Zwischen Neckar und Alb

Gleich und doch sehr verschieden

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb und das Biosphärengebiet Vänern-Kinnekulle in Schweden

Johanna Mac Taggart
Johanna Mac Taggart

Lenningen/Götene. Wie arbeiten Biosphärengebiete in anderen Ländern? Ein Blick auf ein Biosphärengebiet in Schweden: Mehr als

dreimal so viel Fläche wie das Biosphärengebiet Schwäbische Alb umfasst das Biosphärengebiet Vänern-Kinnekulle, das sich in Mittelschweden befindet.

Zwei Frauen sind in der Leitung: In Schweden Johanna Mac Taggart, in Deutschland Petra Bernert. Trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen wie Gebietsgröße und Besiedlungsdichte gibt es viele gemeinsame Gedankengänge und Aktivitäten.

Das liegt zum einen daran, dass der Ausgangspunkt eines Biosphärengebiets immer derselbe ist: Ein Biosphärengebiet will immer Beispiel sein, wie wirtschaftlich erfolgreiches und soziales Handeln sowie der Schutz der Natur nachhaltig gelebt werden kann. Und das nicht von oben herab, sondern von den Menschen, die dort leben, kommend, „partizipativ“, also teilnehmend, wie Petra Bernert, Chefin des Biosphärengebiets Schwäbische Alb diesen Prozess benennt. Und diese grundsätzliche Arbeitsweise findet sich in beiden Biosphärengebieten – obwohl internationale Kontakte im täglichen Einsatz bislang wenig Raum finden – „zu wenig“, wie beide Frauen unabhängig voneinander feststellen.

Doch die gelebten Prinzipien führen zu ähnlichen Ideen. Beispiel Biosphärenbotschafter: gleicher Name, ähnliche Idee, von beiden Gebieten unabhängig voneinander ins Leben gerufen und gelebt. Auf der Schwäbischen Alb werden zertifizierte Landschaftsführer weiter qualifiziert, in Schweden gibt es neben ehrenamtlichen Biosphärenbotschaftern auch noch Mini-Botschafter: Kinder im Kindergarten- und Schulalter, die in verschiedenen Projekten viel über Nachhaltigkeit und Naturschutz lernen.

Johanna Mac Taggart arbeitet zu 50 Prozent als Beraterin für die schwedische Regierung in Bezug auf Biosphärengebiete und vertritt Schweden auch international beim MAB-Programm der UNESCO. Während der anderen 50 Prozent ihrer Arbeitszeit koordiniert sie das Biosphärengebiet vor Ort mit zwei Kollegen zusammen.

Ganz anders sieht das in Münsingen aus: Petra Bernert, dem Regierungspräsidium in Tübingen angegliedert, ist Chefin von zwölf Mitarbeitern. Entsprechend groß ist die Initiative, die vom Büro selbst ins Gebiet getragen werden kann.

In Schweden ist aufgrund der begrenzten Ressourcen viel mehr Initiative der lokalen Unternehmer gefragt. Das Biosphärenbüro übernimmt dabei mehr eine koordinierende, inspirierende Funktion. „Wir wollen eine treibende Kraft für die nachhaltige Entwicklung sein“, beschreibt Johanna Mac Taggart ihre Arbeitsweise. „Wir wollen – und können – keine parallelen Organisationen schaffen, sondern möchten bestehende nachhaltig weiterentwickeln.“ Ein Hauptunterschied in der Arbeitsweise zwischen Deutschland und Schweden ist auch, dass sich deutsche Biosphärengebiete oft mehr als Destinationsmanagement-Organisation verstehen, also die wirtschaftliche Entwicklung eher auf den Tourismus und Markenbildung ausrichten.

Die Schwedin Johanna Mac Tag­gart sieht als größte Herausforderung der nächsten Jahre, dass die Menschen ihre Verbindung zur Natur, zu ihrer natürlichen Umgebung bewahren. Für Petra Bernert, Leiterin der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, ist die größte Herausforderung, die Bewohner und Wirtschaftsunternehmen zu motivieren. „Jetzt ist es wichtig, dass die Menschen weiter dabeibleiben.“

Fotos: J. Reischl/U. Bührer-Zöfel

Petra Bernert
Petra Bernert
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