Zwischen Neckar und Alb

Gemischtes Doppel

Die Jahresausstellung in der Nürtinger Kreuzkirche zeigt Werke von Salvador Dalí und Joan Miró

Bunt und fantasievoll geht’s auch in diesem Jahr wieder zu bei der großen Kunstausstellung der Stadt Nürtingen in der Kreuzkirche: Bis zum 21. Februar sind dort Kunstwerke von Salvador Dalí und Joan Miró zu sehen.

Galeristin Brigitte Kuder-Broß erklärt eine Miró-Originallithografie, die 1982 als Plakat für die Fußball-WM in Spanien warb. Fo
Galeristin Brigitte Kuder-Broß erklärt eine Miró-Originallithografie, die 1982 als Plakat für die Fußball-WM in Spanien warb. Foto: Volker Haußmann

Nürtingen. Die letztjährige Ausstellung mit den bunten Wimmelbildern von James Rizzi und den detailverliebten Radierungen von Leslie G. Hunt erfreute sich – wie alle Ausstellungen davor – großer Besucherresonanz. Auch diesmal werden wieder Werke zweier Künstler gezeigt. Doch, halt: Dalí? Miró? Das kommt einem doch bekannt vor. Richtig, beiden Künstlern war schon einmal eine eigene große Ausstellung in der Kreuzkirche gewidmet. 2009 lockte die Dalí-Ausstellung 8 500 Besucher, 2011 kamen 14 600 in die Miró-Ausstellung.

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Diese mittlerweile neunte große Kunstausstellung der Stadt, die den Titel „Visionen und Farben der Poesie“ trägt, sei denn auch eine Wunschausstellung, erklärt Oberbürgermeister Otmar Heirich im Gespräch. Eine Umfrage unter Ausstellungsbesuchern habe vor zwei Jahren ergeben, dass ein Wiedersehen mit Werken dieser beiden Künstler gewünscht werde. Die Reuderner Galeristin Brigitte Kuder-Broß (Galerie „Die Treppe“) hat auch diesmal wieder ihre Kontakte zu Sammlern, Galeristen und Privatleuten in aller Welt genutzt und auf diese Weise die Exponate zusammengetragen. Zu sehen sind 160 Kunstwerke aus verschiedenen Epochen, die, so Heirich, „bisher noch nicht in Nürtingen gezeigt wurden“. Es sei also keineswegs ein „Abklatsch von vergangenen Ausstellungen“, so der OB. Vielmehr biete die Ausstellung einen „guten Querschnitt durch das Werk beider Künstler“.

Salvador Dalí (1904 bis 1989) und Joan Miró (1893 bis 1983) stammen beide aus Katalonien (Spanien), werden beide den Surrealisten zugerechnet und waren sogar miteinander befreundet. Im Wesen allerdings waren sie völlig verschieden. Während der exzentrische Paradiesvogel Dalí permanent das Licht der Öffentlichkeit suchte, war Miró einer von den ganz Stillen. Immer korrekt gekleidet, scheute er, wie Brigitte Kuder-Broß zu erzählen weiß, die öffentliche Aufmerksamkeit. Interviews waren ihm ein Gräuel. Und über seine Kunst wollte er schon gar nicht reden.

Die Ausstellung ermöglicht einen direkten Vergleich beider Künstler. Im Dachgeschoss der Kreuzkirche laden Druckgrafiken Dalís zu ausgiebigem Betrachten ein. Dessen Arbeiten zeichnen sich durch eine fantasievoll verfremdete Darstellung der Realität aus – Schubladen im Kopf und zerlaufende Uhr inklusive. Sind Frauen dargestellt – bei Dalí keine Seltenheit –, so stellen sie, weiß Kuder-Broß, stets Dalís Muse und Lebensgefährtin Gala dar.

Ganz anders die Kunst Mirós, die in der Kreuzkirche ebenfalls durch Druckgrafiken repräsentiert ist. Er benutzt eine Symbolsprache, um seine künstlerische Intention sichtbar zu machen. Erkennbar gegenständlich sind Mirós Bildinhalte nicht. Auch beschränkt er sich auf wenige Farben, wie Kuder-Broß zu berichten weiß. „Seine Hauptfarbe war Schwarz, denn Schwarz wertete seiner Ansicht nach die anderen Farben auf.“ Und das waren in der Regel Rot, Gelb, Blau, Grün. In der Kreuzkirche sind Mirós erste Lithografie aus dem Jahr 1930 und seine erste Radierung aus dem Jahr 1933 zu sehen. Beide übrigens in Schwarz-Weiß.

Bereits jetzt sind 251 Führungen gebucht, darunter 172 für Schulklassen und 19 für Kindergärten. Fünf Kunsthistorikerinnen führen die Besucher durch die Ausstellung.

Die Eintrittspreise blieben konstant, sagt Bärbel Igel-Goll. Neu ist eine Dauerkarte, die es ermöglicht, mehrmals die Ausstellung zu besuchen. Die Ausstellung ist bis 21. Februar dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet; Infos unter www.nuertingen.de und www.galerie-die-treppe.com, Termine für Führungen: Telefon 0 70 22/7 52 35.