Zwischen Neckar und Alb

Ferienbetreuung für behinderte Kinder ist zu teuer

Finanzen Landrat ist gegen den Ausbau an Schulkindergärten. CDU kritisiert die Besserstellung in Regeleinrichtungen.

Kreis. Ein normaler Kindergarten schließt etwa vier Wochen in den Ferien. Die vier Schulkindergärten für behinderte Kinder im Landkreis Esslingen haben Schließzeiten von 14 Wochen. Die CDU im Esslinger Kreistag findet es „unverständlich“, dass „Normalfamilien“ so viel besser gestellt sind als Familien mit behinderten Kindern. Eigentlich benötigen diese viel mehr Unterstützung. Die Kreisverwaltung hat nun auf Antrag der CDU ausgerechnet, was mehr Betreuung in den Ferien und an den Nachmittagen kosten würde. Außerdem wurde der Bedarf abgefragt. Lediglich neun Elternpaare zeigten Interesse. Ein erweitertes Angebot für neun Kinder an vier Standorten würde den Kreis 583 000 Euro im Jahr kosten. Landrat Heinz Eininger empfahl deshalb dem Kultur- und Schulausschuss des Kreistags, die Betreuung „aufgrund des geringen Bedarfs und der unverhältnismäßig hohen Kosten“ nicht auszuweiten.

Immer wieder vertröstet

Es ist nicht so, dass der Landrat die schwierige Situation von Eltern mit behinderten Kindern nicht erkennt, aber er sieht die Verantwortung zunächst beim Land. Es heiße zwar Schulkindergarten, es handle sich jedoch um eine schulische Einrichtung. Deshalb müsse sich das Land, genau wie bei der Ganztagsschule, „deutlich mehr engagieren“. Der Landkreistag, als Vertretung der Kreise, habe dies der Kultusministerin vorgetragen. Man werde jedoch immer wieder vertröstet.

Man brauche ja nicht gleich eine Komplett-Lösung, sagte Gabriele Klumpp (Grüne), die von der Antwort der Verwaltung enttäuscht war. Es sei „nicht mehr zeitgemäß“, dass Eltern von behinderten Kindern in den Ferien nicht arbeiten könnten. Die Kreisrätin schlug vor, der Landkreis könne wenigstens in kleinen Schritten die Betreuung ausbauen. Das will Landrat Eininger in der aktuellen Situation auf keinen Fall. Mit dem Ältestenrat des Kreistags sei vereinbart worden, dass es keinerlei Zusagen gebe, solange man die finanziellen Folgen von Corona nicht überschaue. Filderstadts OB Christoph Traub kommentierte als CDU-Sprecher die Absage zunächst nicht, sondern dankte nur für die ausführliche Antwort. Darüber müsse seine Fraktion jetzt erst mal beraten. Auf einen Aspekt hatte die CDU schon im Antrag hingewiesen: Würden mehr behinderte Kinder in Regel-Kindergärten betreut, kämen auf den Kreis erhebliche Kosten zu.

Bisher können die Kinder der Schulkindergärten an der Esslinger Rohräckerschule, in Dettingen, Nürtingen und Leinfelden nur mittwochs und freitags an der Nachmittagsbetreuung bis 15.30 Uhr teilnehmen. In den Sommerferien besteht ein Betreuungsangebot für die ersten zwei Wochen. Um dieses Angebot auszuweiten, bräuchten die Kindergärten vor allem die Unterstützung der Kooperationspartner, also der Lebenshilfe in Esslingen und Kirchheim sowie der Behindertenförderung Linsenhofen. Außerdem wären vier zusätzliche Stellen an den Schulen notwendig: Krankenschwestern, Küche und Sekretariat. Insgesamt würde dies 620 500 Euro im Jahr kosten. Die Eltern sollten über Eigenbeiträge knapp 38 000 Euro beisteuern.

Die ganze Rechnung basiert auf einer Umfrage, die vor den Sommerferien 2019 unter den Eltern gemacht wurde. 35 antworteten. Von ihnen hatten nur neun angegeben, dass sie eine erweiterte Betreuung bräuchten. Kreisrätin Klumpp vermutet, dass der Bedarf mit dem Angebot steigen würde, so wie es an den anderen Schulen passiert sei. Das Thema dürfte nur aufgeschoben sein, aber nicht abgehakt.Roland Kurz

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