Zwischen Neckar und Alb

Genüsslich ein Stück Welt retten

Freilichtmuseum Das „Erlebnis- und Genusszentrum“ in Beuren nimmt Gestalt an. 30 Partner machen sich für alte Sorten auf Wiesen, Feldern und in Gärten stark. Von Bernd Köble

Globale Gleichmacherei, industrialisierte Lebensmittel, gentechnisch optimierte Anbausorten. Wer all dies satt hat, sollte in den kommenden Jahren hin und wieder einen Blick nach Beuren werfen. Das Freilichtmuseum stillt Wissensdurst und macht Appetit. Auf regionale Produkte, vergessene Traditionen und bedrohte Sortenvielfalt. Kurzum: auf alles, was aus Feld und Flur dereinst den Weg in Küche und Keller fand.

Die Idee, in die Beurener Herbstwiesen ein Erlebnis- und Genusszentrum für bedrohte Sorten zu pflanzen, entstand schon in der zu Ende gegangenen Museumssaison. Jetzt macht sich der Kreis an die Umsetzung. Man will nicht nur werben, informieren und vermarkten. Die kulinarische Vielfalt der Region soll für Besucher „erschmeckbar“ werden, wie Museumsleiterin Steffi Cornelius die Idee gedanklich bebildert. Neben einer Dauerausstellung in einem „Haus der Sortenvielfalt“ ist deshalb auch an eine Schauküche gedacht, die an entsprechenden Aktionstagen Besucher mitten hinein führen soll ins Universum schwäbischer Back- und Kochkunst. Wer dort auf den Geschmack gekommen ist, soll dies in der Museumsgaststätte anschließend vertiefen können.

Für die Macher in Beuren ist das Themenfeld nicht neu. Mit der jährlich wiederkehrenden „Arche des Geschmacks“, dem Mostfest oder dem Frühlingsmarkt widmen sie sich schon lange dem, was in der Umgebung oder auf dem Museumsgelände wächst und gedeiht. Doch jetzt soll mehr daraus werden. Eine anerkannte Plattform nicht nur für Privatbesucher – auch für Experten aus dem ganzen Land. Eine Bastion gegen den fortschreitenden Artenverlust. Seinen Bildungsauftrag nimmt das Museum damit ernster denn je.

Dafür braucht es vor allem zweierlei: kompetente Partner und Geld. 150 000 Euro will der Landkreis 2017 in die Umsetzung der Pläne stecken. Der Verband Region Stuttgart schießt weitere 75 000 Euro zu. 45 000 Euro flossen inklusive Fördermittel zum Start in eine Machbarkeitsstudie. Das wird auf Dauer nicht reichen. Landrat Heinz Eininger hat bereits darauf hingewiesen, dass über den Museums-Förderverein in Zukunft weitere Drittmittel beschafft werden müssten. Er sei zuversichtlich, äußerte sich Eininger im zuständigen Kulturausschuss, „dass wir das außerhalb des Haushalts hinbekommen.“

Etwa 30 Partner sind bereits mit im Boot. Verbände, Vereine, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen wie die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Auch das dortige „Genbänkle“, ein Netzwerk aus Hobby-Gärtnern, die seltenes Saatgut austauschen und vermehren. Auf diese Weise ist es vor Jahren gelungen, über eine Genbank im russischen Sankt Petersburg die verschollene Alblinse wieder auf die heimischen Felder zu bringen.

Das Interesse am Projekt in Beuren ist groß. Die Zahl der Teilnehmer sei während der vorbereitenden Workshops stetig gewachsen, sagt Alexander Seitz von der Agentur Kohl & Partner, die an der Konzeptentwicklung beteiligt ist. Für ihn ist klar, dass schon die Lage des Freilichtmuseums ein Pfund ist, mit dem sich wuchern lässt. „Wenn nicht hier, wo sonst?“, meint Seitz mit Blick aufs Streuobstparadies am Albtrauf. Er ist sich sicher: „Für dieses Thema ist das ein sensationeller Ort.“

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