Zwischen Neckar und Alb

Familie Pfau zieht um

Altenriets Bürgermeister ordnet Umsiedlung der Tiere an – Pfauen-Fans enttäuscht

Es hat sich ausstolziert für Familie Pfau. Hahn und Henne samt ihrer Küken sollen ihr wildes ­Leben in Altenriet gegen ein artgerechtes Quartier tauschen.

Die Pfauenfamilie darf nicht in Altenriet bleiben. Foto: fh
Die Pfauenfamilie darf nicht in Altenriet bleiben. Foto: fh

Altenriet. Seit rund zwei Jahren hausen Pfau Tristan und seine Liebste nun schon in Altenriet. Vom nahen Hofgut Hammetweil sind die beiden „Paradiesvögel“ damals ausgebüxt. Seither streifen sie durch die Gärten des Brezelortes. Die Tiere fühlen sich so heimisch, dass sie auch brüteten: Isolde zeigte sich alsbald mit einer munteren Kükenschar im Schlepptau. Doch das Idyll bekam schnell Risse: Die gellenden Rufe des Hahns, die Verschmutzungen durch den Kot der Tiere und geplünderte Gemüsebeete gefielen vielen Altenrietern nicht. Mitunter legten die Vögel gar den Verkehr auf der Kreisstraße lahm.

Eine Aufforderung an den Züchter der Tiere, die entflohenen Exoten wieder einzufangen, verlief jedoch im Sande. Auch die Kräfte des Polizeipostens in Neckartenzlingen zogen im Frühjahr gegen die Vögel den Kürzeren. Die Tiere entzogen sich mit ein paar Flügelschlägen der Festnahme.

Nun sah sich Altenriets Bürgermeister Bernd Müller genötigt zu handeln: „Es gab massiv Proteste“, berichtet er über sich häufende Beschwerden über die Tiere. Als Ortspolizeibehörde sei es seine Aufgabe, darauf zu reagieren, auch um des friedlichen Zusammenlebens im Ort willen, bat er um Verständnis für seine Entscheidung, die Tiere einfangen zu lassen. Er hat nun den Tiernotrettungsdienst eingeschaltet, der die Tiere schonend einfangen soll.

Nach einem neuen Zuhause hat sich der Schultes auch umgeschaut und im Schwarzwald einen Hof gefunden, der dem schmucken Pärchen samt Nachwuchs ein neues Zuhause bietet, wo die Tiere artgerecht gehalten werden können. Vor wenigen Tagen nun startete die Tierrettung in den frühen Morgenstunden einen ersten Fangversuch. Sehr zum Unmut einiger Altenrieter Familien, die sich für den Verbleib der Pfauen im Ort eingesetzt hatten.

Die Mitarbeiter der „Tierrettung Mittlerer Neckar“ hatten den Vögeln bis auf ein privates Grundstück nachgestellt. Die Hauseigentümer verwiesen die Tierfänger sofort von ihrem Grundstück. „Ich habe von der Aktion erst später erfahren“, sagt Müller dazu. Dass die Mitarbeiter des Tiernotrettungsdienstes ihr Vorgehen nicht mit den Hauseigentümern abgesprochen haben, gefällt auch ihm nicht. Seine Entscheidung, die Tiere einfangen zu lassen, hält Müller dennoch aufrecht. „Ich kann nicht zulassen, dass sich hier eine Population aufbaut“, macht er klar, dass die Pfauen nicht weiter wild durch Altenriet ziehen können. „Sie gehören auf einen großen Hof oder in ein Gehege“, ist er der festen Überzeugung.

Ein solches Gehege hatten auch die Pfauen-Befürworter angeregt: Am Ortsrand von Altenriet wollten sie ein neues Zuhause für Tristan und Isolde bauen. Den Vorschlag prüfte Müller, fragte beim Landratsamt und dem Regierungspräsidium Stuttgart an, ob und wo sich ein solches Vorhaben realisieren lasse. „Das hat keine Aussicht auf Erfolg“, so der Bürgermeister.

Die Fans von Tristan und Isolde sind enttäuscht. Für die Probleme hätten sich mit ein bisschen gutem Willen andere Lösungen finden können, meinen sie. Sie fordern, dass der Bürgermeister zunächst eine Diskussion zulässt, bevor er Fakten schafft. „Ein Bürgermeister sollte die Bürger über seine Entscheidungen und die daraus folgenden Aktionen informieren, damit man sich darauf einstellen kann“, heißt es in einem Schreiben mehrerer Familien.

Den Vorwurf will Müller so allerdings nicht stehen lassen. Er habe die Öffentlichkeit sehr wohl über das Problem mit den Pfauen informiert, weist er auf drei Berichte in den öffentlichen Sitzungen des Altenrieter Gemeinderats hin. Zwar gebe es keinen formellen Beschluss, jedoch sei der Gemeinderat mit seinem Vorgehen einverstanden, stellt er klar. Für Tristan und Isolde gibt es in Altenriet also kein Happy End. Vielleicht aber im Schwarzwald: „Vier der Tiere sind bereits umgesiedelt“, teilt Bürgermeister Müller mit.

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