Zwischen Neckar und Alb

Frauen sind häufiger, aber auch kürzer krank als Männer

Gesundheit Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport beschreibt auffallende Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Baden-Württemberg. Von Ulrike Rapp-Hirrlinger

Berufstätige Frauen sind häufiger krankgeschrieben als Männer. Zugleich kehren sie schneller an ihren Arbeitsplatz zurück. Dies ist das Ergebnis des DAK-Gesundheitsreports, den die Krankenkasse im Klinikum Esslingen vorstellte.

Die Zahl der Krankmeldungen ist gestiegen. Von 1 000 erwerbstätigen Mitgliedern der Kasse waren 2015 bundesweit täglich 4,1 Prozent und im Land 3,5 Prozent krankgeschrieben, während es 2014 noch 3,9 beziehungsweise 3,3 Prozent waren. Der Kreis hebt sich mit 3,3 (Vorjahr 2,9) Prozent ab. Er nimmt den achten Platz von 31 untersuchten Landkreisen ein. Die meisten Fehltage hier wurden von Erkrankungen des Atmungssystems, des Muskel-Skelett-Systems und von psychischen Erkrankungen verursacht. Stark zugenommen haben auch Fehlzeiten durch Tumore.

„Der Krankenstand von Frauen ist landesweit um neun Prozent höher als von Männern, im Kreis allerdings nur um vier Prozent“, erläuterte DAK-Pressesprecher Joachim Grün. Medizinisch lasse sich dies nicht erklären, sagte Professor Matthias Leschke, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie. Dies gelte auch für die Unterschiede zwischen Landkreis und Land. Erklärungen hat er lediglich für einzelne Krankheiten. „Männer leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, weiß Leschke aus der Praxis. Anders bei psychischen Krankheiten. Aus diesem Anlass fehlen Frauen häufiger. „Männer sind nicht so schnell bereit, sich da einer Therapie zu unterziehen“, erklärt Leschke.

Gravierende Unterschiede zeigt die Untersuchung auch bei bösartigen Tumoren. Da verzeichnet die Statistik eine um 119 Prozent höhere Zahl von Fehltagen bei Frauen. „Entweder erkranken mehr Frauen an Krebs, oder die Fälle sind schwerwiegender“, versucht Leschke eine Interpretation. Zwar träten bei Männern bösartige Tumore eher später im Leben auf als bei Frauen, doch das gleiche sich irgendwann aus. Seine Erfahrung: „Frauen entziehen sich wegen der Doppelbelastung von Beruf und Familie häufiger einer stationären Behandlung.“ Allerdings gehen Frauen auch öfter zum Arzt als Männer.

Insgesamt ist der Mediziner überzeugt: „Ich glaube nicht, dass Frauen sich häufiger krankschreiben lassen.“ Die Arbeitsmoral im Land sei überdurchschnittlich hoch. Viele gehen auch dann zur Arbeit, wenn sie sich krank fühlen. „Präsentismus“ nennen dies Experten. Auch hier haben die Frauen mit 64 Prozent zu 56 Prozent die Nase vorn. Hauptgründe seien, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen oder ihre Arbeit fertig bekommen wollten, erläutert Grün. Frauen melden sich häufig selbst krank, wenn ihr Kind krank ist. Grün weist darauf hin, dass jedes Elternteil an zehn Tagen im Jahr pro Kind Anspruch auf das sogenannte „Krankengeld Kind“ hätte.

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