Zwischen Neckar und Alb

Gegen den Trend statt gegen die Wand

Jahresbilanz Die drei Kreiskliniken schreiben zum dritten Mal in Folge schwarze Zahlen. Überschuss von 9,6 Millionen Euro fließt in neue Investitionen. Von Bernd Köble

Das Kirchheimer Krankenhaus von oben: mit 435 Betten inzwischen das größte im Kreis Esslingen. Foto: Werner Feirer
Das Kirchheimer Krankenhaus von oben: mit 435 Betten inzwischen das größte im Kreis Esslingen. Foto: Werner Feirer

Der Ort war nicht zufällig gewählt. Im Paracelsus-Krankenhaus in Ruit stellten Landrat und Klinikleitung gestern die neuesten Wirtschaftsdaten des Klinikverbunds im Kreis Esslingen vor. Dort, wo spätestens 2018 im großen Stil abgerissen, umgebaut und modernisiert werden soll (siehe Infoteil). Dass dies möglich ist, nachdem der Kreis erst vor wenigen Wochen die neuen Räume der Kirchheimer Psychiatrie in Betrieb genommen hat, liegt neben kräftigen Finanzspritzen vom Land auch an den Zahlen, die gestern auf den Tisch kamen: 9,6 Millionen Euro haben die drei Häuser in Kirchheim, Nürtingen und Ruit 2016 erwirtschaftet. Vier Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Damit schreiben die Kreiskliniken seit Beginn der Strukturreform 2012 zum dritten Mal in Folge schwarze Zahlen.

Hohe medizinische Qualität und wirtschaftliche Stabilität ließen sich verbinden, lautet der Schluss, den Landrat Heinz Eininger aus dieser Entwicklung zieht. Was dem Kreischef besonders wichtig ist: „Die Zahlen zeigen, dass man in kommunaler Trägerschaft wirtschaftlich arbeiten kann.“ Das gilt nicht überall: Von den kommunalen Kliniken im Land macht nicht einmal eine Handvoll Gewinn, wie Sozialminister Manfred Lucha im Januar einräumen musste. Insgesamt schreibt jede zweite Klinik rote Zahlen. Damit steht Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich mit Abstand am schlechtesten da.

Die vor fünf Jahren begonnene Flurbereinigung in der Kliniklandschaft ist der Grund, warum der Kreis Esslingen diesem Trend seitdem erfolgreich trotzt. Das macht sich auch bei den Patientenzahlen bemerkbar. 2013 haben die drei Häuser im Verbund zum ersten Mal die 40 000-Marke überschritten. Seitdem ist diese Zahl konstant gewachsen. Im vergangenen Jahr waren es bereits 44 380 Menschen, die hier stationär untergebracht waren. Gleichzeitig wurde das Klinikpersonal um 36 Vollzeitkräfte aufgestockt. Für Geschäftsführer Thomas Kräh ein klarer Vertrauensbeweis in die Qualität der medizinischen Versorgung, in die kräftig investiert wird: Knapp drei Millionen Euro kostete im vergangenen Jahr die Anschaffung neuer Endoskope und Ultraschallgeräte. Vor wenigen Wochen wurde in Ruit ein neuer Kernspintomograf in Betrieb genommen, und Kirchheim soll in Bälde mit einem neuen Herzkatheter-Messplatz ausgestattet werden.

Die Belegschaft ist weiblich

Weil dies alles ohne qualifiziertes und motiviertes Personal nicht funktioniert, haben sich die Kliniken verpflichtet, ein Dreijahresprogramm für flexiblere Arbeitszeiten und Kinderbetreuung aufzulegen, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Elvira Benz berichtet. Dafür dürfen sich die medius-Kliniken nun mit einem Zertifikat der Hertie-Stiftung schmücken. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird auch deshalb immer wichtiger, weil Frauen in Medizinberufen auf dem Vormarsch sind: 65 Prozent aller in Deutschland zum Medizinstudium Zugelassenen sind inzwischen weiblich. Der Frauenanteil unter den 2 809 Beschäftigten aus 40 Nationen an den Kreiskliniken liegt bei 80 Prozent.

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