Zwischen Neckar und Alb

Fahrgäste können sich freuen

Neue Vergabe des Zugverkehrs ermöglicht ab 2020 den Halbstunden-Takt

Bahnfahren wird im Kreis Esslingen in den nächsten Jahren deutlich attraktiver. Wenn das britische Unternehmen Go-­A­head im Auftrag des Landes ab 2020 die Strecken nach Tübingen und Ulm übernimmt, werden am Esslinger Bahnhof fast doppelt so viele Züge wie heute fahren. Auch nachts werden die Angebote verbessert. Der Vertragspartner will eine Flotte mit 26 neuen Zügen auf die Schiene schicken.

Ein Auslaufmodell: Die Züge der DB Regio werden 2020 der neuen Flotte eines britischen Anbieters weichen müssen.  Foto: Kaier
Ein Auslaufmodell: Die Züge der DB Regio werden 2020 der neuen Flotte eines britischen Anbieters weichen müssen. Foto: Kaier

Kreis Esslingen. Erklärtes Ziel des Landes ist es, die Fahrgastzahlen im Schienenverkehr bis 2025 um 30 Prozent zu erhöhen. Im Blick haben die Verkehrsplaner neben Fernreisenden und Berufspendlern auch Gelegenheitsfahrer. Die neue Vergabe des Zugverkehrs im Großraum Stuttgart sieht die Landesregierung als wichtige Voraussetzung, um dieses Vorhaben zu realisieren. Das gilt auch für den Kreis Esslingen, der zu den Gewinnern der neuen Vergabe gehört. Auf der Strecke zwischen Stuttgart und Tübingen erreichen die Fahrgastzahlen schon heute Spitzenwerte. Der Zuwachs beträgt auf dieser Schiene zwei bis drei Prozent pro Jahr.

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Als wichtigster Fortschritt in den Fahrplänen zeichnet sich auf den Bahnstrecken ein Halbstunden-Takt ab. Wie die Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz aus Kirchheim und Andrea Lindlohr aus Esslingen (beide Grüne) mitteilen, soll diese Regelung montags bis samstags durchgehend gelten. Zusätzlich werden außerdem die Züge der Expresslinie, die zwischen Stuttgart und Lindau verkehrt, auch in Esslingen halten. Diese Verbesserung ist umso erfreulicher, als sie unabhängig von der neuen Vergabe des Zugverkehrs erfolgt. Sie kann deshalb bereits im Dezember kommenden Jahres in Kraft treten.

Positive Auswirkungen versprechen die Politiker auch für Nachtschwärmer. Es soll an Wochenenden und an Feiertagen einen durchgehenden Nachtverkehr im Zwei-Stunden-Takt geben. Mehr Direktverbindungen, die zwischen Nürtingen, Oberboihingen und Stuttgart das Umsteigen überflüssig machen – so lautet ein weiterer Pluspunkt des Konzepts.

Solche Aussichten lassen Befürchtungen, Stuttgart 21 könnte mit den neuen Verkehrswegen auf den Fildern für Fahrgäste in Esslingen nachteilige Folgen bringen, in den Hintergrund treten. Edgar Neumann, Pressesprecher des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur, betont: „Das Angebot, das wir jetzt vorbereiten, ist langfristig angelegt.“ Stuttgart 21 werde keine Abstriche bringen.

Außerdem verspricht der Wechsel von der DB Regio zu Go-Ahead einen Gewinn an Komfort. Der neue Anbieter hat mit dem Hersteller Stadler einen Vorvertrag für eine Flotte von 26 Zügen abgeschlossen. Klimatisierte Fahrzeuge mit Tischen, Steckdosen und W-Lan-Zugang gehören zu deren Vorzügen. Wer mit dem Rollstuhl, Kinderwagen oder Fahrrad unterwegs ist, findet Schwarz und Lindlohr zufolge künftig deutlich bessere Bedingungen als heute vor.

Die beiden Abgeordneten bewerten vor diesem Hintergrund das Ergebnis der Ausschreibungen sehr positiv. „Das Land kann mehr als zufrieden sein“, schreiben sie. Die Vergabe der Aufträge für den Zugverkehr im Raum Stuttgart habe ein viel beachtetes Ergebnis gebracht. Das gilt in dreifacher Hinsicht. Verlierer ist die DB Regio. Sie hatte für die Strecken Neckartal, Rems-Fils und Franken-Enz die günstigsten Angebote eingereicht. Ein Formfehler führte aber dazu, dass sie in dem weiteren Verfahren nicht berücksichtigt worden ist. Von Mitte 2019 an werden das holländische Unternehmen Abellio und das britische Unternehmen Go-A­head den Zugverkehr auf den Strecken nach Tübingen, Ulm, Würzburg, Karlsruhe und Mannheim übernehmen. Die neuen Partner erbringen ihre Leistungen zu deutlich geringeren Preisen. Bisher bezahlt das Land pro Kilometer stattliche 11,69 Euro. Künftig werden es weniger als sechs Euro sein. Im Vergleich zu 2015 fallen die Rechnungen um 75 Millionen Euro günstiger aus. Mit der neuen Vergabe entsteht der Spielraum, das Angebot für Fahrgäste deutlich zu verbessern.

Unklar ist vorerst, ob die DB Regio die Niederlage akzeptieren wird. Sie prüft gegenwärtig noch, ob sie Einspruch erhebt. Das Unternehmen hatte nicht beachtet, dass die Preise für die Dienstleistungen im ersten Jahr maximal zehn Prozent höher als in den folgenden zwölf Jahren sein dürfen. Das Land will mit diesem Passus die Bieter am Versuch hindern, ihre Investitionen gleich in der Anfangsphase auf das Land umzulegen.