Zwischen Neckar und Alb

Gelassenheit trotz globaler Krisen

Neujahrsempfang IHK-Präsident Heinrich Baumann lobt den Optimismus der Wirtschaft im Landkreis Esslingen und kritisiert die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur. Von Christian Dörmann

Brexit, ein Richtungswechsel in der amerikanischen Handelspolitik mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump, die Entwicklung in der Türkei und andere Krisen - sind das günstige Rahmenbedingungen für Optimismus? Wohl kaum. Gleichwohl mag Heinrich Baumann, Präsident der IHK Esslingen-Nürtingen, nicht in den Chor derjenigen einstimmen, die den Teufel an die Wand malen, anstatt sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Die Wirtschaft im Landkreis Esslingen geht ganz überwiegend mit Optimismus in dieses Jahr, wie Baumann beim IHK-Neujahrsempfang im Esslinger Neckar Forum vor vielen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kirchen und aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens betonte.

Die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage werden noch ausgewertet, doch trotz der vielen globalen Veränderungen, die zumeist nichts Gutes verheißen, lassen sich Industrie, Handel und Dienstleister nicht ins Stimmungstal ziehen. Immerhin ist das wirtschaftliche Umfeld schon seit 2008 nicht besser geworden. Und so musste die hiesige, stark exportorientierte Wirtschaft lernen, „dass Mehrjahrespläne eigentlich keine Bedeutung mehr hatten“, wie Baumann erklärte. „Es galt, auf Sicht zu steuern. Das war eine große Anpassung, die von den Unternehmen aber gut bewältigt worden ist.“

Trotzdem dürfe man nicht naiv sein, denn die gute wirtschaftliche Entwicklung sei kein Selbstläufer, mahnte der Präsident. Weiterhin aufmerksam die Welt beobachten, Chancen suchen und ergreifen: Das traut Baumann den hiesigen Unternehmen mit ihren guten Produkten und bestens qualifizierten Mitarbeitern zu. Der IHK-Präsident: „Ich bin daher fest überzeugt, dass ein gesunder Optimismus weiterhin notwendig und auch angebracht ist und rate daher zu einer gewissen Gelassenheit.“

Nicht ganz so gelassen reagiert die Industrie- und Handelskammer, wenn es um gewisse Reizthemen geht. Um die Breitbandversorgung zum Beispiel, dessen flächendeckender Ausbau in der wirtschaftsstarken Region weiter auf sich warten lässt. Für Baumann ein ernsthafter Wettbewerbsnachteil. „Höchste Zeit, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und den nötigen Ausbau rasch angehen“, fordert Heinrich Baumann. Und er hat den Eindruck, als ob sich bei diesem Thema tatsächlich etwas tut: durch Fördermittel von Bund und Land und auch in der Person von Landrat Heinz Eininger, der dem Breitbandausbau eine hohe Priorität einräume.

Wenig Bewegung erkennt der IHK-Präsident hingegen dort, wo es auf Bewegung ankommt. Es geht um die Verkehrsinfrastruktur, die aus Sicht der Wirtschaft seit vielen Jahren ein Dauerbrenner ist, weil die Realisierung wichtiger Verkehrsprojekte auf sich warten lässt. In Esslingen hingegen wird es mit den anstehenden Brückenneubauten und Sanierungen immer konkreter, was die Kammer ebenfalls umtreibt. „Als IHK ist es uns natürlich ein Anliegen, den totalen Verkehrskollaps zu verhindern. Das ist leichter gesagt als getan, denn hier muss jeder seinen Beitrag leisten. Da schließe ich uns Unternehmen mit ein“, so Baumann. Deshalb gelte es, noch viel zu planen und abzustimmen.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel setzt die Kammer weiterhin auf die duale Ausbildung. Dafür werde man werben und die Unternehmen dabei unterstützen, ihren Fachkräftebedarf zu decken, versprach der IHK-Präsident. Aber auch im Bereich der Digitalisierung will die Kammer ihren Mitgliedsunternehmen einen noch besseren und schnelleren Service anbieten.

Wo sich Wirtschaft gedeihlich entwickeln soll, muss das Umfeld auch dann funktionieren, wenn es um Grundwerte wie Recht, Moral oder auch Religion geht. Welche Zusammenhänge es da auch für unser Zusammenleben gibt, da­rüber sprach der Tübinger Theologieprofessor Karl-Josef Kuschel vor den zahlreichen Gästen im Esslinger Neckar Forum.

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