Zwischen Neckar und Alb

Geistig verwirrter Täter stellte sich

Der 27-jährige Mann, der am Dienstag ein Mädchen auf der Toilette der Max-Planck-Gymnasiums fesselte, ist in Haft

Aufatmen in der Stadt: der Mann, der am Dienstag gegen 12.20 Uhr eine 15-Jährige in der Toilette des Max-Planck-Gymnasiumsin Nürtingen gefesselt hatte, stellte sich noch am selben Abend der Polizei. Der offenbar psychisch angeschlagene 27-Jährige wusste kein Motiv für seine Tat zu nennen.

Am Nürtinger Max-Planck-Gymnasium war gestern kein normaler Schultag.Foto: www.7aktuell.de/Daniel Jueptner
Am Nürtinger Max-Planck-Gymnasium war gestern kein normaler Schultag.Foto: www.7aktuell.de/Daniel Jueptner

Nürtingen. Noch am Dienstagabend, kurz vor 20 Uhr, meldete sich der Mann in Stuttgart bei der Polizei und gab an, der Gesuchte zu sein. Beamte des Reutlinger Polizeipräsidiums holten den Betrunkenen ab. Sie klärten zunächst, ob er wirklich der Täter, oder nur jemand ist, der sich nur wichtig machen will. Da sich seine Aussagen mit denen des Mädchens decken, geht die Polizei davon aus, den Richtigen erwischt zu haben, so die Auskunft von Polizeipressesprecher Josef Hönes.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen ging das Mädchen während des Unterrichts gegen 12.20 Uhr auf die Toilette und wurde nach dem Verlassen der Kabine von dem Mann abgepasst und festgehalten. Als sie zu schreien begann, umwickelte der er ihren Kopf mehrfach mit Gewebe-Klebeband (Panzertape), das er mitgebracht hatte und fesselte sie an Händen und Füßen. Dann schleppte er das Mädchen in eine andere Kabine, in der eine große Tasche lag, die er mitgebracht hatte. Er versuchte, die Gefesselte in die Tasche zu legen. Als ihm das misslang, weil die Tasche zu klein war, ergriff der Mann die Flucht. Das Mädchen wurde kurz darauf von Mitschülerinnen gefunden.

„Schon der Ablauf der Tat zeigt, dass der Täter psychisch angeschlagen ist“, so Polizeisprecher Hönes. Der 27-jährige Nürtinger konnte kein schlüssiges Motiv für die Tat nennen, auch nicht, was er mit dem Mädchen vorhatte. Auf der Flucht warf der Mann Klebeband, Tasche und Basecap weg. Die Basecap wurde inzwischen in der Nähe des Nürtinger Kraftwerkes gefunden.

Wegen des Verdachts auf versuchten Menschenraub wurde der Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen. In diesem Zusammenhang sucht die Polizei nach einer Zeugin, die einen in schwarz gekleideten Mann beobachtete, der auf der Stadtbrücke eine große Tasche wegwerfen wollte. Als sie ihn ansprach, habe er verdutzt geschaut und sei ohne Antwort weitergelaufen.

Unterdessen bemühen sich Polizei, Schulsozialarbeit und Lehrer darum, den Schülern bei der Bewältigung des Ereignisses zu helfen. Es ist zu hören, dass der Unterricht gestern normal stattgefunden habe. In den ersten beiden Stunden hatten Schüler und Lehrer Gelegenheit, über die Ereignisse zu sprechen. In der ersten großen Pause durften die Schüler nicht auf den Pausenhof, unter anderem, weil dort angeblich Sensationsreporter lauerten, die gegen Geld Informationen wollten. Den Schülern sei jedoch untersagt worden, mit der Presse zu sprechen. Die Schulleitung hielt zwar die Elternvertreter auf dem Laufenden, war aber für die Presse nicht zu sprechen und verwies auf die Pressestelle des Stuttgarter Regierungspräsidiums.

Pressesprecher Robert Hamm berichtet, dass es am Regierungspräsidium für solche Fälle ein Kriseninterventionsteam gebe, das die Schulleitung telefonisch beraten habe, auch zum Thema Umgang mit den Medien. Schließlich wolle man unter allen Umständen vermeiden, dass das Mädchen in der Presse auftauche.

Um den anderen Schülern die Angst zu nehmen, so Hamm, raten die Schulpsychologen dazu, ihnen die Gelegenheit zu geben, über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen. Es sei oft ausreichend, wenn sich durch eine solche Tat nichts an gewohnten Abläufen und Bezugspersonen ändere. Um Gerüchten vorzubeugen, sei Transparenz wichtig. Die Fakten sollten genannt werden, aber auch das, was (noch) nicht bekannt ist.

Der Amoklauf in Winnenden habe an den Schulen das Thema Sicherheit ins Bewusstsein gerückt und einen Prozess angestoßen. Wie die einzelnen Schule damit umgeht, ob sie die Türen verriegelt oder offen bleibt, sei ihr selbst überlassen. Eine Empfehlung des Regierungspräsidiums gebe es nicht. Auch von der Pressestelle der Stadt ist zu hören, dass es keine Anweisung gibt, künftig die Schulpforten zu verschließen.

Die Polizei sucht die Zeugin, die den Verdächtigen noch auf der Stadtbrücke ansprach. Sie wird gebeten, sich beim Nürtinger Revier unter der Telefonnummer 0 70 22/92 24-0 zu melden.

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