Zwischen Neckar und Alb

Geld und Geschenke gegen Sex

42-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch an zwei Jungen

Ein 42-jähriger Sozialpädagoge muss sich wegen sexuellen Missbrauchs in 24 Fällen vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

Sabine Försterling

Esslingen/Stuttgart. Der Angeklagte war am ersten Prozesstag vor der 3. Großen Jugendkammer bereit, ein Geständnis abzulegen. Mit dem Vorwurf, einen Jungen auch vor dessen 14. Geburtstag sexuell missbraucht zu haben, tat er sich jedoch schwer. Erst nachdem der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen auf die zahlreichen Protokolle über die geführten Handy-Gespräche mit Datum und einem eindeutigen sexuellen Gesprächsverlauf hinwies, gab der Angeklagte alles zu und ersparte den beiden Jungen, aussagen zu müssen.

Der Sozialpädagoge betreute an seinem Wohnort in Rheinland-Pfalz für eine kirchliche Einrichtung eine Tagesgruppe für sozial sowie emotional auffällige Kinder und Jugendliche. Einer dieser Jugendlichen wechselte zwar die Schule, besuchte aber den Angeklagten später in dessen Wohnung. Dort soll es ab September 2013 mindestens 14 Mal zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Der Junge erhielt Geld und Geschenke wie eine Playstation. Etwa 2 500 Euro habe er ausgegeben, schätzte der Angeklagte.

Im August 2015 antwortete der 42-Jährige auf ein Inserat eines damals 14-Jährigen in einem Internetportal mit – Holzhausen zufolge – pädophiler Ausrichtung. Der Junge habe sexuelle Dienste gegen Bezahlung angeboten, meinte der Sozialpädagoge. Es kam nun zu mehreren Treffen in einem Hotel in Esslingen. Beim ersten Mal erhielt der Junge 700 Euro. Dieser habe immer wieder Geschichten aufgetischt, die er damals geglaubt habe, sagte der Angeklagte. Wie die Geschichte von der Erpressung eines ehemaligen Freiers oder die von einem Flug in die USA. Der 42-Jährige schenkte dem Jungen auch Parfum, eine Musikbox, ein Keyboard und einen Scooter. Beide trafen sich zudem ein paar Mal in der Wohnung, und einmal war auch der andere Junge dabei. Dieser soll übrigens eifersüchtig gewesen sein.

In den SMS an den Jungen bezeichnete sich der Angeklagte laut Holzhausen als „Papi“. Das sei eine sehr emotionale Beziehung gewesen, gab der 42-Jährige nach langem Drucksen zu. Anfangs hatte er noch bestritten, pädophile Neigungen zu Jungs zu haben. Das Treffen im Hotel fand meistens mittags statt, und in der Adventszeit bummelte man auch mal über den Weihnachtsmarkt oder ging shoppen. Etwa 8 000 Euro will der Sozialpädagoge, der inzwischen seinen Job verloren hat, für den zweiten Jungen ausgegeben haben. Und seinen Eltern hatte er den nun 15-Jährigen als seinen Patensohn vorgestellt. Mitte Februar dieses Jahres war wieder ein Treffen im Esslinger Hotel ausgemacht. Doch dieses Mal erwartete den 42-Jährigen die Polizei. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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