „Mein Bestreben ist, meine Aufgabe ordentlich zum Abschluss zu bringen. Ich will keine verbrannte Erde hinterlassen“, sagte der Nürtinger gestern, versprach aber, sich im Mai, wenn der Koalitionsvertrag vorliege, zu äußern.

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