Zwischen Neckar und Alb

Glasfaser muss in jedes Haus

Politik Der CDU-Kreisparteitag befasst sich mit dem Thema „Demografischer Wandel“.

Läuft alles nach Plan, dann werden noch in diesem Jahr die ersten Glasfaser-Leitungen gelegt.Foto: dpa
Symbolbild.

Leinfelden-Echterdingen. Da half auch der große Saal der Filder­halle nichts: Zum CDU-Kreisparteitag zum Thema „Demografischer Wandel“ waren nur 30 Leute erschienen. Es sprach Thaddäus Kunzmann, seit 14 Monaten Demografiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg. Dann stellte die stellvertretende Kreisvorsitzende und Regionalrätin Karin Pflüger ein vielseitiges Ideenpapier vor.

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Thaddäus Kunzmann ging von sich selbst aus: „Ich bin Jahrgang 1964, wir waren immer besonders viele. Wir sind auch in 15 Jahren viele, wenn wir in den Ruhestand gehen.“ Das Zeitfenster, solange die geburtenstarken Jahrgänge noch im Berufsleben stehen, betrage noch rund 15 Jahre - in dieser Zeit sei beherztes Vorgehen nötig. Es gehe nicht nur um Pflegeplätze, sondern auch darum, Pflege zu vermeiden. „Wir werden es nicht aus eigener Kraft lösen können“, plädierte Thaddäus Kunzmann für Zuzug. Er müsse das ganze Land erreichen, nicht nur die Ballungsräume. „Dann bleiben auch die Firmen vor Ort.“ Doch die Menschen könnten nach München, Hamburg, Toronto oder Australien gehen. „Wir stehen im Wettbewerb. Deshalb ist der Ausbau von Infrastruktur nötig, nicht deren Abbau.“ Eine halbe Million Menschen mehr in denselben Wohnungen, auf denselben Straßen, in denselben Kindergärten, das könne nicht funktionieren.

Den Fachkräftemangel, betonte Thaddäus Kunzmann, werde es auch im Ehrenamt geben. 70 Prozent der Pflegebedürftigen würden heute in der Familie gepflegt: „Was ist, wenn es keine Familie mehr gibt?“ Die Pflegebedürftigkeit werde sich bis 2050 gegenüber 2006 mehr als verdoppeln. „Ein permanent überfordertes Berufsbild ist nicht attraktiv.“

Private Vermieter hätten praktisch keine Anreize, ihre vermieteten Häuser und Wohnungen barrierefrei umzubauen. Diese Anreize seien nötig. Auch Ältere und Hochbetagte müssten sich draußen sicher fühlen, durch einen guten Straßenbelag, gute Ausleuchtung, Sitzgelegenheiten und Toiletten. Und sie bräuchten Gründe, das Haus zu verlassen, sonst drohe Vereinsamung.

Der Mobilitätsradius mit einem Rollator liege bei 500 Metern, mit einem selbstfahrenden Auto seien es 30 Kilometer. An diese Technik hat Thaddäus Kunzmann hohe Erwartungen, sie erfordere aber ein flächendeckendes 5G-Funknetz. Für die Digitalisierung brauche es Glasfaser in jedes Haus. „Bei der Telemedizin muss nicht nur der Patient den Arzt, sondern auch der Arzt den Patienten sehen. Dazu brauchen wir synchrone Datenleitungen und den rechtlichen Rahmen.“ Zur Prävention: Welche Lebenserwartung hat ein heute 65-Jähriger, und wie viele Jahre davon gesund? Die Gesamtjahre in Deutschland und Norwegen sind fast gleich, etwa 20. Doch Norweger sind 15 Jahre davon statistisch gesehen gesund, die Deutschen dagegen nur sieben. Was machen die Norweger besser?

Konkrete Lösungsansätze

Das zehnseitige Ideenpapier, das Karin Pflüger vorstellte, wurde konkret. Einige Vorschläge: Bei Neubauten nicht ein Geschoss, sondern einen festen Prozentsatz barrierefrei vorschreiben, etwa 25 Prozent. Bei Sanierungen darauf achten, dass dabei nicht unnötig günstiger Wohnraum vernichtet wird. In der Landesbauordnung schwellenfreie Ausgänge zum Balkon erlauben.

„Altersgerechter Wohnbau gehört in die Ortsmitte“, betonte Karin Pflüger, von Beruf Architektin. Ihre Vorschläge zur Quartiersgestaltung reichten vom Quartiersplatz mit schattigen Bänken bis zum überdachten Buswartehäuschen, dazu die nötige Nahversorgung und den Allgemeinarzt, den man eventuell mit einer günstigen Miete locken müsse. Wohngemeinschaften oder der Umzug in eine kleinere Wohnung müssten immer freiwillig sein.

Auch mit nur 30 Teilnehmern folgte eine angeregte Diskussion. Woher sollen Pflegekräfte kommen? Ein Teilnehmer sah bei Schwarzafrikanern ein „irres Potenzial“. Eine Ausbilderin, die Migranten unterrichtet, verwies auf deren Sprachprobleme, aber auch auf die Finanzierungsproblematik, denn auch diese Menschen hätten Anspruch auf ein angemessenes Gehalt: „Wie kann man das finanzieren? Wer zahlt die monatlich 2 500 Euro zu?“ Peter Dietrich