Zwischen Neckar und Alb

Funkenregen und andere „Spielzeuge“

Flammenkünstler Als „Draken von Stabfeuer“ braucht Frank Nedoma perfekte Körperbeherrschung und Gespür für das Feuer. Schon seit der Kindheit ist er von diesem Kunstwerk beeindruckt. Von Karin Ait Atmane

Frank Nedoma lässt in seinen Shows die Funken sprühen und steht dabei im Funkenregen.Foto: oh
Frank Nedoma lässt in seinen Shows die Funken sprühen und steht dabei im Funkenregen.Foto: oh

Er spielt mit dem Feuer: Das ist im Fall von Frank Nedoma nicht nur ein bildhafter Ausdruck. Flammen, Funken und Glut sind das Element des 41-Jährigen, der seit einigen Monaten in Wernau wohnt: Mit ihnen macht „Draken von Stabfeuer“, so sein Künstlername, eine buchstäblich heiße Show.

An seinem vorigen Wohnort im „Kunsthaus 12. Planet“ in Münsingen schrieben die Mitbewohner einmal auf Facebook über „Draken“, dass er „einfach nicht normal duschen“ könne. Diese Aussage war neben vier Fotos zu lesen, auf denen Nedoma ,in einem gewaltigen Funkenregen steht. Auf anderen Bildern scheint er von einem Feuerball umgeben zu sein. „Das sieht nicht nur so aus, das fühlt sich auch so an“, sagt der Feuerkünstler, der dafür ein „Spielzeug“ verwendete, aus dem brennbares Pulver stiebt. Dabei werde große Hitze frei - „ein Hammergefühl, wenn diese massive Flamme sich ausbreitet, und man die Wärme auf der Haut spürt“.

Als kleiner Junge hat er diese Faszination bei einem Feuerkünstler in Paris gespürt. Auf einem Mittelaltermarkt kurz vor der Jahrtausendwende versuchte er sich erstmals selbst mit einem feurigen „Spielzeug“, wie die Feuerkünstler ihre Gerätschaften nennen. Zwei Wochen später war er Teil der Gruppe „Nordlichter“, die als Wikinger mit Feuerspielen auftrat. Dass er keine Vorerfahrung mit dem Feuer hatte, nahmen ihm damals viele nicht ab, zu schnell kam er weiter, zu sicher ging er damit um. Das führt Nedoma auf die vielen Jahre zurück, in denen er Kampfsport getrieben hat. „Das war meine Vorbereitung.“ Das spiegle sich auch in seinem Stil wider. Obwohl seine Auftritte für ihr „rasantes, großes Feuer“ bekannt sind, sind ihm Akrobatik und Körperbeherrschung ebenso wichtig. Im Internet sieht man „Draken“ und seine Partner unter anderem einhändig Rad schlagen, während in der anderen Hand der Feuerstab rotiert. Zu einer zeitgemäßen Show gehöre zudem passende Musik und ein Wechsel zwischen langsamen und schnellen Passagen, findet er.

Seine Geräte hat Frank Nedoma allesamt selbst entwickelt und hergestellt. In seiner eigenen Werkstatt schweißt, lötet und tüftelt er und greift dabei manchmal „tief in die Trickkiste“. Das ist für ihn auch eine Frage der Sicherheit: gutes Material, solide verarbeitet und bestens vertraut. Wichtigster Sicherheitsaspekt sei aber, „das Feuer zu erkennen“ und es einschätzen zu können - wie auch den eigenen Körper, der nicht an jedem Tag zum Gleichen fähig ist.

Mit all diesen Vorkehrungen tut Nedoma Dinge, die anderen zu brenzlig wären. Er tritt beispielsweise grundsätzlich mit nacktem Oberkörper auf. Auch, wenn er mit glühender Kohle gefüllte Siebe rotieren lässt und damit einen Glutregen hervorruft. Das mache halt manchmal „Feuersprossen“ auf der Haut, sagt er: „Wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich auch.“ Die anstrengendste Show, die er je hatte, sei die vor deutschen Regierungsgrößen und dem norwegischen König Harald gewesen: „Da mussten wir zuerst durch zig Sicherheitsschleusen“.

Zu den großen Momenten zählte die Teilnahme an einem großen Spektakel im Galaxy-Stadion in Frankfurt vor 40 000 Zuschauern. Nicht minder schätzt er die kleinen Auftritte auf Mittelaltermärkten oder Privatfesten, ob solo oder im Team zu zweit oder zu dritt. Mit den Gruppen Fire & Drums und Stafffire wie mit dem großen Ensemble Tanguda kommen ganz unterschiedliche, immer neue Varianten, zustande. Eine feste Choreografie gebe es nicht, sagt Nedoma, der je nach Tagesform das Optimum herauszuholen versucht.

An die Grenzen ist er schon als Kind gerne gegangen, erzählt er . Zwar gab es damals die Sportart „Parkour“, bei der man mit Körperkraft und Technik Hindernisse überwindet, noch nicht. Aber Frank Nedoma hat so etwas Ähnliches praktiziert, ist auf Dächer gestiegen und heruntergesprungen, über Mauern gelaufen. Eingebracht hat ihm das damals meistens Kopfschütteln. Die Feuershow biete ihm die Möglichkeit, das, was in ihm steckt, auszuloten - „und dafür sogar noch akzeptiert zu werden“, sagt er. Auch ohne Stuntman zu werden, was zeitweise sein Traumberuf war. Stattdessen hat Nedoma ein Handwerk erlernt. Ideal wäre aus seiner Sicht, den „Brotberuf“ und den „Feuermeister“ jeweils zu etwa 50 Prozent auszuüben. Schließlich ist es immer gut, zwei Eisen im Feuer zu haben.

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