Zwischen Neckar und Alb

Flüchtlinge distanzieren sich von Übergriffen

40 Asylbewerber beschenken am Wendlinger Bahnhof Reisende und zeigen ihre Betroffenheit

Flüchtlinge aus Syrien drücken den Schülerinnen Sina und Amelie am Wendlinger Bahnhof Blumen in die Hand. „Das ist aber schön“, finden die zwei und bedanken sich. Mit Plakaten und Rosen setzten 40 Flüchtlinge, die in der Stadt Leben, ein Zeichen gegen die sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln.

Mit gelben Rosen heißen die Flüchtlinge eine junge Frau am Bahnhof willkommen. Foto: Roberto Bulgrin
Mit gelben Rosen heißen die Flüchtlinge eine junge Frau am Bahnhof willkommen. Foto: Roberto Bulgrin

Wendlingen. „Wir verabscheuen das zutiefst, was die Männer in Köln den Frauen angetan haben“, sagt der Syrer Lawand Abdallah, der seit sechs Monaten in Wendlingen lebt. Der Asylantrag des 26-Jährigen wurde positiv beschieden. Nun hilft er anderen Flüchtlingen, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden.

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Um den Wendlingern zu zeigen, „dass wir ganz anders sind“, kauften Abdallah und die Asylbewerber von ihrem Ersparten 140 Rosen, die sie am Bahnhof an Reisende verteilten. Manche nahmen sich Zeit für ein kurzes Gespräch. „Ich finde diese Aktion gut“, sagt Victoria Dörfler. Sie sei ein positiv denkender Mensch und habe keine Angst, sich nachts auf der Straße frei zu bewegen. Daran hätten die Übergriffe nichts geändert.

„Wir leben hier bei euch, deshalb passen wir uns euren Gebräuchen an“, sagte Abdallah mit Blick auf die Lebensgewohnheiten der Frauen. Für Abdallah, der in Syrien Jura studiert hat, ist es „eine Selbstverständlichkeit, dass wir Frauen respektieren“. Auch in seinem Heimatland trügen die meisten jungen Frauen Kopftücher nur in der Moschee. „Da sind unsere Gewohnheiten gar nicht so verschieden.“

Der Wendlinger Dieter Heilemann vom Arbeitskreis Asyl hielt am Sonntag in der Unterboihinger Turnhalle eine Ansprache „von Mann zu Mann“, wie man sich Frauen gegenüber verhält.