Zwischen Neckar und Alb

Fink schlägt sich auf Drexlers Seite

Bürgermeister will als Zweitkandidat der SPD in den Landtagswahlkampf ziehen

Die offizielle Nominierung steht noch aus. Doch es gibt keinen Zweifel: Wolfgang Drexler wird 2016 erneut den Einzug in den Landtag anstreben. Wenn die Parteibasis der SPD in vier ­Wochen ihren Kandidaten kürt, wird er um ihr Vertrauen ­werben.

Wolfgang Drexler strebt 2016 erneut den Einzug in den Landtag an.
Wolfgang Drexler strebt 2016 erneut den Einzug in den Landtag an.

Kreis Esslingen. Alles andere als ein klares Votum für den SPD-Politiker, der heute zusammen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu den dienstältesten Abgeordneten in Stuttgart gehört, wäre eine Sensation. Der nächste Schritt wird dagegen mit sehr viel mehr Schwierigkeiten verbunden sein. Angesichts magerer Prognosen für die Landespartei – zuletzt war nur noch von 18  Prozent die Rede – ist die Fortsetzung der politischen Karriere in Stuttgart alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Während Andreas Deuschle (CDU) das Direktmandat kaum zu nehmen sein dürfte und auch Andrea Lindlohr (Grüne) beste Chancen auf ein Zweitmandat besitzt, könnte es für Drexler richtig eng werden.

Die Wähler werden am 13. März 2016 an die Urnen gerufen – drei Tage, bevor Drexler seinen 70. Geburtstag feiern kann. Für ihn kommt es darauf an, im Vergleich mit den anderen SPD-Kandidaten in Nord-Württemberg möglichst gut abzuschneiden und so einen der Sitze zu gewinnen, die seiner Partei zustehen. Weil es knapp werden könnte, freut sich Drexler über die Aussicht, dass ihn sein Parteifreund Nicolas Fink als Zweitbewerber unterstützt. „Ich will dazu beitragen, dass Wolfgang Drexler wieder den Sprung in den Landtag schafft“, sagt der Bürgermeister aus Aichwald. Während Zweitkandidaten in der Regel eher im Hintergrund wirken, bringt er eine Empfehlung als Stimmenfänger mit. Zuletzt hat er seine Position im Rathaus Aichwald mit einem eindrucksvollen Ergebnis verteidigt. 97 Prozent der Wähler votierten auf dem Schurwald für ihn. Drexler freut sich auf die Zusammenarbeit. „Das ist ein interessanter Typ, der mit den Menschen umgehen kann“, sagt er. Vermutungen, dass er im Lauf der nächsten Legislaturperiode den Platz für den Bürgermeister räumen könnte, weist Drexler zurück. „Ich kandidiere für fünf Jahre“, sagt er und erklärt seine aktuellen Ambitionen mit dem Hinweis auf eine älter werdende Gesellschaft. „Da ist es völlig normal, wenn es Politiker mit 70  und mehr Jahren gibt.“

Auch Fink weist Mutmaßungen über seinen Ehrgeiz zurück, Drexler im Lauf der nächsten Legislaturperiode beerben zu wollen. Diese Frage stehe nicht auf der Tagesordnung, sagt er und gibt ein Bekenntnis zu seinem Beruf ab. „Ich fühle mich in Aichwald sehr wohl. Die Arbeit macht mir Freude“, erklärt er und fügt hinzu: „Ich habe nicht vor, mich in den nächsten Jahren zu verändern.“ Ungeachtet solcher Beteuerungen werden seine Aktivitäten aufmerksam beobachtet. Erst vor wenigen Tagen sah er sich in nicht öffentlicher Sitzung des Gemeinderats genötigt, Gerüchte über eine Kandidatur für die Oberbürgermeisterwahl in Weinstadt zu entkräften. Ob die Spekulationen damit enden werden, ist ungewiss. Fink gilt als politisches Talent, dem auch außerhalb der SPD noch einiges zugetraut wird.

Für Michael Wechsler bedeutet die jüngste Entwicklung im Wahlkreis Esslingen dagegen einen kräftigen Dämpfer. Er hatte sich ebenfalls Hoffnungen gemacht, als Zweitkandidat mit Drexler in den Wahlkampf zu ziehen. Nachdem der Ortsverein Esslingen sich auf Finks Seite geschlagen hat, muss er nun erkennen, dass ihm sogar im nächsten Umfeld der Rückhalt fehlt. Wie berichtet, hat er daraus Konsequenzen gezogen und auf eine erneute Kandidatur für das Amt des Kreisvorsitzenden der SPD verzichtet. An dessen Spitze steht seit einigen Tagen nun Michael Beck aus Lenningen. Wechsler lässt die Frage offen, ob er später einmal wieder seinen Hut in den Ring werfen wird. Bis auf Weiteres ist dieses Thema aber abgehakt. Eine Kandidatur für die nächste Bundestagswahl schließt er nach der bitteren Niederlage gegen Fink endgültig aus.

Zur Erinnerung: Bei der Bundestagswahl 2013 war Wechsler im Wahlkreis Esslingen für die SPD angetreten. Obwohl er gegenüber Markus Grübel (CDU) eindeutig das Nachsehen hatte, ist er bis heute auf ein „achtbares Ergebnis“ stolz. Beobachter hatten vermutet, Wechsler könnte 2017 einen zweiten Anlauf unternehmen.

Von solchen Ambitionen ist jetzt keine Rede mehr, zumal Wechsler ohnehin betont, sein eigentliches Interesse habe immer dem Landtag und nicht dem Bundestag gegolten. Er konzentriert sich nun auf seine Arbeit im Esslinger Gemeinderat, dem er seit 2014 angehört. Dieses Mandat, so versichert er, wolle er weiter wahrnehmen.

Bittere Niederlage: Michael Wechsler zieht sich zurück.Fotos: Bulgrin
Bittere Niederlage: Michael Wechsler zieht sich zurück.Fotos: Bulgrin
Nicolas Fink will sich als Stimmenfänger für Drexler betätigen.
Nicolas Fink will sich als Stimmenfänger für Drexler betätigen.
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