Zwischen Neckar und Alb

Gekonnter Tanz auf dem Weltmarkt

Wirtschaft Künstliche Hüftgelenke mit Keramikköpfen sind das Markenzeichen der Plochinger Firma „CeramTec“. Auf diesem Sektor ist sie Weltmarktführer. Das Unternehmen bildet den Nachwuchs selbst aus. Von Marion Brucker

Hadi Saleh ist Herr über 700 Patente rund um hochwertige Keramik. Foto: Marion Brucker
Hadi Saleh ist Herr über 700 Patente rund um hochwertige Keramik. Foto: Marion Brucker

Hadi Saleh nimmt ein kleines weißes Teil aus einer Schachtel: Eine keramische Mahlscheibe, die im Mahlwerk von Kaffeemaschinen verarbeitet wird, daneben liegt eine Piezokeramikscheibe, die in Abstandssensoren in der Fahrzeugtechnik eingebaut wird. Dahinter steht ein künstliches Hüftgelenk mit Keramikkopf. Saleh streicht über das pinkfarbene Kugelgelenk und setzt die Keramikpfanne darauf. Bei diesem Produkt ist die Firma „CeramTec“ aus Plochingen Weltmarktführer. Weltweit stammen rund 90 Prozent der Hüftgelenke mit Keramikkopf von „CeramTec“. Seit mindestens zehn Jahren sind die Plochinger mit diesem Medizintechnikprodukt führend. „Wir haben uns durch hohe Liefertreue und ein hochqualitatives Produkt als zuverlässiger Partner der Medizintechnik in den vergangenen 40 Jahren schrittweise viel Vertrauen aufgebaut“, sagt Hadi Saleh. Er ist seit 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung und hat als Arzt im St. Josefs-Hospital in Wiesbaden selbst schon Hüftgelenke implantiert. Der Keramikkopf habe so gut wie keinen Verschleiß. Das liege an dem Hochleistungsmaterial, das sowohl in der Kugel als auch in den anderen rund 10 000 Produkten des Plochinger Herstellers eingebaut wird.


Wie die Firma entstand

„CeramTec“ hat sich in den vergangenen knapp 120 Jahren aus zwei Zweigen entwickelt: den 1903 von Fritz Thomas in Marktredwitz gegründeten Thomaswerken, die Porzellan beispielsweise für Teller herstellten, und der 1951 von Emil Klingler in Plochingen gegründeten Südplastik und Keramik Gesellschaft (SPK).

Emil Klingler, ehemals Mitarbeiter bei Bosch, beschäftigte sich mit technischer Keramik. 1954 erwarb die Feldmühle AG sein Unternehmen, 1991 verselbstständigte sie ihre Keramik-Aktivitäten in der Cerasiv GmbH, die ein Jahr später an die Metallgesellschaft AG, Frankfurt veräußert wurde.

Der fränkische Zweig indes wurde 1908 von der Philipp Rosenthal & Co. AG übernommen. Diese kooperierte ab 1921 mit der AEG im Bereich technische Porzellane und gründete die „STEMAG AG“. Aus ihr ging 1971 die Rosenthal Technik AG hervor, die technische Keramik herstellt und 1985 von der Hoechst AG übernommen wurde.

1996 schließlich schlägt die Geburtsstunde von „CeramTec“ mit der Übernahme der „Hoechst CeramTec AG“ durch die Cerasiv GmbH. Seit März 2018 ist sie im Besitz eines von BC Partners geführten Konsortiums von Fonds, an dem auch PSP Investments und der Ontario Teachers’ Pension Plan beteiligt sind. mb

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