Zwischen Neckar und Alb

Flüchtlingen gerecht helfen

Fachtagung des Kreisdiakonieverbands – Wie Sachspenden richtig verteilt werden

„Wie lässt sich die Verteilung von Sachspenden im Landkreis sozial gerecht und effizent ­organisieren?“ Mit dieser Frage setzte sich eine Fachtagung des Kreisdiakonieverbands im Nürtinger Diakonieladen auseinander. Der Verband will ­Ehrenamtliche dabei unter­stützen, dass beim Verteilen von Waren niemand zu kurz kommt und gleichzeitig ­Missbrauch verhindert wird.

Mitarbeiterinnen räumen Kleidung im Nürtinger Diakonieladen ein. Foto: Jürgen Holzwarth
Mitarbeiterinnen räumen Kleidung im Nürtinger Diakonieladen ein. Foto: Jürgen Holzwarth

Nürtingen. Ein Großteil der Hilfe in der Flüchtlingskrise wird von Ehrenamtlichen geleistet. Vielerorts haben sich Asyl-Arbeitskreise gegründet, die zusammen mit den Kommunen Flüchtlinge unterstützen. Dazu gehört eine Erstausstattung. Neben Artikeln für den täglichen Bedarf ist das Kleidung und manchmal brauchen die Angekommenen auch Möbel.

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Wie eine solche Verteilung sozial gerecht koordiniert werden kann, darum ging es bei zwei Fachtagungen des Kreisdiakonieverbands. Eine fand in Esslingen statt, eine weitere im Nürtinger Diakonieladen.

Das Interesse der Ehrenamtlichen war groß: 35 Teilnehmer aus Nürtingen, Kirchheim und Umgebung hatten sich angemeldet. In Esslingen waren es ebenso viele. Neben Helfern der Flüchtlings-Arbeitskreise waren aber auch einige Vertreter von Gemeindeverwaltungen gekommen.

Den Teilnehmern standen Vertreter des Diakonieverbands ebenso Rede und Antwort wie Saime Ekin-Atik, die Koordinatorin für das Ehrenamt im Landkreis Esslingen. Julie Hoffmann von der Arbeiterwohlfahrt und Veronika Schlechter vom Kreisdiakonieverband standen ebenfalls als Gesprächspartner zur Verfügung. Monika Geiger beleuchtete die Situation aus Sicht der Jobcenter im Landkreis.

In der Fachkonferenz sei deutlich geworden, wie wichtig Koordination und Vernetzung der Kleiderkammern seien, sagt Reinhard Eberst in einem Gespräch im Anschluss an die Tagung. Man müsse darauf achten, dass es auch beim Verteilen von Sachspenden gerecht zugehe und niemand das Hilfsangebot missbrauchen könne. Es sei vor allem wichtig, dass Menschen mit wenig Geld nicht gegenüber den Flüchtlingen benachteiligt werden, denn die Erstausstattung ist gratis. Es gebe allerdings keine einheitliche Regelung, wie dies gehandhabt wird. Im Nürtinger Diakonieladen wird mit Wertgutscheinen gearbeitet. Hier können sich Flüchtlinge für einen festgelegten Betrag Dinge aussuchen, erläutert Tanja Herbrik, Fachbereichsleiterin der Diakonieläden in Kreis. Ist der Gutschein aufgebraucht, könne man weitere Artikel dazukaufen. Andere Kleiderkammern führten Listen, auf denen sie erfassen, welcher Flüchtling etwas erhalten hat. So soll vermieden werden, dass einige viel und andere womöglich gar nichts bekommen.

Die Ausgangssituation für Flüchtlinge und Hartz-IV-Empfängern sei ähnlich. Beide Gruppen bekämen nur das allernötigste an Geldmitteln. So stehe einem Flüchtling ein monatlicher Geldbetrag von 329 Euro zu. Lebt er in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Verpflegung, würde das Essensgeld von diesem Betrag abgezogen. So blieben ihm etwa 183 Euro pro Monat, sagt Eberhard Haußmann, Vorsitzender des Kreisdiakonieverbands. Diese Summe müsste für alle anderen Dinge des Alltags reichen wie Kleidung oder Fahrkarten.

Der Verband sei derzeit dabei, Leitlinien zu erarbeiten, wie eine Kleiderkammer betrieben werden kann. Außerdem werde thematisiert, in welcher Rechtsform eine Kleiderkammer agiere. Sinnvoll sei es, sich einer größeren Einheit anzugliedern wie einer Kommune oder Kirchengemeinde. Möglich wäre es auch, einen Verein zu gründen, denn eine Kleiderkammer, die regelmäßig, wenn auch zu geringen Preisen, Kleidung verkauft, müsse ansonsten als Gewerbe angemeldet werden.

Zurzeit stellen sich, nach Haußmanns Schätzung, rund 30 Kleiderkammern im Kreis ganz realen Problemen: Wie lässt sich Winterkleidung gerecht an alle verteilen. Hier seien eine gute Vernetzung und kurze Wege unter den Ehrenamtlichen unabdingbar. Gerade den Flüchtlingen mangele es oft an geeigneter Kleidung für die kalte Jahreszeit. Gleichzeitig müsse man aber auch dafür sorgen dass jeder die Möglichkeit hat, Winterkleidung zu bekommen.

Bei einer Sache herrscht überall Knappheit: „Uns fehlt Männerunterwäsche“, sagt Herbrik. Sie ist absolute Mangelware, denn getragene Unterwäsche wird nicht weiterverkauft, und neue komme in der Regel nicht als Sachspende in die Kleiderkammern.