Zwischen Neckar und Alb

Geschichten erzählen

Spiefilme und Werbespots tragen die Handschrift des gebürtigen Kirchheimers Pascal Schmit

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Berlin/Neuffen. Während am Potsdamer Platz das Schaulaufen um die Berlinale seinen Höhepunkt findet, sitzt Pascal Schmit in einem Café in

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Berlin Mitte und blickt bei einem schnellen Mittagessen auf die Anfänge seiner Karriere zurück. Schmit, in Kirchheim geboren und in Neuffen aufgewachsen, ist im Filmgeschäft zu Hause. Spielfilme wie der mit zwei „Lolas“ ausgezeichnete Kinofilm „Zeit der Kannibalen“ und Werbespots für namhafte Unternehmen tragen seine Handschrift als Bildgestalter ebenso wie viele Musikvideos.

Die Berlinale konnte er nur am Rande verfolgen, denn sein zweites Kind kam vor wenigen Wochen zur Welt. Für das Familienleben hat er in seinem Kalender Platz geschaffen.

Die Arbeit als Bildgestalter – so nennt man Kameraleute, die Szenen mitgestalten und jedes Bild komponieren – ist für Schmit Geschichtenerzählen. Menschen in fremde Welten zu katapultieren, Freuden, aber auch Ängsten Gestalt zu verleihen, begeistert ihn. Die „Magie des Kinos, Menschen alles um sie herum vergessen zu lassen“ treibt ihn, den Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters, an.

Beim Knipsen mit der ersten Kamera fängt er als Jugendlicher Feuer. „Ich habe so viel geknipst, wie das Taschengeld zuließ – Abzüge waren teuer“, sagt er und lacht. Der erste Kinobesuch ist für ihn ein einschneidendes Erlebnis: „Die unendliche Geschichte“ weckt seine Faszination am Kino. Mit der Super-8-Kamera des Vaters zu fotografieren, wird die Lieblingsbeschäftigung, die Dunkelkammer sein Lieblingsort. Hier entwickelt er Fotos und entdeckt die Physik hinter den schönen Bildern.

An der Filmakademie in Ludwigsburg lernt Schmit in Studium und zahlreichen Projekten alle Facetten des Filmemachens kennen. Besonders gerne erinnert er sich an den Dreh eines Dokumentarfilms in Mosambik. Vier Monate verbrachten er und Regisseur David Spaeth dort. „Ich komme von meinen Reisen immer mit einer neuen Idee, Einblicken und Einsichten zurück“, erzählt er. Mit dem Kult-Sänger Max Herre schlenderte er durch Pariser Gassen, für Werbespots von Automobilherstellern inszeniert er Sehnsuchtsorte wie Kapstadt. Für ein Genre will Schmit sich nicht entscheiden – motiviert ihn doch gerade die Abwechslung in Tempo und Thema.

Seit 2008 lebt Schmit in Berlin. Als „Landei“, scherzt er, hat er sich in der schnelllebigen Hauptstadt mit seiner Familie in einem verhältnismäßig ruhigen Kiez niedergelassen: In Berlin Karow im Norden Pankows genießen sie die Ruhe einer Kleinstadt und sind doch nur 20 Fahrminuten von dem Treiben der Großstadt entfernt. Auf Stippvisite ins Ländle kommt Pascal Schmit regelmäßig. „Ein Teil meiner Familie lebt in Beuren, ich bin mindestens einmal im Jahr dort.“

Neben den vielen Aufträgen nimmt Pascal Schmit sich Zeit für Herzensprojekte: So unterstützt er ehrenamtlich ein Start-up-Unternehmen, das Turnschuhe unter fairen Produktionsbedingungen herstellt. In einem Werbespot setzt er die Treter in Szene – ohne Honorar. Denn neben dem Reisen und den vielen Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden, ist es das Gemeinschaftsgefühl beim Film, das Pascal Schmit die Liebe zu seinem Beruf bei jedem Projekt aufs Neue entdecken lässt.