Zwischen Neckar und Alb

Firmen stellen sich auf das Schlimmste ein

Wirtschaft Die IG Metall befürchtet, dass die Krise länger anhält. Gerhard Wick hat Angst um die kleinen Betriebe.

Gerhard Wick
Gerhard Wick

Esslingen. Wie lange die Wirtschaft den Ausstand wegen der Corona-Krise durchhält ist schwierig. Gerhard Wick, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Landkreis Esslingen, beobachtet, dass etliche Betriebe sich darauf einstellen, dass die Krise länger andauern wird. „Mit was muss man rechnen, wie schnell kann das gehen, wie akut wird das auf uns zukommen.“ Momentan hätten viele der Metall- und Elektrobetriebe im Kreis Esslingen drei Wochen komplett zu, berichtet Wick. Manche Betriebe arbeiteten mit Notbesetzungen, die die dringlichsten Aufgaben erledigten, oder mit Homeoffice bei den Angestellten. Es gebe aber auch Ausnahmen, bei denen es momentan noch richtig viel Geschäft gebe.

Etliche Betriebe hätten Vorkehrungen getroffen, zum Beispiel dahingehend, dass nun im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet werde. Problematisch sei die Situation in dem Zusammenhang für Servicetechniker, die raus zum Kunden müssen. „Da fragen uns die Leute: Muss ich das machen?“, berichtet Wick. Die Antwort ist zunächst nicht zufriedenstellend: Wer nicht krank ist, hat seine arbeitsvertraglichen Pflichten zu erfüllen. Allerdings habe der Arbeitgeber auch eine Fürsorgepflicht, das heißt er muss alles tun, um seine Mitarbeiter vor Gefahren und Risiken zu schützen. Sorge bereiteten Gerhard Wick vor allem kleinere Betriebe wie Kfz-Werkstätten oder Metall- und Elektrobetriebe. „Die konnten in den letzten Jahren keine großen Rücklagen bilden. Da wird es einige geben, für die der momentane Ausfall schnell zum Problem werden kann.“ Bei den größeren Betrieben sehe es etwas besser aus: „Die stehen aus meiner Sicht besser da als vor der Finanzkrise 2009. Es wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen.“ Freilich hänge alles davon ab, wie lange die Krise andauere. Ein großes Problem sieht der Erste Bevollmächtigte in der Situation in Italien und Spanien, wo viele Betriebe stillgelegt worden seien. Vor allem nach Norditalien habe die hiesige Industrie sehr enge Verbindungen: „Da sind momentan die Lieferketten gestört.“ Während für tariflich Beschäftigte in Baden-Württemberg die Aufstockungszahlungen auf das Kurzarbeitergeld durch den Arbeitgeber relativ komfortabel geregelt seien, könne es für Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Betrieben eng werden, sagt Wick. Bei Kurzarbeit null bekämen sie 40 Prozent oder 33 Prozent weniger Geld. Henrik Sauer


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