Zwischen Neckar und Alb

Fünfter Kreißsaal sorgt für Entlastung

Geburten Am Klinikum Esslingen werden immer mehr Babys geboren. Engpässe, die es in der Vergangenheit gegeben hat, sollen nun behoben sein. Von Petra Weber-Obrock

Neugeborenes. Symbolbild
Neugeborenes. Symbolbild

Knapp 2 000 Babys sind 2019 im Klinikum Esslingen zur Welt gekommen - Tendenz steigend. Damit es künftig keine Engpässe mehr gibt, ist an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe nun ein fünfter Kreißsaal eröffnet worden. Er verbessert die Kapazitäten der Geburtenstation deutlich. Interessierte können ihn am Samstag, 18. Januar, anschauen. Bei einem Tag der offenen Tür informiert das Klinikum zu seinen Angeboten rund um Geburt und Babypflege.

Der Ausbau und die Ausstattung des neuen Kreißsaals haben 1,2 Millionen Euro gekostet, die teilweise durch eine Förderung des Landes abgedeckt werden. In beruhigenden Farben und mit einem besonderen Lichtkonzept ausgestattet, sollen werdende Eltern dort der Entbindung gelassen entgegensehen. „Heute wird verstärkt Sicherheit eingefordert“, erläutert Professor Thorsten Kühn, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Eine Entbindung sei eine existenzielle Erfahrung, bei der sich junge Eltern bestens aufgehoben fühlen wollen. „Anders als früher sind Hausgeburten kein Thema mehr“, so Kühn. Stattdessen werden die großen Kliniken weiter ausgebaut. Das Esslinger Klinikum leistet Geburtshilfe im Sinne eines Mutter-Kind-Zentrums.

Dabei arbeitet die Entbindungsstation eng mit dem Neonatologischen Schwerpunkt des Levels 1 der Kinderklinik zusammen. Wenn es zu Komplikationen kommt, steht ein Team aus Spezialisten und Pflegekräften bereit, das sich um den neuen Erdenbürger kümmert. Die Intensivstation für Neugeborene ist auf Frühgeburten mit sehr geringem Geburtsgewicht eingestellt. 250 Gramm sind keine Seltenheit. „Auch wir freuen uns über den neuen Kreißsaal“, sagt Professor Christian von Schnakenburg, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche. Ihm kommt eine Ausweitung der Räumlichkeiten entgegen. „So können wir bewusst Risikogeburten annehmen.“ Denn am besten sei es, wenn nicht das Kind, sondern die werdende Mutter transportiert werde.

Für Schwangere, die vor der Geburt etwa wegen vorzeitiger Wehen länger im Krankenhaus bleiben müssten, gäbe es die Möglichkeit, die behandelnden Kinderärzte im Vorfeld kennenzulernen. „Das nimmt die Angst“, sagt Chris­tian von Schnakenburg. Monika Hanke, die leitende Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, betont die gute Zusammenarbeit zwischen dem Team der Geburtshilfe und den Spezialisten der Kinderklinik.

Auch die Hebammen freuen sich über den Zuwachs an Platz. „Wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Kreißsaal“, sagt Hebamme Daniela Hotz. Besonders schätzt sie das neue Kardiotokografie-Gerät (CTG), das auf der Basis von Telemetrie funktioniert. Es benötigt keine langen Kabel mehr, sondern wird mit einem Sensor auf dem Bauch der Schwangeren befestigt.

Unter dem allgegenwärtigen Pflegenotstand leidet jedoch auch die Esslinger Geburtshilfe. Händeringend werden Pflegekräfte auf allen Stationen gesucht. „Wie in allen Level-1-Häusern haben wir zu wenig Hebammen“, sagt Monika Hanke. „Die meisten in unserem Beruf bleiben im Durchschnitt nur vier Jahre dabei“, weiß Daniela Hotz. Um Abhilfe zu schaffen, wird das Esslinger Klinikum weiter Fachkräfte in Italien rekrutieren. „Dort gibt es keinen Mangel, im Gegenteil“, sagt Hanke.

Der Tag der offenen Tür im Klinikum Esslingen findet am Samstag, 18. Januar, von 10 bis 16 Uhr in Haus 4 auf Ebene 2 statt. Angeboten wird eine Kreißsaalbesichtigung, aber auch Babybauchfotografie und Kinderschminken sowie Vorträge rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt. Kinder- und Frauenärzte, Hebammen und die Esslinger Elternschule sind mit Infoständen vertreten.

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